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24.03.2011 - Abenteuer in der Mark (Märkische Allgemeine)

Ingeborg und Uwe Riest haben in Boltenhof einen Gutshof zum Leben erweckt.

Wer den weitläufigen Gutshof in Boltenhof bei Fürstenberg betritt, fühlt sich augenblicklich in eine andere Zeit versetzt. Das Gut gehört zu den wenigen in ihrer Grundform erhaltenen Gutsanlagen in Brandenburg. Eine Pferdekutsche, die über das alte Pflaster rappelt, sucht der Besucher zwar vergeblich, doch in die alten Ställe ist wieder Leben eingekehrt. Uwe und Ingeborg Riest haben den Gutshof vor dem Verfall gerettet. 1996 sind sie aus Niedersachsen nach Brandenburg gekommen. "Zwei Jahre haben wir nach einem geeigneten Objekt gesucht", erzählt der Hausherr. "Wir waren neugierig und wollten noch einmal etwas ganz Neues anpacken."

Daraus ist ein Abenteuer geworden. Denn das Gutshaus war in einem solch bedauerlichen Zustand, dass die Bürgermeisterin meinte, man könne es eigentlich nur noch zusammenschieben. Das haben die beiden Neu-Brandenburger nicht getan – sie haben es Stück für Stück wieder aufgebaut. Der Traum von einem Landwirtschaftsbetrieb in Brandenburg ging in Erfüllung. Auf dem Hof gibt es wieder Rinder, Schafe, Ziegen, Gänse und zwei Ponys. Ferienwohnungen und ein Feinschmecker-Restaurant sind hinzugekommen. "Von 80 Hektar Sand kann man nicht leben", sagt Uwe Riest. Auch wenn der märkische Boden nicht mit der Börde zu vergleichen ist, das Ehepaar hat trotzdem Wurzeln geschlagen.

Der 73-jährige Landwirt kümmert sich um seine Mutterkuhherde und baut Mais, Roggen und Grünfutter an – ein Vollzeit-Job. Lohnunternehmer helfen ihm, das Heu zu verarbeiten und Silage herzustellen. Im vergangenen Jahr hat der Bauer den gesamten Betrieb auf Bio-Produktion umgestellt. Die Tiere werden auf Bio-Weiden gehalten, an Bio-Betriebe verkauft und mit Bio-Futter gefüttert. Das bedeutet höhere Kosten. "In der heutigen Zeit muss sich ein Landwirt immer überlegen, wie es weitergeht und wie man aus dem Betrieb noch mehr herausholen kann", sagt der Hofbesitzer. "Das war bei meinem Großvater noch anders. Der hat mit sieben Hektar Land angefangen und als er sich zur Ruhe setzte, waren es immer noch sieben Hektar. Nebenbei arbeitete er als Zimmermann."

Die Zeiten haben sich geändert. Uwe Riest ärgert sich darüber, dass "die Treuhand das Land an geldgierige Investoren verscherbelt, anstatt es ortsansässigen Bauern zu geben". Der Landwirt ist Mitglied im Bauernbund. Wie sein Verband wehrt er sich entschieden dagegen, dass eine Regelung eingeführt werden soll, bei der maximal 0,1 Prozent des Saatgutes gentechnisch verunreinigt sein darf. Drei Bundesländer haben einen entsprechenden Antrag in den Bundesrat eingebracht. Gegenwärtig muss verunreinigtes Saatgut aus dem Verkehr gezogen werden.

"Wenn das so kommt, können wir nichts dagegen tun", sagt Uwe Riest. "Ich kann ja schlecht auch noch meinen eigenen Mais züchten." Seiner Meinung nach sind sich die Bauern im Kreis Oberhavel alle einig. Sie wollen kein verunreinigtes Saatgut. "Aber wenn uns das von der Politik untergeschoben wird, haben wir keine Chance." Doch viel Zeit bleibt ihm nicht zum Schimpfen. Die Arbeit ruft. Das Holz aus dem sieben Hektar großen Gutswald muss verarbeitet werden. Die Feldbestellung beginnt. Mist streuen, pflügen, Hafer drillen. Seine ebenfalls 73 Jahre alte Ehefrau Ingeborg erledigt die Buchhaltung.

Das Dorfleben spielt sich wieder wie früher auf dem Gutshof ab. Dort wird das Maifest gefeiert, das Osterfeuer angezündet oder geboßelt. Dieses Spiel, eine Mischung zwischen Kegeln und Boule, haben die Gutsbesitzer aus ihrer Heimat mitgebracht. Dazu gibt es Glühwein und anschließend ein typisch norddeutsches Essen: Grünkohl mit Pinkel – zubereitet von Küchenchef Jaques Neubauer, der sich mit seiner Frau um Restaurant und Hotel kümmert und beides seit 2009 gepachtet hat.