Jörg d?Heureuse wird neuer Betriebsleiter auf dem Landgut Pretschen
Einmal, da waren sie kurz davor, aufzugeben. Der Winter war ungemütlich und das Geschäft lief zäh. Dazu der private Stress, das Leben im Umbruch. Jörg d?Heureuse und Sonja Geweke hatten ihre Familienplanung gerade neu geschrieben, diesmal zusammen. Beide waren aus ihren Ehen ausgebrochen, um zusammenzusein. Aus einer langjährigen Freundschaft war in einer Silvesternacht Liebe geworden, wenig später schon eine Familie.
Das Miteinander hat Jörg d?Heureuse und Sonja Geweke Kraft gegeben, privat wie beruflich. 2007 haben sie den Biogärtnerhof in Altglobsow neu strukturiert, das Sortiment überarbeitet. Vor allem mit Tomaten, Kräutern und Salat, dazu den Hofladen und die "Grünen Kiste", einem Lieferservice für zuletzt 100 Stammkunden, arbeiteten sich die Öko-Landbauern aus der Krise. Als sie Kontakt zu einem Großhändler knüpfen und bald einen Großteil ihrer Ernte nach Berlin liefern, ist das ihr Durchbruch. "Wir waren erfolgreich. Wir hätten expandiert. Wir haben bewiesen, wir können es."
Wenn Jörg d? Heureuse und Sonja Geweke jetzt die Koffer packen und mit den Kindern Frida, Marc und Gesa sowie den Tieren in den Spreewald umziehen, dann nicht, weil sie gescheitert sind. So fühlt es sich für beide nicht an. Auch wenn der Abschied mehr erzwungen ist, als wirklich gewollt. Wenn sie in der Region ein Stück Land gefunden hätten, auf dem sie hätten wirtschaften können, wären sie geblieben. Nur in Altglobsow können und wollen sie nicht bleiben.
Der berufliche Erfolg und das private Glück wirkten lange wie ein Schutzschild. Lange hielt es dem rauen Wind, der Jörg d?Heureuse und Sonja Geweke entgegenblies, stand. Aber irgendwann wir die Haut dünner. Die Streitereien mit Nachbarn, das Gezerre um das Gärtner- Grundstück und die private Trennungsschlacht drohten das Paar zu zermürben. "Was von außen kam, hat uns so belastet, dass wir miteinander gestritten haben", sagt Sonja Geweke. Jetzt steht der Entschluss fest: Weg aus Altglobsow, weg aus Neuroofen.
Seit Dezember ist der Gärtnerhof geschlossen, der Betrieb so gut wie abgewickelt. Das Abschiedsfest für die Kunden war Anfang Januar und ziemlich erfolgreich. Die Jungpflanzenanzucht und die andere Technik zieht mit um, die "Grüne Kiste" bleibt. Den Lieferservice samt Kundenstamm übernimmt Susann Wähnert, die Chefin vom Apfelhof in Hoppenrade.
Am 1. Februar fängt Jörg d?Heureuse als Betriebsleiter auf dem Landgut Pretschen an. Südlich von Berlin im Spreewald gelegen. Deutschlands größter Chicorée-Produzent, ein Demeter-Betrieb. Die Familie kommt nach, sobald ein adäquater Wohnsitz gefunden ist. In eine Neubauwohnung wollen die Eltern schon der Kinder zuliebe nicht ziehen. Es gibt Hoffnung auf eine alte Hofstelle, renovierungsbedürftig, aber mit genügend Platz zum Leben und Entfalten. Marc, der achtjährige Sohn von Sonja Geweke, ist vom Umzug trotzdem nicht begeistert. Die Schule in Menz, die Wohnung in Neuroofen, der Hof in Altglobsow, das alles gehörte in den vergangenen Jahren zu seiner Kindheit. Wenn er schon muss, hätte er Brandenburg gerne gänzlich verlassen. "Dann hätte ich in den Ferien wenigstens meine Freunde in Menz besuchen können", sagt Marc.
Die Option auf ein anderes Bundesland gab?s tatsächlich. Die Familie hat sich in Hamburg umgeschaut, weil Jörg d?Heureuse auch dort ein Jobangebot hatte. Aber in Pretschen können die Altglobsower Biogärtner Tomaten machen. Viele Tomaten. Die Anbaufläche des Landgutes übersteigt die des alten Hofes um ein Vielfaches. Genügend Freiraum wurde den bislang selbstständigen Gärtnern auch zugesichert. "Man gibt etwas von seiner Eigenständigkeit auf. Aber es gibt regelmäßig Geld, auch im Winter", sagt Jörg d?Heureuse, der vor allem mit seiner Erfahrung in der Biobranche punkten konnte.
Als er zum Vorstellungstermin nach Pretschen kam, wusste sein Arbeitgeber schon so viel über seinen künftigen Betriebsleiter, dass ihm die Entscheidung leicht gefallen ist. "In der Branche kennt man sich", sagt d?Heureuse und freut sich über seinen und den "Marktwert" seiner Lebensgefährtin und zukünftigen Ehefrau Sonja Geweke. Auf den Internetseiten der Ökoverbände gab es einige Stellenangebote, die für beide gepasst hätten. "Die Landwirtschaft ist im Umbruch. Viele Höfe drohen einzugehen, weil sich keiner findet, der sie weiterführt", sagt Sonja Geweke. Aber weiter als nach Pretschen wollen die beiden vorerst nicht. "Wir sind beide 40 und suchen schon etwas, wo wir nicht mehr wegmüssen. Jetzt ist die Zeit, wo man sesshaft wird."


