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15.01.2010 - Auch Biobauern stecken in der Krise (Neues Deutschland)

Branche erwartet Stagnation / Preisschlacht im Einzelhandel schadet auch Bioprodukten

Der Aufwärtstrend der Biobranche ist vorläufig gestoppt: Erstmals seit Jahren wird es kein Umsatzplus geben. Schuld daran sind Wirtschaftskrise und Umsatzprobleme in großen Discountern. Die Branche will Fachhandel und "ehrliche Produkte" stärken.

Auch an der Ökobranche ging das Krisenjahr 2009 nicht spurlos vorbei. Zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin legte die Branche neue Zahlen vor. Während der Lebensmittelumsatz insgesamt um 2,4 Prozent einbrach, wird bei den Bioproduzenten über genaue Zahlen noch spekuliert ? es fehlen Daten für Dezember. Doch Hans-Christoph Behr von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) ist sich sicher, dass 2009 kein Plus mehr vor den Umsatzzahlen der Biobranche stehen wird. Das wäre seit über 12 Jahren das erste Mal. Eher werde der Gesamtumsatz der Branche unter den rund sechs Milliarden Euro Einnahmen liegen, die 2008 erreicht wurden, meinte Behr auf der Messe Berlin. Das sieht man in der Branche selbst anders: Götz Rehn, Geschäftsführer von Alnatura und Mitglied des Bundes Ökologische Landwirtschaft (BÖLW) erklärte, es werde sehr wahrscheinlich einen Umsatzzuwachs geben. Denn klar sei schon jetzt, dass der Fachhandel vier Prozent über den Einnahmen von 2008 liege ? hier habe man sich klar verbessert.

Die Gesamtzahl hängt nun vor allem davon ab, wie stark die Einbußen bei den Bioprodukten sind, die in Discountern und großen Lebensmittelmärkten vertrieben werden. Dort habe es in den letzten Monaten eine wahre "Preisschlacht" gegeben, meint Marktforscher Behr vom AMI. Durch die Krise bei den Billigmärkten sei es zu einer Einschränkung des Biosortimentes und auch zu niedrigeren Preisen gekommen, die nicht durch mehr Verkäufe ausgeglichen werden konnten ? das drückt voraussichtlich den Gesamtumsatz. Schon im Oktober hatte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) einen Rückgang im Biogeschäft von bis zu zwei Prozent festgestellt. Für das erste Halbjahr 2009 war sogar ein Minus von vier Prozent verzeichnet worden.

Ganz so dramatisch wird der Rückgang des Bioumsatzes dennoch nicht ausfallen, auch wenn die Branche von Krise und Umsatzkrieg im Einzelhandel gezeichnet ist. Deshalb betonen Mitglieder des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft wie Rehn auch, dass vor allem im Fachhandel statt in Discountern die Zukunft der Branche liege. "Immer mehr Verbraucher sehnen sich nach regionalen und authentischen Lebensmitteln", erklärte Rehn.

Im Unterschied zu Biolebensmitteln in Billigmärkten, die als Alternative zu konventionellen Lebensmitteln angeboten werden, wird in reinen Biosupermärkten und kleinen Bioläden vor allem auf Produkte aus regionaler Herstellung und mit strengeren Anbauvorschriften gesetzt. Doch gerade der kleine Bioladen um die Ecke hatte es laut Statistik des BÖLW 2009 besonders schwer: 100 Läden mussten schließen, nur 50 wurden bundesweit eröffnet. Dafür legten größere Biogeschäfte in Fläche und Anzahl zu.

Mitglieder des BÖLW wie Joachim Weckmann von der Assoziation Ökologischer Lebensmittelhersteller (AoeL) wollen gegen den Trend zur Biovermassung vor allem auf mehr Transparenz und Qualität setzen. "Wir wollen qualitative Ökoprodukte und stehen für nachhaltige Wirtschafts- und Handelsbeziehungen ein", so Weckmann. Er ist neben seiner Arbeit als Biolobbyist selbst Ökobauer und Chef von "Märkisch Landbrot". Zusammen mit anderen Brandenburger Kollegen gründete er 2007 die Aktionsgemeinschaft "Fair und Regional". Angesichts des Preiskrieges und des Wettbewerbes in der konventionellen Landwirtschaft ist das für Bioprodukte vielleicht langfristig die einzige Chance, Kunden an sich zu binden: Denn mit Äpfeln aus Südafrika verliert die Branche schlicht an Glaubwürdigkeit.