Der weltgrößte Chemiekonzern BASF kapituliert vor der anhaltenden Kritik an der Gentechnik in Europa und verlegt seine Zentrale für Pflanzenbiotechnologie in die USA.
"Die Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert", sagte BASF-Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski am Montag in Ludwigshafen. Das Unternehmen sehe keine Chance für eine erfolgreiche Kommerzialisierung der Gentechnik in Europa für eine lange Zeit. Der Konzern sieht in ihr aber nach wie vor eine Zukunftstechnologie.
Die Unternehmenszentrale der BASF Plant Science zieht von Limburgerhof in Deutschland nach Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina, wie der Chemiekonzern mitteilte. Durch den Umzug sollen in den kommenden zwei Jahren 140 Stellen europaweit abgebaut werden. BASF entstünden Kosten im unteren zweistelligen Millionenbereich.
In weiten Teilen Europas fehle immer noch die entsprechende Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker, begründete Marcinowski den Schritt. "Wir werden uns deshalb auf die attraktiven Märkte in Nord- und Südamerika und die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren", fügte er hinzu.
In Europa hätten mehrere Ereignisse die Entscheidung von BASF beeinflusst. Marcinowski nannte unter anderem eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut einschränkt, sowie eine "neue Form der Gewalt" vonseiten der Gentechnikgegner.
Die Entwicklung und Kommerzialisierung aller Produkte, die ausschließlich auf den europäischen Markt ausgerichtet sind, werde gestoppt, hieß es. Dies betreffe unter anderem die gentechnisch veränderten Stärkekartoffeln Amflora, Amadea und Modena. Die Forschungsstandorte des Unternehmens bei Metanomics in Berlin und CropDesign in Gent würden dagegen ausgebaut. Bei beiden handle es sich um Institute mit Weltruf.
Alle Aktivitäten der Sparte in Europa sollen in diesem Jahr zu einem geordneten Abschluss gebracht werden. 2013 werde die Neuordnung abgeschlossen sein. Insgesamt fielen 140 Stellen weg. Den betroffenen Mitarbeitern sollen möglichst Stellen innerhalb von BASF angeboten werden. In Limburgerhof sollen elf Stellen erhalten bleiben, die unter anderem für Regulierungsfragen in Europa zuständig sein sollen.
Marcinowski sagte: "Wir sind davon überzeugt, dass die Pflanzenbiotechnologie eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ist." Die BASF investiere 150 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung der Sparte. Über die vergangenen zehn Jahre hätten die Investitionen 1,2 Milliarden Euro betragen.
Die Verlegung hatte sich angedeutet. Der BASF-Vorstandsvorsitzende Kurt Bock beklagte sich erst in der vergangenen Woche bei einem Neujahrsempfang in Stuttgart über die ablehnende Haltung gegenüber der Gentechnik hierzulande. "Wir haben eine hohe Kompetenz und sind dabei, diese zu verspielen." Als Beispiel nannte er die Einführung von Amflora. In der EU habe sich die Genehmigung über 13 Jahre hingezogen. In Brasilien sei sie für ein ähnliches Produkt bereits nach 18 Monaten erteilt worden.


