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08.06.2011 - Bauern demonstrieren heute und morgen in Berlin – wegen Biogasanlagen und fairen Preisen (Märkische Allgemeine)

Zu einer Sternfahrt nach Berlin sind Landwirte aus dem Bundesgebiet unterwegs. Morgen wollen sie vor dem Kanzleramt für eine "bäuerlich-faire Landwirtschaft" demonstrieren. "Viele stehen vor der Entscheidung, ob sie die Höfe ihrer Eltern übernehmen sollen. Sie wollen wissen, worauf sie sich einlassen", sagte gestern Marcus Wewer. Der gelernte Landwirt arbeitet in einer Biofleischwirtschaft in Bollewick bei Röbel (Mecklenburg-Vorpommern).

Michael Brinschwitz, Geschäftsführer des Kreisbauernverband Ostprignitz-Ruppin, ist von der Aktion überrascht. Denn der Bauernverband gehört nicht zu den Organisatoren der Sternfahrt. Vielmehr wurde diese von Vereinen einer ökologischen Landwirtschaft, wie Bioland, Demeter und Naturland initiiert. Mit dabei ist aber ebenfalls der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Gleichwohl hat auch der Bauernverband zu einer Demonstration in Berlin aufgerufen: Bereits heute wollen Landwirte in der Hauptstadt auf die Straße gehen. Sie befürchten durch das neue Einspeisegesetz für erneuerbare Energien (EEG) eine Benachteiligung von landwirtschaftlichen Biogasanlagen. "Man darf nicht nur einseitig Großanlagen fördern", sagt Michael Brinschwitz.

Diese Gefahr sieht Sven Deter, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, jedoch gar nicht. "Agrarministerin Aigner hat bei der Brala in Paaren versprochen, dass gerade Kleinanlagen gefördert werden sollen." Deter hält das selbstverständlich. Denn im Gegensatz zu Solar- und Windkraftanlagen, die nur bei einer bestimmten Wetterlage Strom produzieren, kann dies eine Biogasanlage das ganze Jahr über – vorausgesetzt die Anlage wird kontinuierlich mit Gülle und Energiepflanzen gefüttert.

Darauf spezialisieren sich immer mehr Bauern. Sven Deter hat dafür Verständnis. Zwar müsse für Landwirte die klassische Nahrungsmittelproduktion im Vordergrund stehen. "Aber wir machen nicht die Preise – weder die für Lebensmittel noch die für Energie", so Deter. Deshalb könne man es auch keinem Landwirt verübeln, wenn dieser statt Getreide nur noch Mais für Biogasanlagen anbaut.

Der Kreisbauernchef glaubt, dass die Lebensmittel in Deutschland zu billig sind und teurer werden müssten. Allerdings müsse der höhere Preis auch den Landwirten zugute kommen. In diesem Punkt ist sich Deter mit den Organisatoren der Sternfahrt nach Berlin einig. "Wir fordern eine neue Agrarpolitik, die auch mittlere und kleine Landwirtschaftsbetriebe leben lässt", sagt Phillip Brändle, der ökologische Agrarwissenschaften in Kassel studiert.

An den Stationen ihrer Sternfahrt werben die Initiatoren um Verständnis für ihre Forderungen nach einer fairen, tiergerechten und ökologischen Landwirtschaft. Gestern unterstützten sie beispielsweise eine Bürgerinitiative in Haßleben (Uckermark). Diese will verhindern, dass ein holländischer Investor in dem kleinen Ort bei Prenzlau eine Schweinemastanlage für 35.000 Tiere baut. Heute sind die Protestler in der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (Barnim) und suchen das Gespräch mit Studenten.

Der Darmkeim Ehec und die Folgen für Landwirte spielte bei den bisherigen Diskussionen der Sternfahrt übrigens kaum eine Rolle. Für Marcus Wewer ist das wenig überraschend. "Man weiß ja noch gar nichts Genaues."