Auf dem Bauerngut Heimen & Frucht wird noch Gemüseanbau nach alter Tradition gepflegt. Damit wächst hier nicht nur chemiefreies Gemüse heran, sondern finden auch in der Saison Leute aus der Region bei der aufwändigen Handarbeit immer wieder einen Saisonjob. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen Cornelia Behm besuchte den Demonstrationsbetrieb.
Was auf den Stellagen in der Gärtnerei liegt, sieht auf den ersten Blick aus wie getrocknete Dillblüten. Es sind jedoch Möhrensamen. Hubert Heimen erklärt, dass der Betrieb für verschiedene Saatgutfirmen arbeitet. Die Möhren seien nur eine Randkultur, um die 30 Kilogramm hoffe man abliefern zu können, so der 51-Jährige. Die Libbenichener sind vielseitig. Monokultur ist nicht ihr Ding. Cornelia Behm staunt über die breite Gemüsepalette - rund 30 Kulturen werden angebaut, darunter viele Exoten. Winterpostelein z.B., Radicchio oder Grüner Eichblattsalat. Der Bedarf sei da, erzählen die beiden Firmeninhaber.
Sie beliefern einen Großhandel, vermarkten selbst nicht. "Das funktioniert ganz gut, man hat so Zeit, sich um die eigentliche Arbeit zu kümmern", sieht es Hans-Peter Frucht. Die 2.000 Quadratmeter unter Glas bilden nur einen Teil des kleinen Ökobetriebes. Im Gewächshaus werden vor allem Jungpflanzen angezogen. Auch Gurken und Tomaten wachsen hier. Dazwischen grüne Streifen - organischer Dünger. Das Herzstück des ökologischen Demonstrationsbetriebes bilden die 13 ha, auf denen Freilandgemüse heranwächst. Die Firmeninhaber zeigen den Gästen ihr Reich.
Auch für Axel Vogel und Nastasia Ilgenstein, die für die Grünen in den Landtag wollen, ist es ein spannender Einblick in die Praxis. Hier wird das umgesetzt, wofür die Grünen stehen - keine Chemie, dafür ein Besinnen auf die Werte der Natur, Landschaftskulturpflege und ein Wirtschaften im Einklang mit dem Umfeld. Am Rand der Freilandflächen stehen zum Beispiel dichte Blumenrabatten. Nein, sie haben hier keinen Blumenverkauf, erklären Heimen und Frucht schmunzelnd. "Blumen sind die Seele jedes Gärtners", sagt Frucht. "Und sie sind wichtig für die Imker." Die Parzellen mit dem Kohl, Kürbis so exotischer Sorten wie Muskatkürbis, Hokaido oder Ölkürbis, Fenchel, Möhren und Salat sind alle etwa 2000 Quadratmeter groß.
Auf einem Teil der Fläche wächst Kleegras oder Lupine. Das ist der organische Dünger für die Felder. Damit wird den Flächen auch Ruhe gegönnt, denn ein ständiges Ausbeuten würde auf Dauer die Bodenbilanz merklich verschlechtern. Viele der Arbeiten werden mit Arbeitspferden erledigt, erzählen die Männer. Ansonsten könne man die großen Flächen nicht so sauber halten, erläutern sie. Es bleibe dennoch viel Handarbeit. Bis zu zehn Saisonkräfte sind immer mit dabei. "Es sind Frauen und Männer, die seit Jahren kommen", erklärt Frucht. "Denen brauchen wir nicht immer aufs Neue unseren Betrieb zu erklären. Die wissen, was zu tun ist," sagt der 54-jährige Frucht.
Cornelia Behm will wissen, wie die Libbenichener es mit der Bewässerung halten. Es gibt keine einheitliche Lösung, erklärt Hubert Heimen. Jede Kultur brauche zu anderen Zeiten Wasser. Salat z.B. könne nicht morgens im Wasser stehen, dann würden die Blätter faulen. Die Öko-Gärtner machen bei der Gelegenheit gleich auf ein Problem aufmerksam. Für die Beregnung haben die Libbenichener 2006 einen eigenen 90 Meter tiefen Brunnen gebohrt. Die Agrarförderung lag damals noch bei 35 Prozent. Inzwischen wurde sie auf 25 Prozent reduziert. Was noch schwerer wiege, sei die Absenkung der Bagatellgrenze. Nur, wer für mehr als 15.000 Euro investiert, kann den Zuschuss bekommen.
Damit seien gerade kleine Ökobetriebe im Nachteil. Ein Punkt, den die beiden Landtagskandiaten in ihren Block notieren. Denn die Entscheidung dazu fällt das Land. Cornelia Behm sichert zu, dass sie sich auf Bundesebene dafür einsetzen werde, dass beim Verkauf von BVVG-Flächen der Punkt Arbeitskräfte noch stärker berücksichtigt wird. Die Grünen hätten bereits erreicht, dass mindestens 2000 ha im Jahr nur unter dieser Maßgabe verkauft werden. Die BVVG habe signalisiert, dass sie bereit sei, diese Zahl zu verdoppeln.
Das sei der richtige Schritt, sieht es die Bundespolitikerin. Sie lobt den Libbenichener Betrieb als Beispiel für Unternehmertum. "Bisher sind es wie hier meist Leute aus den alten Bundesländern, die den Schritt ins eigene Unternehmen wagen. Wir brauchen viel mehr Menschen, die solch einen Mut zeigen. Das müsste auch mehr gefördert werden." Axel Vogel hat gleich eine Zahl parat. Hier würden mit wenigen Mitteln Menschen in Lohn und Brot stehen. Um einen Arbeitsplatz in der Papierindustrie zu schaffen, müssten hingegen 2,5 bis vier Millionen Euro gezahlt werden, zum großen Teil auch noch Fördermittel. Gleichzeitig würden weitere Prozesse technisiert und damit Menschen überflüssig.


