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15.01.2010 - Berlin isst Bio (Berliner Zeitung)

Läden und Imbisse setzen auf ökologisch produzierte Lebensmittel. Nur beim Döner klappt es nicht.

Berlin gilt in der Bio-Branche als größter Markt Europas, hier lassen sich mehr Öko-Waren absetzen als in Paris oder London, auch wenn diese Städte um einiges größer sind. 41 Biosupermärkte gibt es nach Angaben der Fördergemeinschaft ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) mittlerweile, dazu kommen rund 80 Bioläden und ein rein ökologischer Wochenmarkt am Kollwitzplatz. Selbst Discounter wie Aldi, Lidl oder Netto haben inzwischen Bio-Lebensmittel im Sortiment. Und neuerdings setzen sogar Imbisse verstärkt auf Bio.

Alain? Snack an der Schönhauser Allee besteht seit 20 Jahren und war bisher auf Ketwurst spezialisiert. Seit einigen Monaten verkauft Inhaber Alain André auch Bio-Currywurst und Bio-Bratwurst ? samt Biobrötchen und Ketchup oder Senf aus ökologischer Herstellung. Das Fleisch kommt aus der Manufaktur Velten in Brandenburg, die Brötchen von einem Bio-Bäcker aus Neukölln, alles ist mit dem staatlichen Biosiegel zertifiziert. 2,85 Euro kosten die Bio-Currywurst und die Bio-Bratwurst mit Brötchen.

Ihm sei aufgefallen, dass in Prenzlauer Berg immer mehr Biosupermärkte eröffneten und da haber er sich gedacht, das könnte funktionieren, sagt André. Mit der Resonanz ist er zufrieden, auch wenn die konventionelle Ketwurst nach wie vor besser läuft. Ab März will er nun auch Bio-Pommes anbieten, dafür wird er eine zweite Fritteuse anschaffen, außerdem will er vegetarische Wurst aus ökologischem Anbau verkaufen.

Der Umsatz im Bio-Fachhandel sei 2009 bundesweit um vier Prozent gestiegen, in Berlin lägen die Zahlen deutlich darüber, sagt Michael Wimmer, Geschäftsführer der FÖL. Das sei positiv, denn der Fachhandel vertreibe vor allem regionale Bio-Produkte. Discounter kauften ihre Bio-Ware dagegen dort, wo es am billigsten sei und das sei selten in der Region. Bio seien die trotzdem ? sofern sie das sechseckige staatliche Biosiegel tragen. Vorsicht geboten ist dagegen bei Kennzeichnungen wie "integrierter Landbau", "aus kontrolliertem Landbau", "umweltschonend" oder "naturnah". Bei solchen Begriffen handelt es sich nicht um Bio-Lebensmittel.

Wenn der Biogedanke dadurch auch nach China getragen werde, dann sei das positiv, findet Wimmer. "Die Alternative wäre, dass die Discounter dort konventionelle Ware kaufen." Inwieweit es aber mit Öko-Grundsätzen vereinbar ist, Waren von weither einzufliegen, das sei ein Thema, mit dem sich die Branche künftig stärker befassen müsse. "In England hat ein Verband beschlossen, dass Produkte, die per Flugzeug transportiert werden, kein Bio-Siegel bekommen", sagt Wimmer.

In dem Maße, in dem es überall Bio gebe, seien die Konsumenten wieder mehr gefragt. Wer keine Chemikalien im Essen haben wolle, der sei mit dem staatlichen Biosiegel gut beraten, anspruchsvollere Kunden, die auch einen Beitrag dazu leisten wollen, dass Arbeitsplätze in der Region erhalten und die Umwelt vor der eigenen Haustür geschützt werde, sollten zu regionalen Produkten greifen, das kaufen, was gerade Saison hat, und auf die Siegel der deutschen Anbauverbände achten, rät Wimmer.

Ein Lebensmittel, das sich bisher dem Bio-Boom widersetzt, ist der Döner. Zwar gibt es seit 2008 im Meraba an der Greifswalder Straße einen Kebap mit Neulandfleisch für 3,50 Euro, aber das Fleisch stammt nur aus artgerechter Haltung und erfüllt nicht die strengeren Anforderungen für Bio-Fleisch. Im Juli hat in der Kastanienallee der Imbiss Mutter&Sohn komplett auf Bio-Zutaten umgestellt und damit geworben, den ersten Bio-Döner Berlins anzubieten. Der bestand wahlweise aus Bio-Kalb oder Bio-Lammfleisch und kostete 4,50 Euro. Doch nur wenige Kunden waren bereit, so viel zu bezahlen. Seit Anfang der Woche hat der Imbiss geschlossen ? das Konzept werde umgestellt, sagt der Inhaber. Bio-Döner gibt?s künftig nicht mehr.