Nach rund zehn Monaten Bauzeit öffnete gestern die Bio-Molkerei der Hoffnungstaler Werkstätten in Biesenthal. Auf 1500 Quadratmetern werden dort 12 Sorten Milchprodukte hergestellt. 29 Arbeitsplätze entstanden, davon 24 für Menschen mit Behinderung. Mit dem Bau der Molkerei ist die Produktionskette in Lobetal geschlossen.
Vanille-Mango schmeckt einfach herrlich. Der Joghurt ist cremig, frisch und fruchtig. Das Verkosten, dem sich Thomas Keller, Geschäftsführer der Hoffnungstaler Werkstätten und seine Kollegen ein halbes Jahr lang gewidmet haben, hat sich also gelohnt.
Am Anfang war es eine Idee. Die Hoffnungstaler Werkstätten suchten nach einer Perspektive für ihre vier regionalen Landwirtschaftsbetriebe. "Wir wollten unsere Milch nicht verkaufen, sondern nach Möglichkeiten suchen, damit die Arbeit hier bleibt", beschreibt Keller. So entstand die Idee, die Produktionskette mit einer eigenen Verarbeitung zu schließen und auch dort Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen.
2,9 Millionen Euro wurden in den Standort investiert, 550 000 Euro davon sind Fördermittel. In diesem Jahr sollen 1,6 Millionen Kilo Milch jährlich verarbeitet werden. Sie stammt von den Kühen der eigenen Landwirtschaft, die auf einen Biobetrieb umgestellt wurde. "Wir müssen aber noch Milch dazu kaufen, weil unsere eigene nicht reicht", erklärt Betriebsleiter Michael Kuper.
"Lobetaler Bio" startet mit zwölf Produkten: Naturjoghurt mit 3,7 und 1,5 Prozent Fett, Fruchtjoghurts in den Geschmacksrichtungen Erdbeere, Mango Vanille und Pfirsich Maracuja und anderen sowie Schlagsahne und saure Sahne, dem salzigen Joghurtgetränk Ayran und verschiedenen Weichkäsesorten. Angeboten wird auch Dickmilch, die es bislang kaum als Bio-Produkt gibt. "Die Produkte sind Naturland-zertifiziert, unterliegen damit noch strengeren Auflagen als beim EU-Basis-Siegel", erklärt Werkstattleiterin Beatrix Feldmann. Verwendet werden keinerlei Farb- und Konservierungsstoffe, auch Fruchtzusätze sind aus biologisch angebauten Früchten. Eine Besonderheit ist auch das Verpackungsmaterial, das zu rund 50 Prozent aus Kreide besteht und damit eine hervorragende Energiebilanz aufweist.
Auch bei der Marketingstrategie haben die Lobetaler einen innovativen Weg gewählt. Die Molkerei verfügt über einen gläsernen Kundenbereich, von dem man direkt in die Produktionshalle sehen kann. "Wir werden Angebote für Wander- und Projekttage an Berliner und Brandenburger Schulen schicken", kündigte Thomas Keller an. Die Klassen könnten mit dem Zug anreisen, der in unmittelbarer Nähe der Molkerei hält und bekommen dann altersgerecht Einblicke in die Produktion beziehungsweise auch in die Besonderheit des Unternehmens, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. "Wir hoffen, dass in fünf Jahren alle Klassen in der Umgebung mal hier waren. Dann brauchen wir keine Werbung mehr. Dann kennt uns jeder", erklärt Keller die Taktik. Zur Schaumolkerei gehört auch ein Milchladen mit angeschlossenem Cafébereich. Dort können Besucher Milchprodukte probieren, aber auch Kaffee, Kuchen und kleine Snacks.
"Lobetaler Bio" gibt es in Bernau im Bioladen "Grünbär" (Berliner Str. 52) und im Werkstattladen (Ulitzkastr. 1).


