Kräuter und Gemüse aus dem Teltower Diakonissenhaus / Jetzt auch auf dem Wochenmarkt
Werkstattleiter Joachim Kettner führt Besucher derzeit gerne hinter das Gewächshaus des Teltower Kräutergartens und weist auf einen Tamariskenbaum hin. "Das war das Manna in der Wüste", sagt er und freut sich über die staunenden und fragenden Gesichter.
Die biblische Geschichte vom Manna, das vom Himmel fiel und die hungernden Israeliten rettete, kennt jeder – aber wer weiß schon, dass sich Forscher Gedanken darüber machten, was hinter diesem "himmlischen Brot" eigentlich steckte? "Bei Hitze", erklärt Kettner, "scheidet die Tamariske eine zuckrige Flüssigkeit aus. Getrocknet ist sie essbar. Experten gehen davon aus, dass sich die Israeliten unter anderem davon in der Wüste ernährt haben."
Gesichert ist jedenfalls, dass die Tamariske in der Bibel erwähnt wird, wie weitere 120 Pflanzen und Kräuter. 70 davon werden im Teltower Kräutergarten angepflanzt und sollen demnächst den "Bibelpfad" ergeben. "Das ist unser Beitrag zur Teltower Bewerbung im Entente-Florale-Wettbewerb", sagt Kettner. Die Stadt Teltow will mit der Bewerbung beim bundesweiten Blumen-Wettbewerb ihr grünes Image aufwerten – mit dem Kräutergarten auf dem Gelände des Diakonissenhauses an der Lichterfelder Allee hat sie ein gewaltiges Pfund, mit dem sie jetzt schon wuchern kann.
Unter der Anleitung der studierten Landwirtin Franka Häusler sind im Kräutergarten derzeit 18 behinderte Menschen beschäftigt. Sie verwandeln das Areal mit zwei Gewächshäusern, zwei Folienzelten und einem großen Acker in eine grüne Oase mitten im Häusermeer an der Grenze zwischen Teltow und Berlin. "Probieren Sie mal", sagt Franka Häusler und reicht dem Besucher ein abgezupftes Blättchen. Der Geschmack ist intensiv. "Das ist Pfefferkraut", belehrt die Gärtnerin und reibt gleichzeitig an einem samtigen Blatt. "Frucht-Salbei, daran müssen Sie unbedingt riechen." Düfte über Düfte – der Rundgang durch den Kräutergarten wird zu einer Entdeckungsreise durch die botanische Welt. Mehr als 300 Kräutersorten werden hier angeboten, aber auch Gemüse ist zu haben wie Tomaten, Rote Beete, Möhren und Gurken.
"Stockrosen und Eibisch gehören in jeden Bauerngarten." Franka Häusler, die seit mehr als acht Jahren die Arbeit im Kräutergarten koordiniert, ist um keine Antwort verlegen. Vor zwei Jahren haben sie und Joachim Kettner den Umstieg auf Bio-Kräuter gewagt. "Chemische Schädlingsbekämpfung findet hier nicht mehr statt." Zum Einsatz kommen vielmehr Schlupfwespen und Essenzen aus dem "Niembaum", die als natürliche Insektizide wirken.
Damit es im Sommer ordentlich summt und brummt, will Franka Häusler den Acker hinter den Gewächshäusern in diesem Jahr zu einem Blumenparadies machen. Sonnenblumen sollen blühen, das Herzgespann die Hummeln und der Sonnenhut die Schmetterlinge anziehen. Die Vorbereitungen laufen, erste Setzlinge sind in den Boden gebracht.
Als Teil der anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen im Diakonissenhaus ist der Kräutergarten für die Mitarbeiter ein geschützter Raum. "Wir legen aber großen Wert darauf, dass die Gärtner hier professionell arbeiten und langfristig an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt werden", sagt Werkstattleiter Joachim Kettner. Im Grunde ist der Weg dahin nicht weit: Bereits jetzt müssen Kundenwünsche erfüllt werden, flattern größere Aufträge ins Haus.
Im Kräutergarten werden Öle und Essige produziert, abgefüllt und verkauft. Seit wenigen Tagen bieten die Gärtner ihre Waren auf dem Teltower Frischemarkt an – jeden Dienstag. Und ab 3. Mai, darauf weist Joachim Kettner jetzt schon hin, übernimmt er mit seinen Werkstattmitarbeitern den Betrieb des Cafés im Teltower Gesundheitszentrum. "Auf den Kräutertee aus eigener Produktion können sich die Gäste jetzt schon freuen."
Kräutergarten im Diakonissenhaus, Lichterfelder Allee in Teltow. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 12.30 Uhr und von 13.15 bis 15 Uhr; von April bis September auch samstags von 10 bis 14 Uhr.


