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08.11.2010 - Bio-Bergkäse im Hörsaal probiert (Lausitzer Rundschau)

Bevor es ganz lecker wird bei der Science Academy, plaudert Torsten Pelikan an der Hochschule Lausitz erst einmal aus dem persönlichen und fachlichen Nähkästchen. Kaum jemand ist besser vertraut mit Bio-Landwirtschaft und ökologisch angebauten Lebensmitteln. Denn Torsten Pelikan ist seit mehr als zwölf Jahren Besitzer eines Bioladens in Eberswalde.

Ich habe bei der damals größten Bank der Welt gelernt und einige Jahre im Beruf gearbeitet. Doch ich habe schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist, sagt der gebürtige Finsterwalder zu Beginn. Ökologie und Landschaftsgestaltung faszinierten ihn. Deshalb studierte Torsten Pelikan an der Fachhochschule Eberswalde - und übernahm 1998 einen Bioladen in Eberswalde. "Anfangs wurden wir belächelt. Schon wieder die Bio-Leute", hieß es, wenn er mit seinen Produkten auf dem Markt erschien. Damals war die konventionelle Landwirtschaft die Regel, Biobauern eher die seltene Ausnahme.

Die schon seit den 1920er-Jahren existierenden Demeter-Bauern waren belächelte Exoten. "Konventionell wird immer preiswerter produziert, größere Felder durch moderne Maschinen bewirtschaftet", ergänzt der elfjährige Marcus Köhler. "Pflanzenschutzmittel werden eingesetzt", sagt die 14-jährige Janka Ulrich. "Die Lebensmittel werden immer preiswerter produziert - und auch immer günstiger verkauft. Ganze zehn Prozent unseres Einkommens geben wir noch für Lebensmittel aus", berichtet Torsten Pelikan.

Seit einigen Jahren habe sich die Einstellung der Menschen stark gewandelt, erzählt Torsten Pelikan. Krisen, wie beispielsweise die BSE-Seuche hätten das Bewusstsein der Verbraucher verändert, immer mehr Menschen sehen sich nach Alternativen um. "Bio ist heute in jedem Supermarkt im Angebot - und die Bio-Branche boomt." Brandenburg sei mit rund zehn Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche bundesweit Spitzenreiter, weiß der Fachmann.

Bio-Landwirtschaft setzt andere Methoden ein. So werden keine Pestizide ausgebracht, die Abfälle der Tiere als natürlicher Dünger verwertet und die Eigenschaften der Pflanzen genutzt, um den Boden zu schonen. Auch in der Tierhaltung wird einiges anders gemacht als in der konventionellen Landwirtschaft. "Es ist klar, dass nicht so viel Ertrag erwirtschaftet werden kann - aber dafür stimmen Geschmack und Inhaltsstoffe", erzählt der Kenner der Bio-Branche. Er warnt aber auch vor den Folgen des Bio-Booms.

Bio schmeckt besser
Auch die ökologischen Lebensmittel würden immer preiswerter erzeugt - was wiederum Unterschiede in den Methoden bedinge. "Manche Landwirte nutzen alle Spielräume, die ihnen die "Bio-Richtlinien" erlauben. So habe der eine Bio-Landwirt 500 Hühner, die tatsächlich auf dem Boden scharren könnten und frei lebten - der andere jedoch 20.000 Hühner, die die Möglichkeit zum Freilaufen hätten." "Das hätte ich nie gedacht", sagen Marcus Köhler und der 13-jährige Pascal Fritsche. Auch Janka Ulrich hat die erste Science Academy im neuen Semester gefallen. "Ich habe selbst schon festgestellt, dass Bio-Lebensmittel einfach besser schmecken", resümiert das Mädchen.

Torsten Pelikan spricht auch über vegetarische Ernährung und genetisch veränderte Nahrungspflanzen, bevor er eine geschmackvolle Präsentation von "Bio" hervorzaubert. Bergkäse - der nach echten Bergkräutern schmeckt, Kekse im Geschmack von Zitrone-Rosmarin und Muffins, die schokoladig auf der Zunge zergehen.