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16.01.2018 - Bio boomt in Berlin – und Brandenburg liefert (Märkische Allgemeine)

Die Debatte um mehr Tierwohl sorgt für einen Nachfrageschub bei Bio-Lebensmitteln aus der Region. Das führt zu wachsenden Umsätzen und bringt Betriebe an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Grünen fordern eine Ausweitung der Öko-Anbauflächen und werfen Agrarminister Vogelsänger (SPD) vor, den Bio-Trend zu verschlafen.

Die Debatte um mehr Tierwohl sorgt für einen Nachfrageschub bei Bio-Lebensmitteln aus der Region. 2017 lag der Gesamtumsatz des Biofachhandels – also inklusive Bio-Supermärkte und Direktvermarkter – bei 500 Millionen Euro. Das entspricht einem Wachstum gegenüber 2016 von rund sechs Prozent, wie Michael Wimmer, Geschäftsführer Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL), erklärte. Die Zahl der Bio-Supermärkte in der Region wuchs im vergangenen Jahr von 108 auf 118 an. Dabei seien die Umsätze, die über die Bio-Regale in konventionellen Supermärkten erzielt werden, nicht eingerechnet.

Biomanufaktur in Velten muss erweitern
So steigerte die in Velten (Oberhavel) sitzende Biomanufaktur Havelland als größter regionaler Erzeuger von Bio-Wurst und Bio-Fleisch ihren Umsatz von 8,7 auf 10,2 Millionen Euro. "Wir sind auf Expansionskurs", erklärte Geschäftsführer Thomas Schubert. Die Nachfrage sei so groß, dass die Produktion an ihre Kapazitätsgrenzen geraten sei. Deswegen erweitert die Firma ihre Anlage. 2013 war die Manufaktur insolvent gegangen und von der Bio Company, der größten Supermarktkette für Bio-Produkte, übernommen worden. Seither wächst das Unternehmen zweistellig und konnte die Zahl der Mitarbeiter auf 35 verdreifachen. Und das praktisch ohne Werbung, wie Firmenchef Schubert erklärt. Die Nachfrage nach Bioprodukten sei eben stark gestiegen.

Dabei bleibt Berlin für die Brandenburger Hersteller der wichtigste Absatzmarkt. 2018 sollen dort nach FÖL-Angaben rund zehn weitere Bio-Supermärkte öffnen. In Berlin erschließt sich bei der Schulverpflegung ein weiterer Bedarf an Bio-Lebensmitteln, der über regionale Anbieter aus Brandenburg gedeckt werden soll. Die rot-rot-grüne Landesregierung will den Anteil an Bio-Kost in Schulen und Mensen bis 2021 deutlich erhöhen.

Nachfrage aus Berlin kann kaum mehr bedient werden
Doch darauf sei Brandenburg nur unzureichend eingestellt, kritisieren die Grünen. Der Biomarkt "brummt seit Jahren", sagte der agrarpolitische Sprecher der Partei, Benjamin Raschke. "Die immense Nachfrage in Berlin-Brandenburg kann aber nur zu einem geringen Teil mit heimischen Produkten bedient werden." Die rot-rote Landesregierung falle im Vergleich zu anderen Bundesländern im Öko-Sektor weiter zurück. Das Land habe seine einstige Spitzenposition im Ökolandbau längst verloren. So zahle Brandenburg bundesweit die geringsten Hilfsprämien für Bauern, die von konventioneller auf ökologische Produktion umsteigen.

Mit 210 Euro pro Hektar liegt die Mark tatsächlich hinter allen Bundesländern – Nordrhein-Westfalen zahlt sogar 520 Euro. Die Grünen fordern eine Anhebung auf 300 Euro pro Hektar sowie einen Zuschuss zu den Kosten für die Kontrollen von Öko-Betrieben. Brandenburgs Landesregierung müsse dafür sorgen, dass sich der Öko-Anteil in der Landwirtschaft von derzeit elf Prozent auf 25 Prozent im Jahr 2030 erhöht. Andere Bundesländer hätten erfolgreich solche Öko-Aktionspläne vorangetrieben. Sie seien mittlerweile an dem einstigen Öko-Landbau-Marktführer Brandenburg vorbei gezogen – etwa das Saarland (15,7 Prozent Öko-Anbaufläche) und Hessen (12,6 Prozent).

Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) erklärte, mit einem Flächenanteil von mehr als zehn Prozent liege Brandenburg noch weit über dem Bundesdurchschnitt.