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13.01.2016 - Bio in der Metropolregion: Fakten, Trends und Rahmenbedingungen (FÖL)

Die Berlin-Brandenburger Bio-Branche hat in 2015 ihren Umsatz erneut zweistellig steigern können. Nach Erhebungen der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) liegt der Gesamtumsatz des regionalen Naturkostfachhandels (inklusive Erzeuger- und Handwerksbetriebe sowie Abokisten) mittlerweile bei über 400 Millionen Euro. Dies entspricht einem Wachstum von über 10 Prozent. Der Markt wächst damit weiterhin dynamischer als das Angebot aus Brandenburg.

Wachstumsmotor: Bio-Supermärkte
Erneut waren es vor allem die Bio-Supermärkte, die das Wachstum antrieben: In der gesamten Region stieg deren Zahl von 85 auf 98, ein Anstieg um über 15 %. Marktführer bleibt die Bio Company (40 Filialen), gefolgt von denn’s Biomarkt (30), Alnatura (13) sowie der LPG (8 Filialen). Und ein Ende der Expansion ist nicht in Sicht: Nach Kenntnisstand der FÖL sind in 2016 weitere 15 neue Bio-Supermärkte in Planung.

Traditionell und umsatzstark: Die Abokisten

Das Konzept der Abokiste hat Tradition im Bio-Segment und ist ein Erfolgsmodell: Die vier größten Anbieter, der Lindenhofer Landkorb aus Rohrlack, der Brodowiner Ökokorb, die Märkische Kiste sowie die Abokiste Apfeltraum knackten 2015 gemeinsam die Marke von 10 Millionen Euro Jahresumsatz. Das Erfolgsrezept: Die Bio-Lebensmittel, meist aus eigenem Anbau, werden bequem, transparent und regional direkt an die Haushalte geliefert.

Neue Absatzform: Food Assembly
Berlin ist nach wie vor auch für alternative Absatzkanäle ein gutes Pflaster. So startete im April 2015 Berlins erster Food Assembly-Markt, Brandenburg folgte im September 2015. Derzeit gibt es in der Hauptstadt neun aktive Food Assemblys, eine befindet sich im Aufbau. Brandenburg hat momentan eine Food Assembly (Kleinmachnow), vier weitere sind im Aufbau (Eberswalde, Frankfurt (Oder), Wildau, Brück).

Die Idee der Food Assembly (Lebensmittel-Vereinigung): Verbraucher bestellen direkt über das Internet bei den bäuerlichen Erzeugern und Lebensmittelhandwerkern der Region ihre Produkte. Die Erzeuger kommen in einem zweistündigen Zeitfenster zu den Abholmärkten und übergeben dort zum einen die Ware. Zum anderen stehen sie persönlich für Fragen zur Herstellung und Herkunft der Lebensmittel sowie Wünsche und Anregungen zur Verfügung.

Neben der Frische der Produkte, Nähe zum Produzenten und Förderung der Wertschöpfung im ländlichen Raum ist auch die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung einer der Vorteile. Schließlich gelangt nur zu den Märkten, was im Vorfeld geordert und bezahlt wurde. www.foodassembly.de

Tierwohl beflügelt Nachfrage nach Bio-Fleisch
Das öffentlich stark diskutierte Tierwohl-Thema und die Verbreiterung der Bio-Kundschaft hinterlässt auch auf dem Bio-Markt seine Spuren: So verzeichnete die Biomanufaktur Havelland aus Velten in 2015 einen deutlichen Umsatzsprung. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich dort der Umsatz um 33 Prozent auf 7,3 Millionen Euro. Alle fünf Lieferanten für Havelländer Bio-Apfelschwein, Müritzlamm und Uckermärker Rind haben ihren Sitz in der Region.

Berliner Markt bietet große Chancen für Bio made in Brandenburg
Europas größter Bio-Markt, Berlin, wächst nachhaltig, sehr dynamisch und bietet für praktisch alle Erzeuger- und Verarbeitungsbetriebe in der Region Marktchancen. Die heutige Marktstruktur hat aufgrund der Vielfalt an diversen Vertriebswegen und Größen der verschiedenen Player den Charme, dass praktisch für alle etwas dabei ist, egal ob groß oder klein, ob Erzeuger oder Verarbeiter.
Besonders gefragt sind auf dem regionalen wie bundesdeutschen Markt folgende Produkte:

  • Geflügelfleisch (v.a. Hähnchen und Pute)
  • Schweinefleisch
  • Eier (v.a. aus mobilen Stallsystemen)
  • Milch (wenngleich hier bereits deutliche Bewegung zu spüren ist)
  • Gemüse
  • Stein- und Beerenobst

Umstellung auf Bio: Bewegung und Stillstand
Die Umstellungszahlen zeigen nach drei teilweise stark rückläufigen Jahren erstmals wieder deutlich nach oben. Der Zuwachs von ca. 12.000 ha betrifft aber ausschließlich Grünland und ist eine Folge der schlechteren Extensiv-Grünland-Förderung. Beim Ackerbau sind die Zahlen hingegen weiter rückläufig.

Trotz der größer werdenden Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage scheinen die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen für eine Umstellungsentscheidung konventioneller Unternehmen pro Bio noch nicht attraktiv genug zu sein.
 
Lediglich bei den Tierhaltungsbetrieben wächst das Interesse an einer Umstellung in jüngster Zeit, da die Preise für konventionelle Milch, Geflügel oder Schweinefleisch am Boden liegen, während der Bio-Markt leergekauft ist und auch langfristig gute Perspektiven bietet.  Besonders augenfällig ist der historisch hohe Unterschied bei der Milch: So erhält der Bio-Milchbauer derzeit mit mehr als 49 Cent spürbar mehr als sein konventioneller Kollege.
 
Die regionale Bio-Branche empfiehlt daher dringend, die Umstellungsförderung nochmals zu justieren. Denn: Die Umstellungsförderung ist dazu da, die betriebswirtschaftlich schwierige Umstellungszeit überstehen zu können. Sie ist daher grundsätzlich höher veranschlagt als die Beibehaltungsförderung für Betriebe, die ihre Produkte bereits zu den höheren Bio-Preisen vermarkten können. Da sich Brandenburg diese höhere Förderung während der zweijährigen Umstellungszeit jedoch spart , verwehrt man den konventionellen Betrieben die Chance in den Einstieg in den langfristig attraktiven Bio-Markt.

Tierwohl: Premium wird Standard
In seiner Mitteilung vom 07. September 2015 gab das Brandenburger Agrarministerium bekannt, dass nach einer Übergangsfrist ab 2017 die Basisförderung für Stallbauten entfällt. Zukünftig fördert das Land nur noch Investitionen in höhere Tierschutzstandards (Premiumförderung). Damit greift das Ministerium eine Forderung des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung auf.

Für die Bio-Branche ist dieser Umstand deswegen relevant, weil gerade Tierhaltungsbetriebe aus betriebswirtschaftlichen Gründen bisher nicht auf Bio umstellen konnten, da vorher getätigte Stallinvestitionen noch nicht abgeschrieben waren. Mit Inanspruchnahme der Premiumförderung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die neu gebauten Ställe zu einem späteren Zeitpunkt relativ problemlos auf die höheren Tierwohl-Standards von Bio nachgerüstet werden können und somit einer Umstellung auf Bio nichts mehr im Wege steht.

Ausblick
Mit großem Interesse verfolgt die Bio-Branche, mit welchen Maßnahmen die Landesregierung die Festlegungen im aktuellen Koalitionsvertrag umsetzen wird. Dort steht u.a.: "Wir wollen die Spitzenstellung Brandenburgs im Ökolandbau weiter ausbauen. Um bessere Zugänge insbesondere zum Berliner Markt zu schaffen, werden wir eine Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategie entwickeln."

Nach der Inanspruchnahme von Politik und Verwaltung mit der Neugestaltung der neuen Förderperiode und der per Saldo negativen  Flächenentwicklung sehen wir die Zeit nunmehr gekommen, beide Themen auf die Agenda zu setzen.

Neben der Gewährung einer "echten" Umstellungsprämie freut sich die gesamte Branche auf die Ausarbeitung der versprochenen Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategie seitens der Landesregierung. Die Branche steht hierfür bereit und hat auch bereits umsetzungsreife Konzepte in der Schublade.
 
Regionales Bio auf der Grünen Woche
Am Gemeinschaftsstand der FÖL, durchgeführt in Kooperation mit Bioland, Biopark, Demeter, Naturland und Verbund Ökohöfe Nordost, finden die Besucher zahlreiche Bio-Genüsse. Erstmalig kommt in diesem Jahr die Lobetaler Bio-Molkerei in die Brandenburg-Halle 21 A. Vorgestellt werden die neuen Sahnejoghurts. Das BioBackHaus präsentiert seine Messeneuheit: Franzbrötchen mit Grünkohlfüllung. Ebenfalls neu ist der Demeter-Joghurt der Gläsernen Molkerei. Den Gemeinschaftsstand komplettieren Syring Feinkost und der Obst- und Gemüsehof Teltower Rübchen. Auch weitere Bio-Unternehmen in der Brandenburg-Halle sowie regionale Aussteller in der Bio-Halle 1.2 B werben mit ihren Spezialitäten.

Zum Start in die neue Einkaufs- und Ausflugssaison bringt die FÖL gleich zwei druckfrische Publikationen heraus. Zum einen den Veranstaltungskalender "Brandenburger Bio-Termine 2016", zum anderen den „Bio-Einkaufsführer für Berlin-Brandenburg 2016/2017". Die kostenfreien Hefte sind am Bio-Gemeinschaftsstand (Stand-Nr. 140-143), bei anderen Bio-Ausstellern in der Brandenburg-Halle 21 A und in der Bio-Halle 1.2 B zu haben. Mehr Infos zu regionalem Bio auf der Grünen Woche: www.bio-berlin-brandenburg.de.

Terminhinweise:

Wir haben es geschafft! Party zum Finale des Volksbegehrens
Hat das Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg es geschafft und 80.000 Brandenburger davon überzeugen können, dem Volksbegehren zuzustimmen? Am 14. Januar 2016 endet die Eintragungsfrist und am späten Nachmittag/Abend bekommen die Organisatoren eine erste Einschätzung des Landeswahlleiters zum Ergebnis. Das kann sehr knapp und spannend werden. Wie auch immer das Volksbegehren ausgeht, es gibt Grund zum Feiern.

Zeit: Donnerstag, 14. Januar 2016, 16:00 Uhr
Ort: Haus der Natur, Lindenstraße 34, 14467 Potsdam

Pressefrühstück: Ökologische Lebensmittelwirtschaft in Berlin-Brandenburg
Anlässlich der Grünen Woche in Berlin lädt die FÖL e.V. zu einem Presse- bzw. Hintergrundgespräch zu aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der ökologischen Lebensmittelwirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg ein. Rede und Antwort steht Michael Wimmer, Geschäftsführer der FÖL und Sprecher des Aktionsbündnisses Agrarwende Berlin-Brandenburg.

Zeit: Sonntag, 17. Januar 2016, 11:00 Uhr
Ort: Messe Berlin, Brandenburg-Halle 21 A, VIP-Bereich auf der Empore

Kontakt
Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau
Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.
Michael Wimmer - Geschäftsführung
Marienstraße 19-20
10117 Berlin
Tel.: 030 284824-39
Mobil: 0179 4527147
Fax: 030 284824-48
E-Mail: m.wimmer[AT]foel.de
www.bio-berlin-brandenburg.de