Biobauern aus Süddeutschland klagen in diesen Tagen öffentlich über zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland, zu viele, teils nicht klar definierte Öko-Gütesiegel und zurückgehende Fördermittel. Die Bauern der Zempower Bio Ranch können nur einen Teil der Probleme nachvollziehen.
Für ihr eigenes Unternehmen, die Bio Ranch, sehen Geschäftsführer Dr. Wilhelm Schäkel und seine Lebensgefährtin Swantje Kohlmeyer, die auch stellvertretende Geschäftsführerin ist, eine gute Zukunft. Im Betrieb gibt es nach wie vor zehn Arbeitsplätze. Seit 18 Jahren setzt das Unternehmen auf ökologische Landwirtschaft in Verbindung mit Urlaub auf dem Lande. Neben Viehzucht und Feldwirtschaft gibt es acht Ferienwohnungen in nach biologischen Kriterien errichteten Häusern.
Die Sache mit den unklaren Bio-Siegeln sei nicht so ganz von der Hand zu weisen, sagt Schäkel und zeigt auf ein neues, in der gesamten Europäischen Union geltendes Symbol auf einem Tetrapak mit Milch: ein Blatt mit einigen Sternen. Wer ganz genau hinsieht, kann in Miniaturschrift lesen, dass es sich um ein Ökosymbol handelt. Viel besser erkennbar und seit Jahren in Deutschland bekannt sei das wabenförmige Bio-Siegel, das sich laut Schäkel "zum Glück auch weiterhin auf den Produkten hält". Die Milchtüte trägt beide Prädikate. Kohlmeyer wünscht sich, "dass der Begriff der Nachhaltigkeit klar definiert wird".
Gegenwärtig herrsche "in CDU- und FDP-Kreisen die Tendenz vor, die gesamte Landwirtschaft als nachhaltig zu betrachten". Auf diese Weise würden unter Umständen nicht nur Fördermittel in die falschen Kanäle fließen. Der Verbraucher erfahre nicht, welcher Bauer wirklich mehr als üblich für die Umwelt unternimmt. Schade findet Schäkel, dass der Begriff "Bio" sich für viele Menschen nur mit einer vegetarischen Lebensweise verbindet. Setzt man diese
Sichtweise an, dann kämen vom Biohof also nur pflanzliche Produkte. Doch das ist Unsinn.
Die Zempower züchten seit Jahren Bio-Rinder, mussten aber bemerken, dass die Nachfrage beim Berliner Aufkäufer zurückgeht. Die zuletzt verkauften acht Jungbullen wurden zwar als Ökoware erworben. Doch sie landeten letztlich als konventionell erzeugtes Fleisch im Verkauf. Besser läuft die Selbstvermarktung. Jahr für Jahr verkaufen die Zempower Fleisch und Wurst von 15 Rindern direkt ab Hof oder per Internet. Demnächst kommt eine spezielle Öko-Fleischwurst für Kinder neu auf den Markt, außerdem ein Rinder-Saftschinken.


