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17.01.2013 - Bio-Markt in Berlin-Brandenburg - Fakten und Trends (FÖL)

Pressemitteilung anlässlich der 78. Grünen Woche vom 18. bis 27. Januar 2013

Metropolregion Berlin-Brandenburg weiter starker Bio-Absatzmarkt
Der Fachhandel im Raum Berlin legt weiter zu

Der Umsatz im Berlin-Brandenburger Naturkosteinzelhandel ist im abgelaufenen Jahr 2012 erneut um ca. zirka 8 Prozent gestiegen und dürfte damit erneut leicht über dem Bundesdurchschnitt liegen.

Wieder sind es die Bio-Supermärkte, die als Wachstumsmotor dienen. So finden sich bereits insgesamt 60 Filialen verschiedener Anbieter in der Hauptstadt, ein Anstieg um 6 Standorte. Branchenprimus Bio Company eröffnet während der Grünen Woche in Potsdam seine 30. Filiale. Neben Alnatura ist vor allem der nationale Anbieter denn's auf Expansionskurs. So finden sich momentan 8 denn's Filialen und 9 viv-Biofrischemärkte Filialen in Berlin. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, vielmehr wird sich die Suche nach guten Standorten in naher Zukunft sogar noch verstärken. So sind für 2013 zum jetzigen Zeitpunkt bereits 8 Neueröffnungen terminiert, über das ganze Jahr ist mit der Eröffnung von mindestens 10 neuen Standorten zu rechnen.

Der Gesamtumsatz des regionalen Fachhandels lag 2012 nach Schätzungen der FÖL bei insgesamt mehr als 290 Millionen Euro.

Kleine Anbieter behaupten sich

Erfreuliche Trendwende: Die kleineren, inhabergeführten Naturkostläden behaupten sich stabil auf hohem Niveau. So ist die Anzahl der im aktuellen Bio-Einkaufsführer Berlin-Brandenburg aufgeführten Adressen mit 77 Einträgen unverändert gegenüber der vorherigen Ausgabe. Offensichtlich können sich diese durch stärkere Spezialisierung und Erweiterung des Angebotsspektrums über einen etablierten und treuen Kundenkreis gegenüber der wachsenden Konkurrenz behaupten. Auch entspricht die persönliche Bindung zwischen Ladner und Kunde dem Trend zu einem direkten, in einem sozialen Kiez eingebundenem Leben.

Bemerkenswert ist auch, dass trotz des vergleichsweise niedrigen Preisniveaus in der Hauptstadt auf den Berliner Naturkosthandelsflächen im Bundesvergleich die höchsten Umsätze pro Verkaufsfläche erzielt werden.

Schwierige Rahmenbedingungen für regionale Bio-Branche

Die ökologische Lebensmittelwirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg hat weiterhin das Dilemma, dass gerade der Berliner Markt immer stärker nach Brandenburger Produkten ruft, dieser Ruf in Brandenburg aber nicht überall ankommt bzw. gehört wird.

Die wichtigsten Gründe für die Stagnation in der Flächenentwicklung liegen im wirtschaftlichen Umfeld und in den politischen Rahmenbedingungen. Das wirtschaftliche Umfeld zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Anstieg der konventionellen Getreidepreise und die völlig übersteuerte Einspeisevergütung für Agrogas (Anm: der Begriff Bio ist im Kontext mit BioGas leider nicht geschützt, hat mit Bio aber nichts zu tun) im Rahmen des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) zu einer derart starken Marktverzerrung geführt, dass umstellungsinteressierte Landwirte sich im Zweifel für die betriebswirtschaftlich planbare und außerordentlich attraktive Produktion von BioEnergie entscheiden. Hinzu kommt, dass sich durch den weiterhin ungebremsten Agrogas-Boom die Preisspirale für Pacht oder zum Verkauf stehende Flächen weiter nach oben dreht, bei der selbst etablierte Biobetriebe nicht immer mithalten können und daher Flächen verlieren.

Als Gradmesser der politischen Rahmenbedingungen sticht in Brandenburg weiterhin die Unsicherheit bzw. das gänzliche Fehlen einer Umstellungsförderung hervor. Brandenburg ist bundesweit das einzige Bundesland, das umstellungswilligen Betrieben keine Umstellungsförderung für die gesetzlich vorgeschriebene Umstellungszeit von mindestens 2 Jahren gewährt.

Platzeck: "Brandenburg setzt auf Bio" - Branche hofft auf die richtigen Weichenstellungen

Angesichts der Kritik und der Enttäuschung über den Brandenburger Sonderweg bei der Umstellungsförderung begrüßt die Branche das klare Bekenntnis des Ministerpräsidenten Matthias Platzeck auf dem im November 2012 stattgefundenen BioBauerntag. Dort bezeichnete Platzeck den Ökolandbau in Brandenburg als einzigartige Erfolgsgeschichte und versprach, diese Erfolgsgeschichte gerade im Hinblick auf die Bedienung des Berliner Marktes in den nächsten Jahren fortsetzen zu wollen.

Dieses Bekenntnis ist umso wichtiger, als in den nächsten Monaten die Weichen für die nächste EU-Förderperiode gestellt werden. Auf der diesjährigen Grüne Woche wird es daher auch darum gehen, das vom Ministerpräsidenten formulierte Gesprächsangebot aufzugreifen, um gemeinsam nach Wegen zu suchen, "um mit den vorhandenen Mitteln den Ökolandbau voranzubringen und neue Perspektiven für die Branche zu eröffnen".

Sascha Philipp, Geschäftsführer des Landguts Pretschen und agrarpolitischer Sprecher des ökologischen Landbaus in Brandenburg, fordert gerade angesichts knapper Kassen eine politische Prioritätensetzung, um zukünftig nur noch nachhaltige Formen der Landwirtschaft wie den Ökolandbau zu fördern. "Insbesondere die Umstellungsförderung ist hier als politisches Signal und Statement unverzichtbar, um den vorhandenen Markt gestalten und weiterentwickeln zu können."

Neue Trends: Gemeinschaftshöfe - Community Supported Agriculture (CSA)

Sich die Ernte teilen - so umschreibt die Arbeitsgruppe Solidarische Landwirtschaft das Konzept der sogenannten Gemeinschaftshöfe. Neu ist die Idee nicht, die in den 60er-Jahren in Japan entstand. Den richtigen Schwung bekam das landwirtschaftliche Alternativmodell als "Community Supported Agriculture" - kurz CSA, also gemeinschaftsunterstützte Landwirtschaft, dann in den 80er-Jahren in den USA und findet nun zunehmend auch bei uns in der Region mehr und mehr Anhänger.

Die Idee ist simpel: Eine Gruppe von Verbrauchern deckt für ein Wirtschaftsjahr mit einem festen monatlichen Beitrag die Betriebskosten des Partnerhofes und erhält im Gegenzug die Lebensmittel vom Hof, z.T. direkt in die Stadt zu einer zentralen Abholstelle. Mit der regelmäßigen Mithilfe auf dem Hof bzw. aktiven Teilnahme am Landleben unterscheidet sich die solidarische Landwirtschaft vom bloßen Lieferdienst der Abokisten-Anbieter. Gerade Städter finden durch das Mitmachen einen Bezug zu ihren Lebensmitteln und der Arbeit, die dahinter steckt. Für den Landwirt wiederum bedeutet die unterstützende Gemeinschaft Planungssicherheit und Unabhängigkeit vom Markt. Denn die Produkte gelangen ja ohne Zwischenhändler vom Hof zum Verbraucher.

In Berlin-Brandenburg haben sich im letzten Jahr neun Gemeinschaftshöfe gebildet - alle aus bestehenden aktiven Bio-Bauernhöfen, die dadurch ihr Auskommen stabilisieren wollen.

Gemeinschaftsstand in der Brandenburg-Halle

Der Bio-Gemeinschaftsstand in der Brandenburg-Halle 21a bietet die Gelegenheit, repräsentative Bio-Betriebe der Region mit ihren Neuigkeiten und Spezialitäten kennenzulernen und zu genießen.

Das BioBackHaus und die Gläserne Molkerei präsentieren unter dem Motto "Zwei Zutaten = ein Genuss" das Gemeinschaftsprodukt "Brandenburger Butterstulle" - ein schmackhaftes regionales Produkt aus herzhaftem Brandenburger Landbrot und gesalzener Bio-Molkereibutter. Daneben stellt das BioBackHaus seine neue patentierte Produktlinie "Pain de racine" vor und präsentiert erstmals Großbrote zu 1,5 und 3 kg. Die Gläserne Molkerei ist direkt nebenan mit ihren bekannten und beliebten Bio-Molkereiprodukten vertreten.

Ein wahrer Blütenzauber erwartet die Messebesucher am Stand der Manufaktur von Blythen. Martina Kabitzsch, Gründerin der Manufaktur, stellt auf der Grünen Woche unter anderem ihren neuen Rosenblütenbalsamessig vor.

Wer einen edlen Tropfen genießen will, der ist am Stand des einzigen Brandenburger Bio-Weinguts, dem Klosterhof Töplitz, richtig. Ludolf Artymowytsch, Brandenburger Bio-Wein-Pionier, erläutert das Erfolgsrezept: "Die kleinklimatischen Voraussetzungen − trockener als die restliche Umgebung und mehr Sonnenstunden als in der Pfalz − lassen unseren Wein wachsen und ideal reifen." Außerdem stellt Artymowytsch seine Brandenburg-Box vor, eine bunte Mischung von Produkten aus sechs Brandenburger Naturparken zum Verschenken und selbst genießen.

Winterliche Genüsse präsentiert Angelika Fietze-Glawe von der Gärtnerei Luch mit ihrem Holunder-Glühwein und Bio-Waffeln mit Holunderbeerengelee sowie weiteren Spezialitäten. Komplettiert wird der Bio-Gemeinschaftsstand durch den Landkorb - Lieferservice vom Lindenhof und den Ökohof Kuhhorst, die Ihre umfangreichen Produktlinien vorstellen. Auch der Obst- und Gemüsehof Teltower Rübchen und Kunella Feinkost aus der Lausitz sind in diesem Jahr wieder mit vertreten.

Am Bio-Gemeinschaftsstand wie bei praktisch allen anderen Bio-Anbietern auf der Grünen Woche ist auch der druckfrische Bio-Einkaufsführer für Berlin-Brandenburg mit seinen rund 350 Einkaufs- und Erlebnisadressen erhältlich.

Den Bio-Gemeinschaftsstand finden Sie in der Brandenburg-Halle 21a, Gemeinschaftstand 137-141, Messegelände Berlin. Der Bio-Gemeinschaftsstand wird erneut von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V. in Zusammenarbeit mit den regionalen Anbauverbänden Demeter, Bioland, Naturland und Verbund Ökohöfe Nordost organisiert. Der Messeauftritt wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.

9.684 Zeichen mit Leerzeichen, Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten

Kontakt
Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau
Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.
Michael Wimmer
Marienstraße 19-20
10117 Berlin
Tel.: 030 28482439
Mobil: 0179 4527147
Fax: 030 28482448
E-Mail: m.wimmer[AT]foel.de
www.bio-berlin-brandenburg.de

 


Dateien:
Quelle: Eigene Zusammenstellung (FÖL e.V.); Bis dato liegen noch keine belastbaren Zahlen für 2012 vor. Es wird jedoch von einem allgemeinen leichten Rückgang der Flächen ausgegangen.

Quelle: eigene Zusammenstellung auf Basis der aktuellen Daten vom BMVEL (16.01.2013) siehe http://www.oekolandbau.de/erzeuger/umstellung/foerdermittel/ und Hiltrud Nieberg, 2012 (Flächenbezogene Förderung bei Einführung und Beibehaltung ökologischer Wirtschaftsweisen und Kontrollkostenzuschuss nach Bundesländern im Jahr 2012)