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15.02.2018 - Bio muss raus aus der Nische (Märkische Oderzeitung)

In Berlin findet man sie inzwischen fast an jeder Straßenecke, und auch in Brandenburg gehören sie vielerorts zum Stadtbild – Bioläden, von denen gerade in der Hauptstadt manche so groß sind wie Supermärkte. Öko-Produkte liegen im Trend, und aktuelle Zahlen bestätigen dies. So hat die Branche im vergangenen Jahr in Deutschland erstmals mehr als zehn Milliarden Euro umgesetzt.

Die Entwicklung ist erfreulich, denn sie zeigt, dass immer mehr Menschen Wert auf gesunde Ernährung und auch auf eine artgerechte Tierhaltung legen. Sie kaufen Bio-Eier und ökologisch hergestelltes Müsli und sind dafür bereit, mehr Geld auszugeben als für konventionell hergestellte Erzeugnisse. Und doch: Was Mensch und Tier guttut, ist mit einem Anteil von rund fünf Prozent am gesamten Lebensmittelmarkt bedauerlicherweise immer noch nicht mehr als ein Nischenprodukt.

Das hat mehrere Gründe: So werden die Chancen, die das wachsende Verbraucherinteresse bietet, von vielen Landwirten noch nicht richtig erkannt. Gerade in Brandenburg scheint vielen Bauern noch nicht klar zu sein, welcher Riesenmarkt sich vor ihrer Haustür in Berlin befindet. Auch die Potsdamer Landespolitik trägt mit ihrer nicht konstanten Förderpolitik dazu bei, dass viele Betriebe den Wechsel ins Bio-Lager vermeiden. Die Folge ist, dass vor allem Berliner Läden unter Nachschubmangel aus der Region leiden. Und stattdessen manches Produkt Hunderte Kilometer über die Autobahn befördern lassen, was dem Öko-Gedanken komplett widerspricht.

Auch die hohen Preise für Bio-Produkte führen dazu, dass ihr Marktanteil nicht größer ist. Ein Hähnchen für 20 Euro, ein Kilo Rinderfilet für 60 Euro sind keine Seltenheit. Viele Bezieher unterer und mittlerer Einkommen können solche Beträge aber nicht bezahlen. Gut ist, dass mittlerweile Discounter wie Lidl und Aldi  den Öko-Trend erkannt haben und zum Beispiel Bio-Eier im Sortiment haben.

Wenn der Preis stimmt, dann wird alles Weitere folgen. Bio würde sein Luxus-Image verlieren und zu etwas ganz Normalem werden, das zu Hause genauso selbstverständlich auf den Tisch kommt wie in öffentlichen Kantinen. Nur so wird es der Branche gelingen, die Nische zu verlassen.