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21.10.2009 - Bio statt Boykott (Berliner Zeitung)

Knabbern für die Umwelt: Am Sonnabend findet in einem Imbiss in Mitte der zweite Carrotmob statt.

Wenn die Aktivisten von Carrotmob anrücken, dürfen Imbissbesitzer auf gute Umsätze hoffen. So war es im Juni beim ersten deutschen Carrotmob im Spätkauf "Multikulti" in Kreuzberg. Besitzer Cengiz Kimyeci hat damals innerhalb von drei Stunden 2.000 Euro Umsatz gemacht - so viel wie sonst in vier Tagen. 400 Menschen strömten in seinen kleinen Laden an der Wiener Straße und kauften ein - um die Welt ein bisschen klimafreundlicher zu machen.

Am Sonnabend könnte der Rubel bei "Eve&Adam's" in der Rosa-Luxemburg-Straße 24 in Mitte rollen. Anlässlich des internationalen Klimaaktionstags rufen die Carrotmobber via Twitter, Facebook, StudiVZ und ihrem Blog dazu auf, im Laden von Jens Riewe biologische Salate oder Smoothies zu konsumieren - weil Riewe versprochen hat, 45 Prozent des Umsatzes, den er an dem Tag zwischen 10 und 20 Uhr macht, in Klimaschutzmaßnahmen in seinem Schnellrestaurant zu investieren. Das ist die Idee: Ladenbetreiber sollen durch Masseneinkäufe zum Energiesparen animiert werden. "Alle sprechen von der Macht der Verbraucher - wir machen Ernst", steht auf der Webseite des Carrotmob Berlin.

Der erste Karottenmob fand 2008 in San Francisco statt, inzwischen hat sich eine Bewegung formiert, die in Kanada, Frankreich, Finnland und auch in Deutschland Fuß gefasst hat. Der Name spielt auf das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche an, im Englischen: "carrot and stick". Damit machen die Aktivisten deutlich, dass sie das Prinzip des Boykotts umdrehen und jene Geschäfte belohnen, die bereit sind, ihren Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. "Boykotte sind mir zu linksradikal. Wir motivieren lieber mit Umsatz", sagt Philipp Gloeckler.

Der 25-Jährige brachte den Carrotmob nach Deutschland, er fand in Berlin sechs Mitstreiter, die die Aktionen ehrenamtlich organisieren. Die meisten sind Studenten. "Wir sind alle Jünger der Nachhaltigkeitsbewegung", sagt Tanja Peuker. Die 26-Jährige war schon bei Greenpeace, bevor sie eingeschult wurde. Sie findet, dass der Mob eine einfache Möglichkeit ist, etwas zu bewegen. "Essen, einkaufen, das muss man ja sowieso. Mit der Aktion kann man zeigen, dass es nicht schwer ist, aktiv zu werden." Man wolle gezielt kleine Läden unterstützen, weil die sich Investitionen in Klimaschutz sonst nicht leisten könnten.

Für den zweiten Carrotmob hat sie 50 Läden angesprochen, fünf haben schließlich mitgeboten. Die Wahl fiel auf "Eve&Adam's", weil Riewe bereit war, den höchsten Anteil seines Umsatzes zu investieren. Energieberater Christian Reher hat sich den Laden schon angeschaut und festgestellt, dass vor allem ein Kühlregal ohne Tür Strom verschwendet. Der strombetriebene Durchlauferhitzer sollte durch ein Gerät, das mit Gas arbeitet, ersetzt werden. 20 Prozent der Energie könnten so eingespart werden.

Cengiz Kimyeci hat seine Hausaufgaben schon gemacht: 35 Prozent des Umsatzes steckte er in Energiesparlampen, Wärmeschutzfolie und er bezieht jetzt Ökostrom. Er spart pro Jahr 1.434 Kilowattstunden Strom und vermeidet 1 152 Kilogramm Kohlendioxid. Mehr Kunden hat ihm der Carrotmob allerdings nur für kurze Zeit beschert. "Inzwischen ist das wieder wie vorher." Dennoch findet er die Idee gut: "Jeder muss zunächst angeschubst werden, damit er etwas verändert."