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18.10.2011 - Bio verkauft sich besser: Regionale Aussteller auf Fachmesse in Hannover rechnen mit weiter wachsender Nachfrage (Märkische Oderzeitung)

Der Verkauf von Produkten aus biologischer Erzeugung nimmt in Deutschland von Jahr zu Jahr zu. Mehr als sechs Milliarden Euro geben die Verbraucher derzeit jährlich für Öko-Lebensmittel aus.

Kein Wunder, dass 430 Aussteller aus ganz Deutschland den Weg zur Fachmesse Bio Nord nach Hannover fanden - etwa mit Fleisch, Milchprodukten, Brot, Kosmetik, Wein und Süßigkeiten. Milch, Butter, Quark und Käse in Bio-Qualität stellt so die Gläserne Molkerei GmbH in Münchehofe (Dahme-Spreewald) und bald auch in Mecklenburg her. "Wir bauen dort gerade eine neue Molkerei, weil die Nachfrage wächst. Wir verkaufen unsere Produkte vor allem an Bioläden in Berlin, zunehmend auch nach Dresden und Leipzig", sagt Christin Röpert, für den Verkauf zuständig.

In diesem Jahr wurde das 55 Mitarbeiter zählende Unternehmen von der Zeitschrift "Feinschmecker" für seine Käseprodukte ausgezeichnet. Neben dem Geschäft geht es Röpert auch um das Bewusstsein: "Wir freuen uns über Besucher, die uns bei der Arbeit zuschauen. Die Leute sollen erleben, wie bei uns die Tiere aufwachsen, wie Futterpflanzen aussehen, was das Besondere an der Bio-Produktion ist." Brandenburgs erster Bio-Joghurt - damit wirbt die Hoffnungstaler Werkstätten gemeinnützige GmbH aus Lobetal (Barnim) in Hannover. Seit 2010 arbeiten in der Bio-Molkerei 17 Behinderte und sechs Nicht-Behinderte.

"Der Betrieb trägt sich noch nicht, aber im kommenden Jahr wollen wir eine schwarze Null schreiben", plant Betriebsleiter Michael Kuper. Bioläden in Berlin gehören zu den wichtigsten Kunden, aber auch in anderen größeren Städten wie Hamburg oder Erfurt gibt es mittlerweile die Marke Lobetaler Bio. "Das Geschäft in Brandenburg ist schwierig, wird aber inzwischen immer besser." Er wirbt auch mit einer umweltschonenden Verpackung - sie besteht zur Hälfte aus Kreide.

Benjamin und Anja Kaiser stellen in Birkenwerder (Oberhavel) kaltgerührte Bio-Naturseifen der Marke Tuula her. "Bei unserer Art der Produktion bleiben Inhaltsstoffe erhalten, die in der industriellen Fertigung zerstört werden", erklärt Anja Kaiser. Das Ehepaar arbeitet mit einer Behindertenwerkstatt in Oranienburg (Oberhavel) zusammen und hat derzeit 70 verschiedene Sorten
im Angebot - unter anderem Seifenstücke zum Rasieren und Haarewaschen. "Wir verkaufen vor allem über das Internet und wollen in Hannover den Vertrieb über die Naturkostläden ausbauen", sagt Anja Kaiser. Derzeit entfallen sechs Prozent der Ausgaben für Kosmetik und Körperpflege in Deutschland auf Naturkosmetik-Produkte. Allerdingswerden die weniger in Bioläden, sondern vor allem in großen Drogeriemärkten gekauft, die immer häufiger Bio-Eigenmarken anbieten.

Bundesweit gibt es rund 2.350 Naturkostfachgeschäfte, ihr Umsatzplus lag im vergangenen Jahr bei 4,2 Prozent. Dazu kommen bundesweit rund 1.400 Reformhäuser bzw. Verkaufsstellen von Reformhäusern in Apotheken und Drogerien. Mehr als 50 Prozent der Bio-Lebensmittel werden nach Berechnungen des Deutschen Bauernverbandes allerdings nicht dort, sondern im Lebensmitteleinzelhandel und in Supermärkten verkauft.

Die größten Verbände, die Siegel für Bio-Produkte vergeben, sind Bioland (für sie produzieren mehr als 5.200 landwirtschaftliche Betriebe), Naturland (rund 2.200) und Demeter (rund 1.400). In Brandenburg gibt es rund 800 ökologisch arbeitende landwirtschaftliche Betriebe, sie bearbeiten etwa 15 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche in dem Bundesland. Damit steht Brandenburg hinter Bayern auf Platz zwei der ökologisch genutzten landwirtschaftlichen Flächen. Zu den Produkten, die in Bio- Qualität gekauft werden können, gehören vor allem Eier (6,3 Prozent aller verkauften Eier), Frischgemüse (4,9 Prozent) und Frischkartoffeln (4,6 Prozent).