Verbände hoffen auf eine schnelle Aufklärung der Infektionswege
Die bisher mit teils zweistelligen Zuwachsraten verwöhnte Biobranche könnte von den Folgen der Ehec-Epidemie hart getroffen werden. Auch wenn in ersten Proben gestern keine Keime gefunden wurden, konzentriert sich der Verdacht jetzt auf einen Ökobetrieb aus dem niedersächsischen Bienenbüttel, der Sprossengemüse in ganz Norddeutschland vertrieben hat.
Schon durch die Warnung vor rohem Gemüse wurde der Handel mit Bioprodukten stark betroffen. "Rohkost bleibt oft in den Regalen liegen", sagt Michael Wimmer, Chef der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. Die Bio-Kundschaft reagiere sensibel auf solche Warnungen. Beziffern ließen sich die Verluste aber nicht.
Wimmer glaubt allerdings nicht, dass durch die neue Warnung vor dem Verzehr von Sprossen die Situation noch schwieriger wird. "Wenn jetzt die Quelle der Erkrankungen erkannt sein sollte, dann ist das gut", sagt er. Die derzeitige Verunsicherung der Verbraucher erkläre sich ja daraus, dass noch so viel ungeklärt sei. Die Unsicherheit dürfte allerdings anhalten. Das Robert-Koch-Institut jedenfalls hielt gestern seine Warnung auch vor anderem rohen Gemüse aufrecht.
Der Hersteller Ökodorf Brodowin (Barnim) setzt an den Großhandel nur noch halb so viel frischen Salat ab wie vor der Ehec-Krise. Bei Stammkunden, die direkt selbst beim Ökodorf bestellten, gebe es dagegen keine Einbußen. Geschäftsführer Ludolf von Maltzan glaubt nicht, dass die Branche insgesamt in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Keime könnten durch infiziertes Saatgut aus Asien eingeschleppt sein. Dagegen könne sich kein Produzent schützen, ob er nun ökologisch oder konventionell produziere. Das sieht auch Peter Röhrig vom Bundesverband Ökologische Landwirtschaft so. Es gehe um eine Hygienefrage, die alle Betriebe betreffe und in der Öffentlichkeit nicht als spezielles Problem der Biobranche wahrgenommen werde.
In den meisten Bio-Supermärkten wurden alle Arten von Sprossen inzwischen aus dem Sortiment genommen. "Wir haben uns entschlossen, die Sprossen aus dem Verkauf zu nehmen, bis deren Unbedenklichkeit bestätigt ist", heißt es etwa auf der Internetseite des Viv-Biofrischemarkts in Berlin. Die auch in Potsdam vertretene Kette Bio-Company will hingegen die Ware weiter verkaufen. Man vertraue dem Lieferanten, der Berliner Sprossenmanufaktur, so ein Sprecher.
Die Sprossenmanufaktur selbst kündigte an, Proben von ihren Waren testen zu lassen. Firmenchef Klaus Schacherer gibt sich optimistisch. "Die Umsätze werden zurückgehen, aber einen Zusammenbruch erwarte ich nicht", sagt er. Jedem Hersteller seien die Infektionsrisiken bei der Produktion von Sprossen bekannt. Der Betrieb arbeite nach einem mit der Lebensmittelkontrolle abgestimmten strengen Sicherheitskonzept. "Wir sind guten Gewissens, alles Machbare getan zu haben", betont Schacherer. Der vor sieben Jahren gegründete Betrieb produziert ausschließlich Sprossen, die in Berlin und dem Umland vertrieben werden.


