Das Trend-Getränk Bionade gehört jetzt zum Lebensmittel-Imperium von Oetker. Neuer Mehrheitseigner ist die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe. Mit der Transaktion will der fränkische Limonadenproduzent Bionade seine Marke international zum Erfolg führen.
Man brauche einen Partner, mit dem die zeit- und kostenintensive Expansion gelingen könne, sagte Bionade- Geschäftsführer Peter Kowalsky am Freitag in Hamburg. Mit dem bisherigen Mehrheitsgesellschafter, der regional ausgerichteten Egon Schindel Holding GmbH (Rhönsprudel), sei dies nicht möglich gewesen. "Wir wollen nicht, dass Bionade so etwas wie eine kleine Szene-Limo in Deutschland bleibt", betonte Kowalsky.
Radeberger kauft nach seinen Angaben unter anderem die 51 Prozent der Firmenanteile von Bionade auf, die die Schindel-Gruppe seit 2004 hält. Durch das in enger Abstimmung mit dem früheren Mehrheitseigner abgeschlossene Geschäft werde eine neue Holding geschaffen, an der Radeberger mit 70 Prozent beteiligt sei, sagte Kowalsky. Die übrigen 30 Prozent der Anteile bleiben demnach in den Händen von Kowalsky und seinem Bruder Stephan. Über den Kaufpreis der Schindler-Anteile machte der Geschäftsführer keine Angaben. Nach einem Bericht des "Manager Magazins" soll er bei rund 20 Millionen Euro liegen.
In der neuen Holding werden künftig alle Aktivitäten der bislang auf verschiedene Gesellschaften verteilten Bionade-Gruppe mit Sitz im bayerischen Ostheim gebündelt. Dadurch könne der für die nächsten Jahre angepeilte Expansionskurs im Ausland besser gefördert werden, sagte Kowalsky. Er räumte ein, dass man bei der Entscheidung unter "gewissem Druck" großer Wettbewerber gestanden habe. Laut Albert Christmann, Sprecher der Geschäftsführung der Radeberger-Gruppe, sind die Verträge unterzeichnet, es fehlt aber noch die Zustimmung des Kartellamts. Dabei seien jedoch keine Probleme zu erwarten.
Bionade habe sich mit Hilfe der Schindler-Gruppe zu einer der vier führenden deutschen Limonaden entwickelt, sagte Kowalsky, werde aber bei der geplanten Internationalisierung im Wettbewerb mit Konzernen wie Coca Cola und Carlsberg bestehen müssen und brauche daher einen größeren Partner. "Wir haben einfach gewisse Befürchtungen, dass wir in vielen Märkten sonst das Nachahmerprodukt werden." Einzelheiten zu den Expansionsplänen nannte er nicht. Bionade habe sein Produkt aber zuletzt unter anderem erfolgreich in europäischen Metropolen wie Brüssel, Wien, Zürich und Barcelona getestet. Schnelle Erfolge seien nicht zu erwarten, sagte der Geschäftsführer. Die Etablierung einer neuen Marke wie Bionade dauere mindestens fünf Jahre. Die Auswahl von Radeberger als neuem Partner sei auch mit Blick darauf erfolgt.
Nach eigenen Angaben beschäftigt Bionade rund 170 Mitarbeiter und machte 2008 einen Umsatz von etwa 40 Millionen Euro. Zum Absatz der 1997 in den Markt eingeführten Bio-Limonade, die sich innerhalb von wenigen Jahre zum beliebten Szene-Getränk entwickelt hat, macht das Unternehmen keine konkreten Angaben. Nach einer Preiserhöhung war der Bionade-Absatz in diesem Jahr nach Kowalskys Angaben um 20 bis 25 Prozent eingebrochen. Medienberichten zufolge war es deshalb zum Streit zwischen den Erfinderfamilien und Schindler gekommen. Unternehmensleitung und Produktion blieben weiterhin in Ostheim angesiedelt, versicherte Kowalsky. Denkbar sei allenfalls, dass man bei Bedarf an anderer Stelle weitere Abfüllanlagen eröffne und dabei auch auf die Kapazitäten von Radeberger zurückgreife.


