Cornelia Pelzer verkauft Blumen aus dem Fläming an Berliner Stammkunden und in Bio-Märkten
Wenn die Sonne hinter dem Apfelberg aufgeht und die sattgrünen Hügel rund um Grützdorf noch grüner und die prächtigen Dahlien auf dem Blumenfeld noch prächtiger leuchten lässt, dann scheint es keinen schöneren Arbeitsplatz als den von Cornelia Pelzer zu geben. Doch im Moment hat die Gärtnerin keinen Blick für die Schönheit um sie herum. In ihren Armen balanciert sie Dahlien in allen Farben, ihre Aufmerksamkeit gilt den Blütenständen, dem richtigen Schnitt zur richtigen Zeit. Es ist Freitag. Seit 7 Uhr morgens durchstreifen Cornelia Pelzer und ihre Mitarbeiter Norbert Blaschke und Heinz Möbus das 1,2 Hektar große Blumenfeld, schneiden Cosmea, Löwenmäulchen und Helenium, Sonnenauge, Sonnenhut und Sonnenblume, Rittersporn, Malven und Rosen, Aster, Hirse und Jungfer im Grünen. Ganz normale Sommerblumen, nichts Exotisches. Die Dahlien sind derzeit die Stars auf dem Acker. Sie nehmen ein Viertel der Fläche ein und leuchten in allen denkbaren Farbnuancen.
Ist der Blumenkarren voll, bringt Cornelia Pelzer sie in die Scheune des Grützdorfer Hofes. Dort sitzen bereits ihre Mutter Ilse Hinze und eine befreundete Rentnerin inmitten Dutzender Eimer voll geschnittener Blütenpracht und entfernen Blätter und Dornen von den Stielen. Die beiden Damen haben Zeit im Rentnerdasein, Freude an der Arbeit mit Blumen und gehen Cornelia Pelzer dann und wann zur Hand. "Naja, und ohne meine Mutter geht eigentlich gar nichts", ist die Gärtnerin dankbar. Vor sechs Jahren hat die gelernte Krankenschwester den weißen Kittel gegen Gärtnerschürze und Gummistiefel getauscht, ein kleines Stück Land in Grützdorf nahe Bad Belzig gepachtet und Sommerblumen angesät.
Das Gärtnern war bis daher eher eine Hobbyleidenschaft. "Dann habe ich bei einem Gärtnerfreund gesehen, dass das auch beruflich funktionieren kann." Das Land, das zum Gut Schmerwitz gehört, war bereits bio-zertifiziert, ihre Blumen sind es nun auch. "Das heißt, man darf nur Pferdemist aus kleinen ländlichen Anlagen und nur bestimmte mineralische Dünger einbringen, wenn es unbedingt nötig ist", erklärt Cornelia Pelzer. In der Scheune hat Mitarbeiterin Angela Markendorf mit geschickten Griffen bereits große Sträuße in leuchtenden Herbstfarben gebunden. "Nach dem Regen greifen die Leute gern nach solchen Farben", weiß Cornelia Pelzer, die ihre Blumen auf Berliner Wochenmärkten verkauft und eine Bio-Supermarktkette sowie diverse Blumenläden in der Hauptstadt beliefert. Ihre Stammkunden in Zehlendorf und Dahlem, Kreuzberg und Mitte halten ihr seit Jahren die Treue.
Im ersten Jahr hat Cornelia Pelzer von der Aussaat über Ernte, Binden und Verkauf bis hin zum Herbstpflügen alles allein gemacht. Jahr für Jahr kamen mehr Kunden, mehr Quadratmeter Land, mehr Mitarbeiter hinzu: zwei Verkäuferinnen und zwei Fahrer in Berlin, drei Mitarbeiter in Grützdorf. Sie alle werden nur saisonal beschäftigt, aber dann nach Tarif entlohnt. Dennoch hat der Arbeitstag für Cornelia Pelzer meist mehr als zwölf Stunden, von Anfang März mit der Jungpflanzenanzucht bis Ende Oktober, wenn auf dem Acker "klar Schiff" gemacht wird, die Dahlienknollen per Hand aus 3.000 Quadratmetern Boden geholt werden und die Erde in den Winterschlaf geht.
70 bis 80 Sträuße sind an diesem Freitag zu binden, denn am Samstag beginnen die Wochenmärkte in Berlin früh, da ist keine Zeit mehr für floristische Kreativität am Marktstand. In Zehlendorf steht Cornelia Pelzer samstags immer noch selbst. Dort, wo alles mit jenem ersten Markttag begann, an dem sie sofort ausverkauft war. Sonntags ist Büroarbeit angesagt und Gießen natürlich. Auch die Rosen müssen jeden Tag geerntet werden. Dennoch bleibt an diesem Tag auch Zeit zum Umschauen. "Dann gehe ich manchmal einfach nur über den Acker und nehme die Natur um mich herum wahr", wenn die Sonne irgendwo hinter Klein Glien untergeht und die Blumen im Abendlicht besonders schön leuchten.
Betrieb mit Zertifikat
Der Blumenbaubetrieb "Fläming Garten Belzig" von Cornelia Pelzer ist bio-zertifiziert. Im vergangenen Jahr erhielt die Unternehmerin auch ein Zertifikat des "Flower Label Program", das deutschlandweit bisher nur sechs Gartenbaubetriebe errangen. Es wird für Umwelt- und Sozialstandards verliehen, wozu auch die tarifgerechte Bezahlung der Mitarbeiter gehört.
Das Label wurde eigentlich für Blumenfarmen in Afrika und Südamerika eingeführt, um dem Verbraucher in Europa eine bewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen. Bekanntlich kommt ein Großteil der Schnittblumen in hiesigen Geschäften aus den Niederlanden oder aus Billiglohnländern wie etwa Kenia oder Ecuador. Dort werden Mitarbeiter nicht nur extrem niedrig entlohnt, sondern tragen aufgrund des massiven Einsatzes hochgiftiger Pestizide zuweilen gesundheitliche Schäden davon.
Auch hierzulande haben Gärtner mit Preisdruck zu kämpfen und bezahlen ihre Mitarbeiter oft unter Tarif, der für die Berufsgruppe ohnehin nur bei 7,50 Euro liegt.


