Körner, Trockenfrüchte, Räucherstäbchen, Umweltpapier, Kerzen und Makrobiotisches. Mit einem solchen Sortiment eröffnete 1971 "Peace Food" in der Schöneberger Pallasstraße. Es war der erste Bio-Laden Europas. Unter dem Namen "Lebensbaum" erweiterte er sein Naturkostspektrum und zog um in die Winterfeldtstraße. Doch als in Berlin ein Bio-Supermarkt nach dem anderen eröffnete, konnte der kleine Laden nicht mehr mithalten. Der Umsatz ging um 75 Prozent zurück. 2007 gaben die Inhaber auf.
"In den letzten Jahren mussten jedes Jahr fünf bis acht kleine Bio-Läden aufgeben, weil sie dem gestiegenen Konkurrenzdruck nicht gewachsen waren", sagt Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL). Nun sei der Schwund jedoch gestoppt. "Die verbliebenen Naturkostgeschäfte haben sich spezialisiert - mit Naturkosmetik, Imbiss, Catering oder einem großen Kuchensortiment. So können sie sich behaupten", sagt Wimmer.
Das freut den Chef der FÖL. Genauso freut er sich über den anhaltenden Boom der großen Läden. "Berlin ist die Hauptstadt der Bio-Supermärkte", sagt Wimmer stolz. 42 davon sind im Stadtgebiet zu finden, darunter auch der LPG-Markt in der Kollwitzstraße - es ist der größte Bio-Supermarkt Europas. Allein 17 Filialen betreibt außerdem die Bio Company und ist damit die größte Kette der Hauptstadt.
Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Wimmer erwartet, dass 2011 in Berlin fünf bis sechs weitere Bio-Märkte eröffnen. Es geht also stetig bergauf in der Branche. 2010 setzte der Bio-Fachhandel in Berlin und Brandenburg 150 Millionen Euro um. "Vor zehn Jahren waren es vermutlich nicht einmal 30 Millionen Euro", sagt Wimmer.
Stolz ist man bei der FÖL auch auf die starke regionale Ausrichtung. 15 Prozent der Bio-Produkte, die in Berlin und Umgebung verkauft werden, stammen aus der Region. Wimmer: "Im konventionellen Bereich ist der Anteil nur etwa halb so groß." 140.000 Hektar werden in Brandenburg mittlerweile ökologisch bewirtschaftet. Das sind 10,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche - so viel wie in keinem anderen Bundesland.
Auch wenn sich die Branche traumhaft entwickelt, bleibt Wimmer realistisch. "Man darf nicht vergessen, dass wir uns in einer Nische befinden. Der Anteil des Bio-Handels am Lebensmittelhandel insgesamt liegt bei 3,4 Prozent." Und weil er gerne möchte, dass die Bio-Branche mehr Marktanteile erobert, hat er grundsätzlich nichts dagegen, dass die konventionellen Supermärkte und Discounter immer mehr Bio-Produkte im Sortiment haben.
Zugleich hofft Wimmer, dass sich biologische Produkte nun auch in der Gastronomie der Hauptstadt weiter durchsetzen. "In Berlin werden immerhin 40 Prozent der Lebensmittel in diesem Segment umgesetzt", sagt Wimmer. Ein Anfang ist gemacht: Das Essen in den Berliner Uni-Mensen ist bereits zu zwölf Prozent bio.
Ein regionaler Einkaufsführer: www.bio-berlin-brandenburg.de


