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14.04.2014 - Brandenburg verliert Spitzenplatz bei Ökolandbau - Aktuelle Agrarstrukturerhebung: Rückgang bei Bio-Fläche und Bio-Betrieben (FÖL)

Jetzt ist es amtlich: Die aktuelle Agrarstrukturerhebung in Brandenburg bestätigt, was Experten lange erwartet und befürchtet haben: Seit 2010 ist die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Brandenburg um 2 % auf 137.700 ha zurückgegangen. Gegenüber den in 2013 vom Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL) herausgegebenen Zahlen beträgt der Rückgang sogar 4,3 %, bei den Bio-Betrieben sind es ganze 6 %.

Damit verletzt die Brandenburger Landesregierung ihren eigenen Koalitionsvertrag, in dem sie wörtlich formulierte: "Die Koalition will den Brandenburger Spitzenplatz in der ökologischen Landwirtschaft ausbauen". Passiert ist nun das glatte Gegenteil: Der mit dem jetzt amtlich festgestellten Rückgang des Ökoflächenanteils von 10,9 % auf nunmehr 10,48 % markiert dies sogar den Verlust des Brandenburger Spitzenplatzes. Neue Spitzenreiter sind demnach die Bundesländer Saarland und Hessen, die beide bei 10,7 % stehen.

Damit erntet Brandenburg, was es seit Jahren an Verunsicherung und fehlender Unterstützung sät:

  • 1. Brandenburg gewährt seit Jahren den bundesweit niedrigsten Fördersatz für die Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise (137 Euro Flächenprämie/ha).

  • 2. Brandenburg setzte als einziges Bundesland in den vergangenen drei Jahren die Öko-Umstellungsförderung komplett aus. Der überwiegende Teil der anderen Bundesländer hat trotz der Unsicherheiten im Übergang zur nächsten Förderperiode dieses psychologisch extrem wichtige Förderinstrument beibehalten. Hinzu kommt, dass die Höhe und Konditionen der ab diesem Jahr neu geltenden Förderungen bis dato unklar sind – obwohl die Bio-Landwirte im Herbst 2013 die Förderung beantragten und die Betriebe nebst Fruchtfolge entsprechend umzustellen hatten.

  • 3. Im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern hat Brandenburg keine weiteren speziellen Förderinstrumente, um den Ökolandbau oder den Bereich Veredelung und Verarbeitung von Bio-Produkten gezielt zu stärken (Beratung, Kontrollkostenzuschuss, erhöhte Fördersätze für die Investition in artgerechte Tierhaltung etc.).

  • 4. Die zusätzlichen Mittel für die 2. Säule sollen bezeichnenderweise nicht in den Ökolandbau, sondern in die Ausgleichszulage gehen – diese hat keinerlei umweltrelevanten Lenkungseffekt.

Dass die Flächenentwicklung nun abbricht und rückläufig ist, ist daher alles andere als verwunderlich: Seit 2004 ist die Brandenburger Öko-Fläche statistisch nur noch mit jährlichen Durchschnittswerten von weniger als 0,9 % Prozent gestiegen – gerade in jenem Zeitraum also, als der Markt geradezu explodierte und jährlich um durchschnittlich 10 % anstieg. In Brandenburg wurden damit die letzten 10 Jahre weniger als 11% % der heutigen Öko-Fläche umgestellt, der Löwenanteil der heutigen Anbaufläche stammt aus den 90er-Jahren, als es praktisch noch keinen Markt gab und die Betriebe vorrangig von der damals deutlich höheren Öko-Prämie leben mussten.

Seitdem ruht sich Brandenburg auf den Errungenschaften der 90er-Jahre aus und verweigert mit Hinweis auf die jetzt verlorene Spitzenposition Maßnahmen, die auf die heutige Marktsituation reagieren bzw. die damit verbundenen Chancen ergreifen würden.

Abschließende Bemerkung: Da mit der aktuellen Agrarpolitik bzw. den davon ausgelösten Verwerfungen am Agrarmarkt nicht nur der Ökolandbau betroffen ist, hat sich am 09.11.2013 das Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg gegründet. Dem Bündnis gehören heute bereits 44 Trägerorganisationen an. Weitere Infos hierzu unter: www.agrarwen.de oder www.facebook.com/agrarwende.

Link zur PM des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg:
www.statistik-berlin-brandenburg.de/pms/2014/14-04-04.pdf

Kontakt
Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau
Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.
Michael Wimmer - Geschäftsführer
Marienstraße 19-20
10117 Berlin
Tel.: 030 284824-39
Mobil: 0179 4527147
Fax: 030 284824-48
E-Mail: m.wimmer[AT]foel.de
www.bio-berlin-brandenburg.de