Die Brandenburger Grünen haben zur diesjährigen Brandenburgischen Landwirtschaftsschau (BraLa) eine neue Agrarpolitik des Landes gefordert. Sie soll wesentlich stärker als bisher auf die bäuerlichen Einzelbetriebe und den ökologischen Anbau konzentriert werden.
Wenn die Bündnisgrünen sich eines Themas annehmen, dann tun sie dies in aller Regel sehr gründlich. Und obwohl die Zahl ihrer Anhänger und Wähler im ländlichen Raum bislang äußerst begrenzt ist, nimmt derzeit die Agrarpolitik einen breiten Raum ein. So hat die Landtagsfraktion der Partei in dieser Woche ein Buch vorgestellt, in dem sie die Entwicklung der Landwirtschaft seit 1990 kritisiert und weitreichende Veränderungen fordert. Bei der Vorstellung des Werkes lobte der aus der DDR-Opposition bekannt gewordene Ökologe und Landwirt Michael Beleites das Werk als "mutiges und längst überfälliges" Buch.
Die Bauern seien die wichtigsten Opfer des Kommunismus gewesen, in der Sowjetunion, in China, wo Millionen zu Tode kamen, aber auch in der DDR, wo durch die Zwangsenteignungen Hunderttausende in die Flucht getrieben worden seien. Die jetzigen Strukturen der Landwirtschaft spiegelten immer noch die DDR-Verhältnisse wieder. Die Folge davon sei ein radikaler Abbau von Arbeitsplätzen und die damit einhergehende Verödung des ländlichen Raumes. Eine von bäuerlichen Einzelbetrieben dominierte Landwirtschaft sei effektiver und schaffe mehr Arbeit. Mit dem Überleben der Großbetriebe aus der Zeit der DDR sei jetzt die brandenburgische Landwirtschaft auch in besonderem Maße durch die Aktivitäten von Finanzinvestoren gefährdet. Die wiederum hätten kein Interesse an einer vielfältig orientierten Struktur, sondern setzten zumeist auf leicht zu bewirtschaftende Monokulturen.
Deswegen will Axel Vogel, der grüne Fraktionsvorsitzende im Landtag, auch eine umfassende Neuorientierung der Agrarpolitik des Landes, die derzeit vor allem auf die Interessen der Großbetriebe ausgerichtet sei. In wesentlichen Teilen wird diese Forderung auch bei den beiden anderen Oppositionsparteien CDU und FDP diskutiert und teilweise mit getragen. Dabei geht es um die Positionierung Brandenburgs in der Frage der zukünftigen Agrarförderung durch die EU, um die weitere Genehmigung und Subventionierung der industriellen Massentierhaltung, die Unterstützung des ökologischen Anbaus und einer artgerechten Tierhaltung sowie den Umgang mit gentechnisch veränderten Produkten.
Die derzeit in Paaren/Glien (Havelland) stattfindende BraLa ist auch erstmals zum Diskussionsforum dieser Auseinandersetzung geworden. Den Grünen ist es gelungen, die bislang beiden stark konkurrierenden Organisationen, von denen der Bauerverband vor allem die Interessen der Großbetriebe, der Bauernbund die der Einzelbauern vertritt, zu einem Dialog zu bewegen.
Die Streitschrift der Grünen "Umbrüche auf märkischem Sand", die in einer Erstauflage von 1.500 Exemplaren erschienen ist, kann auch im Buchhandel erworben werden (oekom-Verlag, 14,90 Euro).


