In der Gemeinde sollen Legehennenanlagen errichtet werden mit bis zu 30.000 Tieren. Die Agrargenossenschaft Münchehofe möchte sich damit ein zweites Standbein aufbauen. Doch die Leute im Ort haben kein Verständnis für die Interessen von Geschäftsführer Thomas Heidenreich.
Dabei hatten sie seinen Bio-Betrieb einst unterstützt. Doch jetzt fürchten sie um ihre Lebensqualität. Bis zu 2.000 Tonnen Hühnerkot, der stark ammoniakhaltig ist und scheußlich stinkt, können pro Jahr anfallen. Und sie ärgert, dass der Chef der Agrargenossenschaft nicht gesprächsbereit ist. Das zeigte er erst kürzlich bei einer Zusammenkunft von Gemeindevertretern und der Bürgerinitiative.
Gerüchte machen im Ort die Runde. Es heißt, die Agrargenossenschaft will die neuen Legehennenanlagen gar nicht selbst betreiben. Von Holländern ist da die Rede und anderen Investoren, zum Beispiel der Landkost-Ei GmbH. Bestätigt wird dies mit einem Schreiben des Bioland-Verbandes. Darin steht, dass die Anlagen nicht von der Agrargenossenschaft, sondern von einem anderen Unternehmen geführt werden sollen. Ein Name wird nicht genannt.
Darauf vom Dahme-Kurier angesprochen, will Thomas Heidenreich keine Auskunft geben. Heinz Pilz dagegen von Landkost in Bestensee sagt freiweg, dass sie die Abnehmer der Eierproduktion in Münchehofe sein wollen. "Wir suchen an mehreren Standorten nach kleineren Unternehmen, die für uns Bio-Eier produzieren", so Pilz. Damit wolle sein Unternehmen das Sortiment komplettieren. Der Raum Berlin als Großabnehmer von Bio-Produkten sei doch direkt vor der Tür. Pilz vertritt die Auffassung, dass damit beide einheimischen Unternehmen – sowohl das Münchehofer als auch das Bestenseer – gestärkt würden.
Nach Recherchen der MAZ wird die Agrargenossenschaft Münchehofe allerdings nicht unter ihrem eigenen Namen die Legehennenanlagen betreiben können. Da die Agrargenossenschaft Mitglied im Bioland-Verband Berlin-Brandenburg ist, seien Legehennenhaltungen in den geplanten Größenordnungen nicht erlaubt. Dafür müsste Thomas Heidenreich ein weiteres Unternehmen gründen. Dies wäre dann nicht Mitglied im Bioland-Verband und somit auch nicht an dessen Vorgaben gebunden. Dennoch sei das neue Unternehmen in der Lage, Bioeier nach EU-Ökoverordnung in Anlagen mit 30.000 Legehennen zu produzieren.
Münchehofes Bürgermeister Ralf Irmscher sieht darin den Einmarsch der Agrarindustrie durch die Hintertür von kleinen Unternehmen. "Wir werden das nicht so hinnehmen", kündigte er an. Ein Anwalt ist bereits von der Gemeinde in dieser Sache beauftragt.


