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04.08.2010 - Der Ärger der Bio-Bauern (Märkische Oderzeitung)

Der Weg der Bio-Milch von der Kuh bis ins Supermarktregal wurde Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Mittwoch von Öko-Landwirten auf einer Sommertour aufgezeigt. Dabei schlugen sie auch kritische Töne an ? ihre Förderung ist bedroht.

Von einer Brücke aus können Besucher in der Münchehofer Gläsernen Molkerei in die Bottiche schauen. Links rührt ein Mitarbeiter des Bio-Betriebs in der weißen Masse. Als der Minister zuschaut, winkt er freundlich. Alles ist blitzblank. Dann läuft die Gruppe, rund 40 Branchenvertreter, Landwirte und Politiker, zum Buffet. Heumilch- oder Bockshornkleekäse gibt es unter anderem ? zwei Spezialitäten des Hauses. Kaum kann der SPD-Politiker ein Häppchen essen, bestürmen ihn die Landwirte mit ihren Fragen.

Seit dem Morgen haben sie auf ihre Chance gewartet, die drohenden Einsparungen im Ministerium anzusprechen. Von 16 Millionen Euro ist die Rede, die ab 2011 gekürzt werden sollen ? über 40 Prozent der Landesmittel im Agrarbereich. Betroffen ist vor allem die Öko-Branche. Vogelsänger weicht aus und verweist auf die Beratungen des Kabinetts im Herbst.

"Es wird eine spannende Haushaltsdebatte", sagt er im Hinblick auf die von Finanzminister Helmuth Markov (Linke) auferlegten Sparziele. Für 2011 würden die Öko-Förderungen noch gezahlt, wie es danach weitergeht, wisse er nicht. Gleichzeitig gibt er sich kämpferisch: "Wir wollen Handlungsspielräume haben." Sein Ziel sei, über 500 Millionen Euro für die gesamte Landwirtschaft und den ländlichen Raum zur Verfügung zu haben.

Den Biobauern reichen diese Aussagen nicht. "Es fehlen klare Bekenntnisse aus dem Ministerium für unsere Branche", sagt Stefan Palme, Chef des Gutes Wilmersdorf in der Uckermark, der acht Mitarbeiter beschäftigt. "Ohne Förderung müsste ich aufgeben", betont er. "Ich könnte die Preise nicht bringen, die von osteuropäischen Produzenten angeboten werden. Der Bio-Markt ist hart umkämpft."

280 Euro erhält Palme Flächenbeihilfe pro Hektar, wie alle anderen Bauern. Hinzu kommen 130 Euro für die Bewirtschaftung nach ökologischen Anforderungen. Denn der Bio-Landbau ist kostenintensiver als die herkömmliche Produktion. Und die mehrjährige Umstellung ist wirtschaftlich riskant. ?Wir brauchen Planungssicherheit für unsere Investitionen?, betont Palme.

Problematisch werde es vor allem für Neueinsteiger in der Branche, erklärt Sascha Philipp, Chef des Arbeitskreises Ökologischer Landbau. Deren Förderanträge würden möglicherweise ab dem kommenden Jahr nicht mehr genehmigt. Das bestätigt auch Vogelsänger. Aber auch einige der existierenden 670 Öko-Betriebe seien "in der Existenz bedroht", wenn sie keine Anschlussförderung erhielten, ergänzt Michael Wimmer, Chef der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau.

Würde das Potsdamer Kabinett die Eigenmittel streichen, fielen 150 Millionen Euro EU- und Bundesfördergelder weg, so Wimmer. Derzeit werden knapp elf Prozent der gesamten Agrarflächen in der Mark ökologisch bewirtschaftet ? das ist der Spitzenplatz in Deutschland. Diesen wolle man weiter ausbauen, heißt es im rot-roten Koalitionsvertrag. Denn der Markt boomt weiter. Die Öko-Bauern hoffen daher, dass sich Vogelsänger in der Sparrunde durchsetzt. "Man merkt aber, dass er von Landwirtschaft noch wenig versteht", sagen einige.

Welche Auswirkungen der Sparzwang des Landes bereits jetzt hat, verdeutlicht der Molkerei-Chef Hubert Böhmann an einem anderen Beispiel. Er zeigt auf eine ungemähte Wiese. "In der Nähe sind Granaten gefunden worden, seitdem dürfen wir sie nicht mehr nutzen. Aber für eine Munitionssuche fehlt angeblich das Geld", erzählt er. "Können Sie da helfen?", fragt er Vogelsänger. Eine Zusicherung gibt der Minister nicht.