Online Einkaufsführer Newsletter Veranstaltungskalender


Detailansicht
22.09.2011 - Der Bauernaufstand formiert sich (Märkische Allgemeine)

Namhafte Landwirte ziehen gegen Moorprojekt in der Nuthe-Nieplitz-Niederung zu Felde.

Mit der Familie Syring aus Zauchwitz, dem Geschäftsführer der Agro Saarmund Uwe Naujoks und dem Körziner Biolandwirt Lutz Rabe haben sich jetzt bekannte und einflussreiche Bauern dem Protest ihres Stückener Kollegen Jens Schreinicke gegen die "Vernässung" der Ungeheuerwiesen angeschlossen. Eine Unterschriftenliste macht die Runde. Auch der Bauernverband hat bereits scharfe Kritik geübt. Laut Landwirt Schreinicke wollen die Bauern vielleicht eine Bürgerinitiative ins Leben rufen.

Hintergrund: Der Landschaftsförderverein Nuthe- Nieplitz prüft derzeit, welche Teile der zwischen Tremsdorf, Fresdorf, Stücken und Blankensee entlang des Königsgrabens gelegenen Wiesen wieder zum Niedermoor gemacht werden könnten. Das heißt, der Wasserstand würde angehoben, die Flächen stünden zum Teil permanent unter Wasser. 200 Hektar sind im Gespräch, eine Machbarkeitsstudie läuft bis 2013.

Mitte August hatte die mit dem Projekt beauftragte Landgesellschaft Sachsen-Anhalt angekündigt, sie werde beginnen, "einen Flächenpool aufzubauen" – sie will also Land für den Landschaftsförderverein kaufen. Der ist jetzt schon – dank millionenschwerer Bundeszuschüsse nach der Wende – größter Grundbesitzer in der Gegend. Rund 3000 Hektar sind im Besitz der Umweltschützer. Vertreter der Landgesellschaft sollen schon in den Dörfern unterwegs sein und Landbesitzer nach ihrer Verkaufsbereitschaft fragen.

Darin sehen die Bauern ein grobes Foul, denn die meisten ihrer Äcker und Felder sind nur gepachtet. Veräußern die Grundbesitzer ihr Land und stehen die Wiesen unter Wasser, fallen sie als Weiden oder Futteranbauflächen aus. "Hier werden offenbar Tatsachen geschaffen, man geht den zweiten Schritt vor dem ersten", sagt Karl-Ludwig Syring, Seniorchef des Spargelhofs in Zauchwitz, der 950 Hektar Land bearbeitet. Bevor nicht das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vorliege, müssten sämtlich Versuche des Landkaufs unterbleiben, fordert Syring. „Wir Landwirte fühlen uns provoziert, der Verein sollte sich nicht mit den Bauern überwerfen“, warnt Syring, der selbst einmal im Vorstand des Landschaftsfördervereins saß. Sein Sohn Thomas, der den Öko-Landbau des Betriebs verantwortet, fügt hinzu: "Es war nicht die Aufgabe des Fördervereins, als Flächenkonkurrent zu den Landwirten aufzutreten."

In Thomas Syrings Fall kommt erschwerend hinzu, dass 95 Prozent der von ihm bewirtschafteten Flächen schon jetzt dem Landschaftsförderverein gehören. Kündigt der Verein für sein Niedermoor-Projekt die Pacht oder setzt die Wiesen unter Wasser, ist Syrings Existenzgrundlage dahin. Schon der nasse Sommer habe gezeigt, dass die Bauern in der Gegend etliche Flächen gar nicht nutzen konnten, weil sie unter Wasser standen, sagen die Syrings.

Beispiel Biobetrieb Lutz Rabe in Körzin: 50 seiner 180 Hektar konnte der Bio-Bauer gar nicht nutzen in diesem Sommer. Mähmaschinen sänken ein, Rinder würden sich in den feuchten Wiesen Fußkrankheiten holen. "Wenn diese Wasserstände zum Dauerzustand werden, kann ich meine Kühe nicht ernähren. Das bedroht meine wirtschaftliche Grundlage", sagt Lutz Rabe, der 70 Milchkühe und insgesamt 150 Rinder hält.

Uwe Naujoks, Chef der Agro Saarmund mit ihren mehr als 500 Mutterkühen, sieht auch eine Gefahr für das Dorf Tremsdorf. "Die Leute dort haben Angst vor Wasser in ihren Kellern!" Das höher stehende Wasser im Naturschutzgebiet würde einen Rückstau in anderen Gebieten erzeugen. Naujoks ist in der Zwickmühle. Als einziger Landwirt sitzt er im siebenköpfigen Vorstand des Landschaftsfördervereins. "Für mich ist die Situation sehr zwiespältig", sagt er. Im Bauernverband will Naujoks dieser Tage noch einmal auf die Dringlichkeit des Themas hinweisen. Das dürfte den Konflikt noch verschärfen: Der Verband hatte die Vernässungspläne bereits als überzogen angegriffen.

Das Moor-Projekt:

Die Ungeheuerwiesen in der Nuthe-Nieplitz-Niederung zwischen Fresdorf, Tremsdorf, Stücken und Blankensee sollen nach Auffassung des Landschaftsfördervereins Nuthe-Nieplitz-Niederung wieder ein Niedermoor werden. Es geht um 200 Hektar. Bis 2013 soll eine Machbarkeitsstudie zeigen, welche Flächen "vernässt" werden können.

Der Förderverein, gegründet 1991, hat seither 3.000 Hektar Land und Seen zum Zweck des Naturschutzes gekauft, vor allem mit Fördermitteln. Die räumliche Expansion ist in der Satzung ausdrücklich erwünscht.