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22.07.2011 - Der Landwirt und die hundert Geißlein (Märkische Oderzeitung)

Es ist alles Käse bei Pörschkes. Und überall wird gemeckert. Dennoch ist die sechsköpfige Familie glücklich. "Wir haben jede Woche Urlaub – und für uns ist alle Tage Sonntag", sagt Fred Pörschke, Familienoberhaupt und Chef eines Ziegenhofes.

Tagtäglich hat er 103 Mädels um sich: 100 Ziegendamen, eine Ehefrau und zwei Töchter. Wer wird da nicht neidisch? Fred Pörschke genießt die weibliche Gesellschaft. Trotz der Arbeit. Während sich Nachbarn gerade in den Urlaub verabschiedet haben oder schon die nächste Reise planen, fegt der 49-jährige Brodowiner in Arbeitskluft über den Hof.

Nein, Urlaub vermisse er nicht. Sonst wäre er hier sicher fehl am Platze. 2003 habe er sich mit dem Ziegenhof selbstständig gemacht. Er sei auf dem Dorf groß geworden. Generationen lebten und leben in Brodowin. Großvater und Vater waren in der Landwirtschaft tätig. Er selbst hat viele Jahre in der LPG und nach der Wende im Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin gearbeitet.

Bis er auf die Geiß kam. Warum ausgerechnet Ziegen? "Weil es dafür eine Nachfrage gab", erklärt Fred Pörschke, für den Hobby und Beruf eins sind. Anfangs lieferte er die Ziegenmilch an das örtliche Agrarunternehmen. "Seit 2003 verarbeiten wir die Milch zum größten Teil selbst. Wir haben unsere eigene Käserei aufgebaut", so der gelernte Agrotechniker, der – ebenso wie der Brodowiner Landwirtschaftsbetrieb – nach ökologischen Richtlinien, nach der Demeter-Norm, wirtschaftet. Was bedeutet: Auch das Futter produziert der Hof selbst.

100 Milchziegen – hat der Chef da eine Lieblingsziege? "Ich liebe sie alle", sagt Fred Pörschke. Doch seine Frau Anke widerspricht. "Tutti, die ist sein Liebling." Die habe er nämlich, da sie eine Frühgeburt war, beinahe per Hand aufgezogen. Deswegen habe sie auch einen Namen. Ansonsten haben die Tiere lediglich eine Nummer.

Denn: Bei aller Liebe – Ziegenhaltung und -käserei sind ein harter Job. Um 4 Uhr in der Früh steht Fred Pörschke auf, sonntags sogar um 1 Uhr. "Da schalte ich den Pasteurisator an." Ab 5 Uhr werde gemolken. Jeden Tag, montags bis sonntags. Weshalb eben jeden Tag Sonntag bei Pörschkes ist. Und immer Urlaub.

Gerade jetzt im Sommer. Von März bis Oktober müsse der Hof schließlich das Geld verdienen. Ab November werden die Ziegen nämlich "trockengestellt". Da sie dann Nachwuchs erwarten, gibt es vorübergehend keine Milch, erklärt der Fachmann. "Zumindest werden sie nicht gemolken, erst ab Anfang März wieder."