Agrarminister Jörg Vogelsänger lobt den Töplitzer Winzer Klaus Wolenski für die eigene Kelterei
Was tut man nicht alles für ein gutes Foto! Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) kniet sich mit der Schere vor und hinter Reben. Dann endlich stimmt die Perspektive, und Vogelsänger schneidet. Kameras klicken und dunkle Beeren fallen in des Ministers Hand. Der kann es sich nicht verkneifen, das edle Erntegut gleich zu testen. "Wunderbar", sagt er kauend. "Die haben ordentlich viel Zucker."
"Weinland Brandenburg" lautet das Motto, unter dem der Minister gestern den Klosterhof von Winzer Klaus Wolenski in Neu-Töplitz (Potsdam-Mittelmark) besuchte. "Wir werden Baden-Württemberg und die Pfälzer schon zum Zittern bringen", scherzt Vogelsängers Sprecher Jens-Uwe Schade. Aber von Panik über die Meldungen aus Brandenburg kann weder am Kaiserstuhl noch an den sonnigen Hängen des Neckars die Rede sein. Die sechs Hektar auf dem Werderaner Wachtelberg, der eine Hektar in Schlieben (Elbe-Elster) und eben die drei Hektar auf Wolenskis Berg versetzen die Baden-Württemberger mit ihren 11.500 Hektar Flächen nicht in Schrecken. Aber Wolenski kann sich zugute halten, erstmals für hochwertigen Wein in Brandenburg wieder die gesamte Produktionskette in einer Hand zu haben.
Zusammen mit seiner Frau baut Wolenski die Reben nicht nur im Alleingang an, in seinem Gut richtete er vergangenes Jahr auch für viel Geld eine Kelterei ein. Allein in die Abfüllanlage steckte er 40.000 Euro. Bislang wurden Weine aus Brandenburg wie beispielsweise der Werderaner Wachtelberg zum Keltern nach Sachsen-Anhalt gefahren. Weil Wolenski sowieso schon mit dem Bio-Siegel geadelte Reben produziert, wollte er nicht mehr länger zusehen müssen, wie sie auf ihrer langen Reise in den Süden Schaden nehmen. "Außerdem weiß ich nicht, was die dort mit dem Wein machen. Hier habe ich das selbst in der Hand." Am Ende gute Qualität zu produzieren, das sei einfach ein Erfolgserlebnis.
"Ich freue mich, dass jemand mit so viel Spaß diesen Weinbau in Töplitz betreibt", sagt Vogelsänger, der nicht zum ersten Mal ein Weingut besucht. Natürlich sieht das Ministerium den Wein, selbst mit eigener Kelterei, in Brandenburg immer als Nischenprodukt. Aber die wenigen Winzereien mit Hofverkauf können auch Fenster sein, über die man auf andere regionale Produkte aufmerksam macht, meint Ministeriumssprecher Schade. Zusammen mit Spezialitäten wie Teltower Rübchen oder den Shiitake-Pilzen aus dem Barnim müsse sich doch ein Markt mit Spezialprodukten erschließen lassen.
Wolenski selbst findet sein mit dem Bio-Siegel gekröntes Engagement keineswegs abwegig. Auf dem alten Weinberg, wie die Anbaufläche heißt, zogen schon 1360 Zisterziensermönche Reben. Nach 1640 taten es Schweizer Familien, die der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg hier ansiedelte. Da auf eiszeitlichen Sandböden gewachsen, zeichnet sich der Wein weniger durch Mineralität als durch eine hohe Fruchtigkeit aus. Zurzeit verhandelt das Land mit dem Weinbauverband Saale-Unstrut, so dass Wolenski künftig das QbA-Siegel für Qualitätswein aufkleben darf. Bislang prangt noch die Bezeichnung "Landwein" auf seinen Etiketten, obwohl der Tropfen in jeder Hinsicht mit Qualitätsweinen mithalten kann.
Vor "Urzeiten", wie Klaus Wolenski sich ausdrückt, war er noch Beamter in Berlin, seit 15 Jahren ist der 62-Jährige als Landwirt tätig und hatte in Töplitz zunächst eine Reitanlage errichtet. Den alten Weinberg kaufte er sich nach und nach zusammen. Mitte der 90er-Jahre war das Areal nur eine Brachfläche mit ein paar Obstbäumen. Lediglich ein paar verdorrte Rebstöcke erinnerten an die Vergangenheit des Weinbaus. Das aber ließ den gebürtigen Spandauer nachdenken und ihn 1997 Rebrechte einholen.
Sein Interesse an der Winzerei sei gut gedrittelt, scherzt Wolenski: "Ein Drittel kommt vom Großvater, der Winzer an der Mosel war, ein Drittel ist angelesen und ein Drittel selbst angetrunken." Die Entscheidung zur Pionierarbeit reut ihn heute nicht. "Wenn man in der Ernte sieht, wie phantastisch das alles gewachsen ist, ist man schon fast euphorisch." Das Mikroklima mit vielen Sonnenstunden und der wärmenden Havel um die Insel Töplitz beschert Wolenski regelmäßig gute Ernten. Bis zu 9.000 Flaschen holte er jedesmal in den vergangenen vier Jahren aus seinen weit auseinander liegenden Reihen. Dieses Jahr habe er schon den Regent eingefahren und komme insgesamt wohl locker auf 25.000 Flaschen.
Der Töplitzer Weinanbau mitsamt Verköstigung und Verkauf in der urigen "Besenwirtschaft" bei Investitionen von mindestens 230.000 Euro rentiert sich bislang noch nicht. "Den Gewinn haben vielleicht mal kommende Generationen", sagt Wolenski. Die Tochter, die bislang nur den Reiterhof führt, steht jedenfalls als Winzerin bereit.


