Biobauern haben beste Aussichten ? wenn die Potsdamer Regierung nicht die Fördergelder einfriert.
Der Berliner Naturkost-Großhandel Terra verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 62 Millionen Euro. "Im kommenden Jahr sollen es über 70 Millionen werden", erklärt Geschäftsführer Meinrad Schmitt. Einst wurde Schmitt als Ökospinner verspottet, als er mit Kohlrabi aus Westdeutschland im Lastwagen am Grenzübergang Dreilinden wartete. Doch die Zeiten haben sich geändert; heute ist Berlin Europas größter Absatzmarkt für Bioprodukte.
Diese Entwicklung lässt sich an der Supermarktkette Bio Company ablesen: Vor elf Jahren gegründet, verfügt sie mittlerweile über 18 Filialen in der Hauptstadt und in Brandenburg. "In Berlin haben wir die Möglichkeit, nachhaltig zu wirtschaften und viele frische Waren aus Brandenburg zu beziehen", freut sich Vertriebsleiter Manuel Pundt. Längst sind es nicht mehr nur kleine Biohöfe, die die Berliner Märkte beliefern. Viele Ökoagrarbetriebe in Brandenburg expandierten. Inzwischen werden fast elf Prozent der Anbaufläche in Brandenburg nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet.
Die Biolandwirte glaubten schon, dass die Wirtschaftskrise an ihnen vorbeigegangen sei. Doch nun droht sie eine Nachwehe einzuholen: Die rot-rote Landesregierung will auch beim Ökolandbau sparen. 16,6 Millionen Euro Fördergeld sollen ab dem kommenden Jahr wegfallen. Das hätte eine Kettenreaktion zur Folge. Denn nur wenn Brandenburg seinen Anteil von 8 Prozent beisteuert, fließen Bundesmittel (12 Prozent) und EU-Gelder (80 Prozent). Insgesamt drohen den Biobauern bis zu 100 Millionen Euro verloren zu gehen.
Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) hält sich bislang bedeckt und will vor einem Kabinettsbeschluss im September den Biobauern nichts versprechen. Sie erhalten die nächsten fünf Jahre weiterhin bereits bewilligte Fördergelder, sichert er zu. Zusagen über neue Subventionen ab 2011 will er aber nicht machen. Den Landwirten fehlt damit die Planungssicherheit.
"Wer überlegt, auf den ökologischen Landanbau umzusteigen, kommt ins Zweifeln. Andere steigen möglicherweise wieder um auf die konventionelle Landwirtschaft", befürchtet Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg, der Dachorganisation der Biobauern. Dabei hält die Nachfrage an Bioprodukten aus Brandenburg an: "Unsere Kunden bevorzugen Waren aus dem Umland, auch wenn sie teurer sind", erzählt Manuel Pundt von der Bio Company.
Im letzten Jahr stieg der Absatz an regionalen Produkten bei der Supermarktkette um fast ein Viertel an. Den Bedarf können Brandenburger Gärtner und Landwirte derzeit nicht befriedigen. Zudem fehlt es am verarbeitenden Gewerbe. Lediglich die Brandenburger Milchproduktion schafft es, den Berliner Markt abzudecken. In Münchehofe startete im Januar eine neue Molkerei. Sie verarbeitet jährlich bis zu 35.000 Liter Milch.
Michael Wimmer sieht Entwicklungspotenzial. Dafür benötige die Branche allerdings weiterhin Fördermittel. Sollten die ausbleiben, wird das natürlich nicht den Appetit der Berliner auf Bioprodukte verderben. Aber wenn der Naturkosthandel Terra die Tomaten nicht aus dem Oderbruch bekommt, dann bezieht er sie aus Frankreich. Für einen Großhändler sei das nicht das Problem, meint Wimmer. Aber der Branche droht damit ein Verlust an Authentizität: "Iss die Lebensmittel, die deine Region hergibt", lautet einer der Grundgedanken im ökologischen Landbau. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kurze Wege zum Verbraucher schonen die Umwelt, und die Ware bleibt frisch.


