Er war unermüdlich am Rühren der Werbetrommel für seine neue Idee, deutschlandweit Großküchen und Kantinen mit Bio-Essen aus Kassel zu beliefern. Noch auf der BioFach informierte er darüber das Fachpublikum, und in der Presse und Fernsehen war er als Spitzenkoch sowieso öfters zu sehen. Die Rede ist von Harald Hoppe, Deutschlands größtem und bekanntesten Bio-Caterer. Am Ende hat es offensichtlich doch nicht für die Bio-Catering Marbachshöhe GmbH gereicht, die Expansion ging nicht schnell genug, um mit den gestiegenen Kosten durch die neue Produktionshalle mithalten zu können.
Im Dezember 2007 hatte der Bio-Caterer eine neue Bio-Systemküche eingerichtet, die für bis zu 100.000 Essen oder 50 t täglich ausgelegt ist. Allerdings werden derzeit erst rund 10.000 Essen pro Tag ausgeliefert, was schon eine große Leistung darstellt. Vergangenen Freitag, den 16.04.2010 wurde bekannt: die Bio-Catering Marbachshöhe GmbH aus Kassel ist zahlungsunfähig. Wie die vorläufige Insolvenzverwalterin Sandra Mitter von der Kanzlei Leonhardt Westhelle & Partner am Freitag in Kassel der Tageszeitung FAZ mitteilte, meldete das Unternehmen bereits am vergangenen Dienstag Insolvenz beim Kasseler Amtsgericht an.
Der Bio-Spitzenkoch Hoppe beliefert seit 2001 Schulen in Kassel und ist einer der Pioniere vollwertiger Ernährung in Schulen. In Kassel-Wilhelmshöhe wird zudem ein Bio-Restaurant betrieben. 2008 begann das Unternehmen, das inzwischen zwecks Betriebserweiterung in eine Halle nach Kassel-Waldau übergesiedelt war, mit der bundesweiten Belieferung von Schulkantinen sowie den ersten Businesskantinen. Mehrfach wurde das Unternehmen als "Caterer des Jahres" ausgezeichnet.
Die Firma beschäftigt 65 Mitarbeiter und beliefert unter der Marke "biond" bundesweit rund 40 Schulen, Kindertagesstätten, Betriebe und Großhändler. Der Geschäftsführer der Bio-Catering Marbachshöhe, Dr. Harald Hoppe, beantragte Insolvenz, weil fällige Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden konnten. Zugesagte Finanzmittel einer Investorin waren entfallen, heißt es in dem FAZ-Bericht. Mitter versicherte jedoch, dass alle Kunden auch weiterhin mit vollwertigen Mahlzeiten beliefert würden. "Kein Schüler und keine Schülerin wird einen Unterschied beim Essen schmecken oder einen Unterschied bei Qualität und Service finden", sagte die Insolvenzverwalterin. "Wir werden in den nächsten Wochen daran arbeiten, das Unternehmen zu sanieren und einen Investor zu finden".
Erst im Dezember 2007 hatte das Unternehmen eine neue Bio-Systemküche eingerichtet, die für bis zu 100.000 Essen täglich ausgelegt ist. Dort werden Speisen ohne Zusatzstoffe und ohne Tiefkühlung haltbar gemacht.Die Bio-Catering Marbachshöhe ist nach den Angaben die einzige deutsche Großküche, die nach der EU-Öko-Verordnung zertifiziert ist und auch die strengen Anforderungen von Demeter und Bioland erfüllt. Das 2002 gegründete Unternehmen entwickelte sich aus einem ökologischen Wochenmarkt.
Kern der Geschäftsidee von Harald Hoppe ist das flexible Free Flow-System im Angebot in den Betriebsrestaurants und Kantinen sowie im Cook-and-Chill-Verfahren in der Herstellung des Essens. Das täglich wechselnde Menu mit bis zu sechs Themeninseln sieht eine Salatbar, teils aus regionalen Zutaten, vor, eine Nudelbar, eine Pizza- und Snackstation, eine Wok-Theke mit Live-Kochen, eine Dessert-Theke sowie einen Tisch mit Getränken und ggfs. einen Schulwasserbrunnen. Während der größte Teil des Essens im Betrieb in Kassel-Waldau produziert wird, kommt der Salat aus einer Küche vor Ort. Zusammen mit den Küchen vor Ort (bei den Kantinen und Restaurants) beschäftigte Biond bis zu 150 Mitarbeiter. In der weitläufigen Produktionsstätte verfügt man über 2500 m² Betriebsfläche sowie über die neuesten Maschinen und Geräte.
"Viele Schulen vor Ort wollen alles in eine Hand geben", so die Erfahrung Hoppes. Dies zwinge ihn auch Mitarbeiter von Küchen vor Ort zu übernehmen oder anzustellen. Die größte Schule, die bewirtschaftet wird, liegt in Tübingen mit 3500 Schülern. Dort entscheiden sich täglich rund 800 Schüler für das Bio-Essen im Free Flow-System. Alle ein bis zwei Monate gibt es eine Aktionswoche mit speziellen Essensangeboten (z.B. amerikanische oder chinesische Woche), die mit Postern beworben wird.
Biond produziert so schonend wie möglich und kühlt nach dem Herstellungsprozess die Lebensmittel sofort mit zerstoßenem Eis auf wenige Grad über Null. Pizza beispielsweise wird in Schutzatmosphäre (ein Gemisch aus CO2 und Stickstoff) in Folie für einige Zeit haltbar gemacht. Suppen und Saucen werden in einen Endlosschlauch aus Kunststoff gefüllt. Alle paar Sekunden zwackt die Maschine ein Gebinde von 2 kg ab. "Bei 3°C sind diese Produkte 2-6 Wochen haltbar", so Hoppe zu den vakuumierten Packungen in Wurstform. Selbst empfindliche Lebensmittel wie Nudeln werden ebenfalls bereits gekocht und in Schläuche gefüllt. "Innerhalb von acht Minuten können 100 Portionen regeneriert werden", erklärt der Bio-Spitzenkoch, der von dieser neuen Technologie des Cook-and-Chill ganz begeistert ist. Durch die effiziente Produktionsstruktur können kostengünstige Bio-Mahlzeiten hergestellt werden, die den Tischgast nicht mehr als 2,50 bis 5 Euro kosten
Der Transportaspekt würde bei der CO2-Bilanz nur eine untergeordnete Rolle spielen. Per Kühlstückgut wird das Bio-Essen aus Kassel in die ganze Republik verschickt. "Lediglich 2-4 % der Gesamtbilanz entfallen beispielsweise auf den Transport unserer Bio-Menüs von Kassel nach Tübingen", so Hoppe. Dies habe eine Klimagas-Analyse im Auftrag von Biond ergeben.
Vor kurzem sah die Zukunft für ihn sehr rosig aus. 60 neue Schulen seien als Abnehmer in den letzten Monaten geworben worden, mit 30 weiteren rechnete der Experte, der früher beim Demeterbund in Stuttgart gearbeitet hat, in diesem Jahr. Nun werden neue Investoren gesucht, um das Überleben des Unternehmens zu sichern.


