Alexander Sommerfeldt hat sich mit seiner Firma auf Kochkurse für Kinder spezialisiert.
Gar nicht leicht, die Kochmütze über die mit Glitzerspangen fixierte Zopffrisur zu ziehen. Und das ist nur die erste Herausforderung, vor der die neun Mädchen zwischen acht und zehn Jahren stehen. Sie sollen zusammen ein Drei-Gänge-Menü kochen, das sich das Geburtstagskind Ninette Grimmer ausgesucht hat: Frühlingsgemüsesuppe, Lasagne und Griesflammerie. Das scheinbar Einfache ist, wie so oft, das Schwierigste: der Nudelteig. 100 Gramm Mehl und ein Ei verwandeln sich unter den Händen der Mädchen in neun erstaunlich unterschiedliche Gebilde. Laura steht vor einem Haufen trockener Brösel, während Henrike mit den klebrigen Fäden zwischen den Finger kämpft.
Eine sinnliche Erfahrung, ganz nach dem Geschmack des 36 Jahre alten Kochschul-Leiters Alexander Sommerfeldt. Die Kinder sollen mit den Zutaten in Berührung kommen. Alles ist Bio. Fertigbrühe ist tabu, genauso wie die Benutzung eines Mixers oder gekauften Lasagneplatten. Der Koch hat Kinder erlebt, die vor Ekel schaudern, als sie zum ersten Mal den glitschigen Inhalt eines Hühnereis sahen. Valeska Russo, die den Kurs leitet, hilft, mal mit Wasser, mal mit ein bisschen Mehl, den Teigklumpen eine einigermaßen einheitliche Konsistenz zu verleihen. Danach sollen die Mädchen jeweils zu dritt einen Gang zubereiten. Es wird laut. Jede will den Nachtisch machen, keine die Gemüsesuppe.
Valeska Russo ordnet die Grüppchen, verteilt Rezepte, und dann wird es ruhig. Audrey schneidet Karotten und Zwiebeln in millimeterkleine Würfel. Ninette muss aufpassen, dass sie sich nicht an der Zitronenreibe verletzt. Auf die Idee, gefährliche Aufgaben selbst zu übernehmen, kommt weder die Kursleiterin noch der Kochschul-Besitzer. Die Messer sind zwar abgerundet, aber scharf. Auch sonst ist die Kinderküche im Camara Bistro kaum von einer professionellen Gastroküche zu unterscheiden: Die Arbeitsplatte ist aus poliertem Stahl, gekocht wird auf Gas- oder Induktionsplatten, und beim Abspülen dürfen die Mädchen mit einer Art Brausekopf hantieren, der hoch über ihren Köpfen hängt.
"Wie schneidet man eine Paprika?" fragt Celine. Der grüne Stil muss raus, das ist ihr klar, aber wo setzt man das Messer an? "Überleg' mal selbst", ermuntert Valeska Russo sie. Es gehört zum Prinzip des "Kochabenteuers", dass die großen Köche nur im Notfall helfen. Ein solcher Notfall bahnt sich gerade bei der Nachspeisengruppe an. Katja hat die Aufgabe übernommen, Eiweiß mit einem Rührbesen zu Schaum zu schlagen. Jetzt kann sie nicht mehr, der Arm schmerzt, und im Eiweiß sind erst ein paar kleine Blasen zu sehen. Sommerfeldt nimmt ihr die Schüssel aus der Hand und lässt den Schneebesen mit lockerem Schwung tanzen. Nebenbei erklärt er, warum das klare Eiweiß zu weißem Schaum wird - wegen der Luftblasen.
Babette Grimmer aus Weißensee, die Mutter des Geburtstagskindes, ist zufrieden mit ihrer Kochkurs-Wahl. Sie staunt, was ihre Tochter und deren Freundinnen alles selbst können, wenn man sie lässt: "Zuhause hab ich nicht die Geduld und die Zeit, Ninette kochen zu lassen. Da mache ich es lieber selbst." 200 Euro kostet der Kochkurs pauschal für acht Kinder. So viel hätte sie auch ausgegeben, wenn sie mit den Kindern ins Kino oder zu McDonald's gegangen wäre, sagt die Mutter. Und hier sind dreieinhalb Stunden Kinderbespaßung und ein Drei-Gänge-Menü inklusive.
Alexander Sommerfeldt gibt seit 2004 Kochkurse für Kinder. Manchmal unterrichtet er an Schulen, aber meistens wird er für Geburtstage engagiert. Die Mütter in Prenzlauer Berg geben seine Nummer auf dem Spielplatz weiter. Vielleicht auch, weil sie es nett finden, dass sich ein Mann für Kochen und Kinder interessiert, meint der Koch. Das Programm richtet sich ganz nach den Kundenwünschen. Es kann ein Pipi Langstrumpf-Kochkurs sein oder eine Einführung ins Sushirollen.
Die Nachfrage nach Kinderkochkursen ist auch bei anderen Anbietern hoch. Etwa beim Kochatelier in Mitte oder beim Lichterfelder Feinkostmarkt Biolüske. Es gebe immer mal wieder Versuche, Kinderkochschulen zu eröffnen, sagt Sommerfeldt, aber die meisten gäben nach kurzer Zeit wieder auf: "Zu wenig Geld und zu viele Nerven." Was ihn trotzdem bei der Sache hält, sieht man kurz darauf. Die Nachspeise ist fertig, die Lasagne bräunt im Ofen, die Mädchen sitzen am Tisch. Jede hat einen Teller mit Gemüsesuppe vor sich stehen. Laura holt sich Nachschlag. Die Hannah-Montana-Tüten voller Schokoriegel, die Ninettes Mutter als Gastgeschenke auf dem Tisch verteilt hat, würdigt sie keines Blickes.


