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13.08.2010 - Die netten Investoren (Märkische Allgemeine)

Ein Boden-Fonds kauft Land auf ? und die Bauern sind glücklich.

Ökologischer Landbau und Investmentfonds. Klingt nach einem krassen Gegensatz. In Brandenburg sind die beiden eine Liebesheirat eingegangen. Und es waren sogar die Ökobauern, die um den Partner warben. Auf ihr Bestreben hin hat die GLS Bank aus Bochum (Nordrhein-Westfalen) über ihren Bio-Bodenfonds rund 2.500 Hektar Land im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in der Uckermark gekauft. Die Bank verpachtet den Boden an Öko-Landwirte in der Uckermark.

Landwirte wie Stefan Palme, der bei Angermünde das Gut Wilmersdorf führt. Rund 1.000 Hektar Land bewirtschaftet sein Ökobetrieb. Etwa 200 Hektar davon gehören dem Bio-Bodenfonds, an den Palme seine Pacht zahlen muss. Das macht er gern. Dieser Fonds gebe seinem Betrieb "Sicherheit", sagt Palme, und sei für ihn finanziell von Vorteil. Schließlich hat der Bio-Bodenfonds ihn davor bewahrt, Agrarflächen für teures Geld kaufen zu müssen.

Ein Großteil der Fonds-Flächen sind Äcker, die zuvor von der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) an die Landwirte verpachtet wurden. Laufen diese Verträge aus, können die Flächen zum Kauf ausgeschrieben werden. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre seien die Bodenpreise in der Region allerdings auf etwa das Vierfache gestiegen, so Palme. Für viele Ökobauern ist das kaum zu stemmen. Palme: "Die Pacht zu bezahlen, ist schon schwer genug."

Aus Sorge um den Fortbestand ihrer Betriebe wandte sich ein Dutzend Ökohöfe an die GLS Bank. Die "Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken" (GLS) hat sich auf die Finanzierung von ökologischen, sozialen und kulturellen Projekten spezialisiert. "Die Leute dort spekulieren nicht", betont Palme. Landwirte und Bank entwickelten die Idee des Bio-Bodenfonds: Der kauft Agrarflächen auf, verkauft Anteilsscheine an Investoren und verpachtet die Flächen an Ökobauern. Deren Pacht wird als Zins an die Investoren ausgereicht. 2,5 Prozent pro Jahr soll es geben. Steigt die Pacht, gibt es eine Gewinnbeteiligung.

Die Flächen wurden 2009 gekauft und das Kapital ist nach Angaben der GLS Bank inzwischen komplett eingeworben worden. Die Anleger für den Bio-Boden Schorfheide "kommen aus ganz Deutschland", erklärt GLS-Sprecher Christof Lützel. Es gebe viele Anleger, die etwas Gutes tun wollen, betont er. Er sieht den Bio-Bodenfonds als ein Gegenstück zum aktuellen Trend des massiven Flächenkaufs durch große Investoren. "Damit kann man schön spekulieren", sagt er. Das aber sei nicht das Ziel der GLS Bank. Sie will "Flächen von der Spekulation wegkaufen" und den Öko-Landbau sichern. Bauer Palme hat einen Pachtvertrag über 18 Jahre und die Option, den Vertrag auf 30 Jahre zu verlängern.

Um den Kaufpreis für die gut 2500 Hektar zu ermitteln, habe man sich am Ergebnis von Flächenausschreibungen in der Region orientiert und die "natürlichen Verhältnisse" ? also die Qualität der Böden ? berücksichtigt, so BVVG-Sprecherin Constanze Fiedler. Dabei habe es "erstmalig eine Test-Ausschreibung für ökologisch zu bewirtschaftende Flächen" gegeben, um Preise festzustellen, sagt Lützel von der GLS Bank.

Gut 1.000 Hektar der Fonds-Flächen waren laut Fiedler Flächen des nationalen Naturerbes, auf die das Land Brandenburg zugunsten des Projektes verzichtet hat. Dazu habe man sich unter der Bedingung entschlossen, dass die BVVG eine Möglichkeit findet, den Ökolandwirten die Flächen langfristig zur Verfügung zu stellen, heißt es dazu aus dem Umweltministerium. Lothar Wiegand vom Agrarministerium erklärt, dass die Flächenübertragung sinnvoll sei, da so der Ökolandbau unterstützt werde.

"Hier ist ein Projekt mit öffentlichem Nutzen privat finanziert worden", sagt Ökobauer Palme. Das halte er für nachahmenswert. Der Bio-Bodenfonds der GLS Bank will weitere Flächen erwerben ? auch in anderen Regionen Deutschlands ? und Anlegern neue Angebote unterbreiten.