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18.01.2011 - Die Sicherheit ist relativ (Märkische Allgemeine)

Die "Denkanstöße", mit denen Evelyne Krause-Schulze von der Rathenower "Bio-Insel" sonst neue Kunden an ihre Produkte heranzuführen versucht, kann sie sich derzeit sparen. Die Leute kommen von alleine – dem Dioxin-Skandal sei Dank.

Um 50 Prozent sei die Nachfrage nach Bio-Eiern seit Weihnachten gestiegen, sagt die Händlerin. Neben den Stammkunden, die regelmäßig vorbeischauen, kämen zunehmend auch neue Kunden – wie nach jedem Lebensmittelskandal. "Nicht alle bleiben", sagt sie, "aber es werden mehr."

Rund 1.000 Artikel führt der 1995 begründete Laden heute, im vergangenen Jahr öffnete eine Zweigstelle in Brandenburg (Havel). Bio liegt im Trend, die sechs verschiedenen Siegel schaffen offenbar Vertrauen, absolute Schadstofffreiheit garantieren aber auch diese Produkte nicht. "Es gibt eine relative Sicherheit", sagt die Ernährungsberaterin Heidrun Franke von der Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB). "Auch der Bio-Bereich hat seine Skandale und Skandälchen."

Allerdings unterlägen die Betriebe stärkeren Kontrollen als konventionell geführte, neben den staatlichen gebe es beispielsweise Bio-Eigenkontrollen und unter Umständen sogar noch solche durch den Anbauverband. Trotzdem: Erst im vergangenen Jahr waren es Bio-Eier, in denen eine Belastung durch Dioxin festgestellt worden war. Mancher Verbraucher misstraut deshalb jedem noch so strengen Siegel – zugunsten eines Bauern aus der Region.

Waltraud Richter vom Nennhausener Bauernhof und "Hofladen zum Storchennest" jedenfalls kann sich über mangelndes Interesse nicht beklagen, auch wenn der Betrieb kein Bio-Hof ist. "Wenn wir genug Hennen hätten, könnten wir pro Woche 500 Eier verkaufen", sagt sie, ihre Kapazitäten seien allerdings bei den üblichen 80 für die Stammkundschaft ausgeschöpft. Auch die Anfragen wegen Frischfleischs häuften sich. Und: "Viele rufen an und fragen, was wir an die Tiere füttern."

Verbraucherschützerin Heidrun Franke hält das für einen Schritt in die richtige Richtung: Wegen mangelnder Transparenz müsse man eben selber am Ort prüfen, wie ein Betrieb arbeitet. Allen, denen diese Möglichkeit fehlt, rät sie zu Abwechslung: "Probieren Sie öfter neue Produkte aus, andere Produzenten." So ließe sich das Risiko, durch belastete Lebensmittel geschädigt zu werden, in jedem Falle minimieren.