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07.12.2011 - Doch kein Bio (Berliner Zeitung)

Bio-Lebensmittel sind hip und lassen sich besser, vor allem aber teurer verkaufen. Das dachte sich auch eine Fälscherbande und deklarierte sage und schreibe 700.000 Tonnen handelsübliche Produkte als "biologisch".

Die Polizei in der norditalienischen Stadt Verona teilte am Dienstag mit, sie habe sieben Verdächtige in mehreren Städten verhaftet, darunter die Chefs von Lebensmittelfirmen. Außerdem seien 2500 Tonnen gefälschte Produkte - darunter Mehl, Soja und Trockenfrüchte - beschlagnahmt worden. Die Bande soll über mehrere Jahre mehr als 700.000 Tonnen angebliche Bio-Produkte im Wert von insgesamt 220 Millionen Euro in mehrere europäische Länder verkauft haben, darunter Deutschland.

Produkte auch in deutschen Läden
Die Grundbestandteile der Lebensmittel wurden den Angaben zufolge über Tarnfirmen in Rumänien und Italien gekauft. Die Produkte seien dann aufgrund von gefälschter Dokumentation als "biologisch" deklariert und zu deutlich erhöhten Preisen über ein Großhändlernetz in Italien, Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Frankreich, Belgien, Ungarn, Österreich und der Schweiz verkauft worden.

Unter den Festgenommenen sind den Angaben zufolge auch die Chefs der Lebensmittelkonzerne Sunny Land, Sona und Bioecoitalia sowie der Direktor der Zertifizierungsstelle der italienischen Region Marken. Die Polizei hatte bei rund 30 Firmen ermittelt. Italien ist in Europa das Land mit der größten Anzahl zertifizierter Bioproduzenten. Der Bio-Sektor ist ein Wachstumsmarkt in Europa, und allein in Italien hat sich der Umsatz mit den ökologisch hergestellten Produkten in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht.

Mangelnde Qualität
Die Kontrolle fand im Rahmen einer europaweit koordinierten Razzien. In zehn Ländern sind nach Angaben von Europol in den vergangenen Tagen hunderte Tonnen gefälschter oder qualitativ unzureichender Lebensmittel beschlagnahmt worden. Wie die europäische Polizeibehörde am Dienstag mitteilte, liefen die Durchsuchungen vom 28. November bis zum 4. Dezember in Häfen, auf Flughäfen und in Geschäften unter anderem in Frankreich, Italien, Dänemark und der Türkei. Deutschland war demnach nicht betroffen.

Laut Europol wurden mehr als 13.000 Flaschen Olivenöl, 12.000 Weinflaschen, 30 Tonnen Tomatensauce, fünf Tonnen Fisch und Meeresfrüchte und 77 Tonnen Käse beschlagnahmt. Auch Tee und Champagner waren betroffen. Die Lebensmittel entsprachen Europol zufolge nicht den vorgeschriebenen Qualitätskriterien. Zudem wurde etwa gefälschter Kaviar entdeckt. Wer die Speisen und Getränke zu sich nehme, gefährde seine Gesundheit, erklärte Europol. Im Zusammenhang mit den Razzien gab es zudem "mehrere Festnahmen", und weitere dürften folgen, erklärte die Behörde.