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07.06.2011 - EHEC: Brandenburger Gemüsebauern vernichten Ernten (Märkische Oderzeitung)

Der Öko-Landbau, der in den vergangenen Jahren hohe Wachstumsraten verzeichnen konnte, wird von der EHEC-Krise hart getroffen. Aber auch konventionelle Gemüsebauern registrieren dramatische Umsatzrückgänge.

"Diese Tage sind emotional und finanziell ein Desaster", bringt es Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Öko-Landbau, auf den Punkt. Die Handelsumsätze von Gurken, Salaten und Tomaten seien um 70 bis 
80 Prozent eingebrochen, Bauern müssten Ernten unterpflügen. Während sich die Einbußen bei Direktlieferungen an Haushalte in Grenzen hielten, würde der Großhandel momentan kaum noch frisches Gemüse aufkaufen. "Dabei haben wir hier überschaubare regionale Strukturen, der Verbraucher könnte sich sicher fühlen." Die Bio-Branche erzielt in Berlin und Brandenburg einen Umsatz von 150 Millionen Euro.

Existenzen seien nach derzeitigem Stand zwar nicht bedroht, sagt Sascha Philipp, agrarpolitischer Sprecher des Arbeitskreises Ökologischer Landbau in Brandenburg. Allerdings treffe die Krise viele Betriebe empfindlich. "Es wundert mich, dass viele Menschen selbst in die heimische Produktion kein Vertrauen mehr haben", sagt der Landwirt. Die Bio-Produzenten fühlen sich zu Unrecht in den Skandal hineingezogen. Dabei führten die Spuren des EHEC-Erregers bislang in andere Regionen. Die Äußerungen der politisch Verantwortlichen bezeichnet Philipp daher als "äußerst unglücklich".

Frisches Gemüse sei derzeit kaum gefragt, bestätigt Eva Guzmann, Chefin der Bio-Firma Apfeltraum in Müncheberg (Märkisch-Oderland), die 500 Kunden mit sogenannten Abo-Kisten beliefert. Eine derartige Verunsicherung der Verbraucher habe sie bislang noch nicht erlebt. Dabei würden die Produkte ständig beprobt, zudem gebe es keine Zweifel über die Herkunft. "Jetzt erzielen viele Gemüsebauern ihre Hauptumsätze. Wenn die wegbrechen, kann das für Betriebe das Aus bedeuten." Ein Sprecher der Bio Company-Kette, mit 20 Filialen in der Hauptstadtregion vertreten, berichtet derweil von einer deutlichen Zurückhaltung vieler Kunden beim Gemüse-Kauf.

Die Branche hofft daher, dass die Quelle der Erkrankungen gefunden wird und somit die Verunsicherung der Verbraucher nachlässt. "Wir sind sehr daran interessiert, dass die Ursache endlich gefunden wird", sagt Ludolf von Maltzan, Geschäftsführer der Brodowin Ökodorf GmbH & Co. Vertriebs KG im Barnim. Er glaubt, dass die EHEC-Krise zu mehr Hygienekontrollen führen wird. "Da lässt sich noch einiges im Sinne des Verbrauchers verbessern", so Maltzan.

Dramatische Umsatzrückgänge verzeichnet auch der Gartenbauverband Brandenburg, in dem 
290 konventionell arbeitende Unternehmen organisiert sind. Manche Betriebe würden nur noch zehn Prozent der üblichen Umsätze erzielen, sagt der Verbandspräsident Jörg Kirstein. "Die Situation ist schlimm, und wir wissen noch nicht einmal, wie lange sie anhält." Es gebe Familienbetriebe, die vor einem finanziellen Scherbenhaufen stünden. Den bisherigen Schaden schätzt er auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Zuvor beklagten märkische Obstbauern Verluste durch Frostschäden von 14 Millionen Euro.

Bernd Raeuber, Geschäftsführer der Havelia Obst und Gemüse GmbH, eines der größten Tomaten-Produzenten in Brandenburg, so in Eiche (Barnim) und Wollup (Märkisch-Oderland), musste gestern 250 Tonnen auf den Müll kippen – im Wert von 375.000 Euro. Dabei reifen die Tomaten, die unter dem Label "Werder Frucht" vertrieben werden, in Gewächshäusern auf Steinwollmatten und würden niemals mit Mist und Gülle in Berührung kommen. Die Hygienestandards seien hoch. Raeuber ärgert sich über die Informationspolitik der Behörden. Diese sei "nicht nur unfair, sondern ruinös".

Im Potsdamer Agrarministerium sieht man noch keine Möglichkeit, eigene finanzielle Hilfen zu stemmen. Man müsse abwarten, welche Entschädigungen aus Brüssel nach Brandenburg fließen, sagte ein Sprecher. Gestern sagte die EU eine Notfallhilfe von bis zu 150 Millionen Euro für Europas Gemüsebauern zu.