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08.02.2018 - "Eierfabrik" stößt weiter auf Widerstand (Märkische Oderzeitung)

Die Bürgerinitiative "Contra Eierfabrik" lässt keinen Zweifel daran, dass die geplanten Legehennenanlagen mit 42.­000 Tieren in Zehlendorf eine Massentierhaltung ist, die mit Bio nichts zu tun hat. Investor Josef Vortallen sieht das völlig anders. Tierwohl habe nichts mit Stallgröße zu tun, betont er.

Vortallen hält trotz des massiven Widerstands in der Region an seinen Plänen fest, wie er der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) erst dieser Tage versicherte. Was der Emsländer Landwirt, der in Haren 250 Hektar Land bewirtschaftet, 47.000 Hähnchen mästet und 30.000 Legehennen hält, in Zehlendorf vorhat, lässt sich den Antragsunterlagen für das Genehmigungsverfahren entnehmen. Sie liegen noch bis zum 23. Februar öffentlich zur Einsichtnahme aus, unter anderem im Foyer des Stadtplanungsamtes Oranienburg.

Eigentümer des 8,4 Hektar großen Grundstücks nordwestlich der Zehlendorfer Bauernsiedlung sind Josef und Marianne Vortallen, die für die Zehlendorfer Bio Ei GbR den Bau eines  Stalles für 21.­000 Legehennen beantragen. Die sollen in dem 110 Meter langen und 44 Meter breiten Stall mit Etagensystem in acht Abteilen mit jeweils 2­.625 Plätzen untergebracht werden. An beiden Stalllängsseiten befinden sich Kaltscharräume, die durch Klappen den Zugang zu einem fünf Meter breiten Scharraum und den Auslauf auf die Freiflächen ermöglichen. Pro Tier stehen vier Quadratmeter Auslauf auf begrünten und mit Schutzvorrichtungen versehenen Freiflächen zur Verfügung, heißt es in den Unterlagen.

Eine Eierpackhalle ist vor dem Stall angeordnet, aus der täglich 18.000 Eier auf kurzem Weg zu Berliner Verbrauchern befördert werden sollen. Zwei Futtersilos mit jeweils 25 Kubikmeter Fassungsvermögen, zwei abflusslose Sammelgruben und ein Gastank mit 6­.400 Litern stehen vor dem Gebäude. Dort befindet sich auch ein Kadavercontainer. Über belüftete Bänder wird der Kot der Tiere in einer geschlossenen Halle auf einen Anhänger gekippt. Der ist nach zwei bis drei Wochen voll, wird dann abgeholt und durch einen neuen Hänger ersetzt, heißt es. Mit 504 Tonnen Hühnerkot im Jahr wird in der Anlage gerechnet.

Ein zweiter Stall mit nochmals 21.­000 Tieren und der identischen Infrastruktur soll neben dem beschriebenen Gebäude entstehen. Antragsteller dafür ist der Vortallen Legehennenbetrieb, vertreten durch Thomas Vortallen, Sohn des Investors. Der sieht seine wirtschaftliche Perspektive als Landwirt in Zehlendorf. Denn im Emsland sei kein Platz mehr für solche Anlagen. Schon jetzt gibt es allein in diesem Landkreis an der holländischen Grenze 35 Millionen Stallplätze für Legehennen und Masthähnchen  – fast so viele wie in allen neuen Bundesländer zusammen, so die NOZ.

Außerdem, so sagt Josef Vortallen, müssten die Eier dort produziert werden, wo die größte Nachfrage bestehe, also vor den Toren Berlins. Vortallen sieht sich als landwirtschaftlicher Betrieb. Die Stadt Oranienburg stellt genau dieses Privileg in Frage, befürchtet schädliche Umweltauswirkungen und sieht die verkehrliche Erschließung als unzureichend an. Sie hat deshalb ihr kommunales Einvernehmen zu der Millionen-Investition verweigert.

Die BI begrüßt die Haltung der Stadt und fordert die Bürger auf, Einwendungen gegen die "Eierfabrik", wie sie die Anlage nennt, beim Landesumweltamt einzureichen. Das ist bis zum 23. März möglich.