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28.08.2009 - Ein Herz für Linda (Berliner Zeitung)

Deutsche Landwirte hoffen auf die Neuzulassung einer alten Kartoffelsorte.

Sie ist gelb, prall und unglaublich beliebt, doch im Moment nur schwer erhältlich. Dabei schätzen sie viele Freunde der guten Küche: Es geht um die Kartoffelsorte Linda. Agrarindustrielle Interessen haben ihr bisheriges Dasein bestimmt. Die Geschichte Lindas klingt ein bisschen wie ein Verschwörungskrimi. Der Bösewicht: der Lüneburger Saatgutkonzern Europlant.

2005 zog der Patentinhaber von Linda die Anbaugenehmigung für die Sorte zurück. Angeblich sei die Sorte "besonders anfällig für Fäule". Neuzüchtungen sollten die für ihr Butteraroma geschätzte Gourmetknolle ersetzen. "Alles nur wegen des Geldes", vermutet der Biolandwirt Karsten Ellenberg. Denn nach 30 Jahren Sortenschutzzeit waren die Exklusivrechte für Linda abgelaufen; Europlant hätte demnach keine Lizenzgebühren von Anbauern mehr erhalten und weniger an Linda verdient.

Warum sollte das Monopol eines Konzerns den Geschmack der Verbraucher diktieren, argumentierte Ellenberg damals. Er begann für Linda zu kämpfen: Unterstützt von Verbraucherzentrale und Bauernverbänden gründete der Niedersachse den Linda-Freundeskreis, sammelte tausende Unterschriften, zog bis vor das Schiedsgericht für Saatgut-Streitigkeiten. Zunächst mit kurzzeitigem Erfolg: Europlant gewährte Gnadenfrist. Erst 2007, ausgerechnet als Linda zur "Kartoffel des Jahres" gekürt wurde, rutschte sie wirklich von der Bundessortenliste.

Doch ihre Freunde gaben nicht auf. Und nun steht Lindas Comeback vor der Tür: Der erste von drei Anträgen auf Wiederzulassung, die Ellenberg vor drei Jahren in Großbritannien, Tschechien und Deutschland eingereicht hatte, wurde genehmigt. "Das Vereinigte Königreich hat Linda gerettet", freute sich gestern der 46-Jährige.

Zwar steht der Abschluss des Prüfverfahrens hierzulande noch aus. Die Entscheidung des britischen Sortenamts hat aber schon erste Konsequenzen: "Linda ist jetzt als offizielle EU-Pflanzkartoffel gelistet, also darf sie auch in ganz Europa angebaut und verkauft werden", sagt Karsten Ellenberg. "Und durch den Rechtsstreit ist sie nun auch noch berühmter geworden." Na dann - guten Appetit.