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27.09.2011 - Eingriff mit schweren Folgen (Berliner Zeitung)

Fachleute warnen vor Gefahr durch Gen-Pflanzen

Die Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen in Europa sind nach Ansicht des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft BÖLW nicht mit geltendem Recht vereinbar. Nach einer am Montag veröffentlichten Studie des BÖLW fehle es den Verfahren an Vorgaben, die gesundheitlichen und ökologischen Auswirkung der genmodifizierten Pflanzen langfristig zu überwachen. Die Begutachtung der Organismen durch die europäische Lebensmittelbehörde Efsa setze gentechnisch veränderte und konventionelle Züchtungen gleich. Dies, so BÖLW-Chef Felix zu Löwenstein, unterschlage die von Gen-Pflanzen potenziell ausgehenden Gefahren.

 

Zweifelhafte Tests

Gen-Pflanzen, die so in der Natur niemals vorkommen würden, seien generell anders zu bewerten als durch Züchtung entstandene Pflanzen. Die landwirtschaftliche Gentechnik arbeite mit lebenden, in der Natur vermehrungsfähigen Organismen. "Das ist nicht rückholbar", sagte Löwenstein gestern bei der Gentechnik-Anhörung vor dem Petitionsausschuss des Bundestages. Die Anhörung war rund 100 Organisationen aus Umwelt und Landwirtschaft initiiert worden und verlangt ein Anbau-Verbot für genmodifizierte Pflanzen. Vor allem die Untersuchungen der Risiken für Mensch und Natur seien äußerst dürftig. Keinesfalls dürfe die Bewertungsgrundlage für die Zulassung von Gen-Mais als Nahrungsmittel in einem gerade 90 Tage währenden Fütterungsversuch an Tieren bestehen, kritisierte Löwenstein. Er appellierte zugleich an die Bundesregierung, sich Vorschlägen der EU nicht zu verschließen, die regionale Anbauverbote für Gen-Pflanzen möglich machen will. Dies hat der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser (CDU), abgelehnt. Ihm seien keine Fälle bekannt, in denen es durch Gen-Pflanzen zu Schäden bei Mensch und Umwelt gekommen sei. In der Anhörung wurde er aber von Teilnehmern korrigiert. Selbst sein Ministerium hatte das Anbauverbot für den Gen-Mais Mon 810 mit möglichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt begründet. Die Gentechnik-Expertin des Bundesamtes für Naturschutz, Beatrix Tappeser, wies auf Versuche in Großbritannien mit Raps und Zuckerrüben hin, die einen negativen Einfluss auf Artenvielfalt belegt hätten. Daraufhin habe Großbritannien vom weiteren Anbau dieser Gen-Pflanzen Abstand genommen.

Der Molekularexperte Professor Andrés Carrasco von der Uni Buenos Aires hat vor dem Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen gewarnt. Carrasco sagte am Rande der Anhörung , der mit dem Gen-Soja-Anbau verbundene Einsatz von Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat (Handelsname: Round-up) sei äußerst risikoreich. Bei seinen eigenen Untersuchungen fand Carrasco Fehlbildungen bei Embryonen von Amphibien und Hühnern, denen zehnmal weniger Glyphosat injiziert wurde als in der EU als Rückstand in Soja zugelassen ist. Die Laborergebnisse deckten sich mit Beobachtungen in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten Argentiniens, wo vermehrt Fehlbildungen bei menschlichen Embryonen sowie "spontane" Fehlgeburten bei Frauen aufträten.