Das Europäische Parlament hat gegen die Einführung einer verpflichtenden Nährwertampel gestimmt. Die Lebensmittel-Lobby hat sich ihre Kampagne gegen die Ampel eine Milliarde Euro kosten lassen. Eine Milliarde, die unter anderem aufgewendet wurde, um das von der Industrie entwickelte Kennzeichnungs-Modell "Guideline Daily Amount" (GDA) einzuführen und zu bewerben. Diesem massiven Lobbydruck von Kellogg's, Nestlé und Co haben sich die Parlamentarier nicht widersetzt. Jetzt soll die GDA-Kennzeichnung in ganz Europa Standard werden.
Dass die Ampelkennzeichnung als freiwillige und zusätzliche Darstellung möglich bleiben soll, ist nach Ansicht von foodwatch kein Fortschritt. In dem ursprünglichen Verordnungsentwurf der Europäischen Kommission kam die Lebensmittelampel gar nicht vor. Erst durch das Engagement von foodwatch und durch Unterstützung aus dem Gesundheitssektor wurden die Politiker überhaupt gezwungen, sich mit der Ampel auseinander zu setzen. Dennoch ist man sich bei foodwatch sicher, dass die Politik auf lange Sicht nicht an einer verständlichen, farbigen Nährwertkennzeichnung vorbei kommen wird, wenn sie das Problem des Übergewichts wirksam bekämpfen will. Dafür will sich die Organicsation weiter einsetzen und "den Verbrauchern angesichts der Lobby-Übermacht der Industrie eine Stimme geben."
Zur Abstimmung im Europäischen Parlament und im Ernährungsausschuss des Bundestags über die Lebensmittelinformationsverordnung erklärt Ulrike Höfken, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Sprecherin für Ernährungspolitik:
"Mit ihrer Ablehnung einer verpflichtenden Ampelkennzeichnung für Lebensmittel haben sich die Mehrheit der EU-Abgeordneten und die Koalitionäre von Union und FDP heute vor den Karren der Lebensmittelindustrie spannen lassen und dem Verbraucherschutz einen Bärendienst erwiesen. Den Verbraucherinnen und Verbrauchern wird echte Wahlfreiheit verweigert. Stattdessen drückt man den Konsumenten von der Industrie vorgeschlagene Verwirr-Systeme auf, die Orientierung bewusst erschweren. Damit wurde eine einfache und kostengünstige Chance verpasst, der dramatischen Zunahme ernährungsbedingter Krankheiten und den explodierenden Kosten auf bald 100 Milliarden Euro pro Jahr im Gesundheitswesen entgegen zu wirken."


