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25.10.2017 - EU vertagt Entscheidung zu Glyphosat (zeit.de)

Die Zulassung für das umstrittene Herbizid Glyphosat läuft aus. Ein Treffen des zuständigen EU-Ausschusses führte zu keiner Einigung.

Die EU-Staaten haben keine Entscheidung zur weiteren Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat getroffen. Wie die EU-Kommission mitteilte, fand im zuständigen Fachausschuss der Mitgliedstaaten "keine Abstimmung" zu der Frage statt. Die EU-Behörde kündigte an, in Kürze einen Termin für ein weiteres Treffen bekannt zu geben.

Das sind die Positionen: Weil die Zulassung im Dezember ausläuft, hatte die EU-Kommission ursprünglich empfohlen, diese für zehn Jahre zu verlängern. Dem EU-Parlament ging das zu weit, es forderte maximal fünf Jahre. Als Kompromiss schlug die Kommission vor, die Laufzeit auf fünf bis sieben Jahre zu begrenzen.

In dem zuständigen Ausschuss muss eine qualifizierte Mehrheit einem der Vorschläge zustimmen. Das heißt: EU-Fachausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel sind Experten aller 28 EU-Mitgliedstaaten vertreten. Nötig für einen Beschluss für oder gegen Glyphosat sind mindestens 16 Staaten, die für 65 Prozent der EU-Bevölkerung stehen.

Der Einsatz des Unkrautvernichters ist in Europa umstritten: Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC stuft die Chemikalie als "wahrscheinlich" krebserregend ein, Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU kamen zu einem anderen Schluss.

Glyphosat ist ein sogenanntes Totalherbizid, es wirkt auf alle grünen Pflanzen. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen, das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt. Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst kein Gras mehr, auch kein Kraut, Strauch oder Moos. Ackerflächen können so vor oder kurz nach der Aussaat und nochmals nach der Ernte unkrautfrei gemacht werden.

"Glyphosat ist ein gutes Produkt und sollte in der EU weiterhin zugelassen werden", hatte BASF-Chef Kurt Bock vor der Abstimmung gesagt und damit das Produkt verteidigt. "Die Verteufelung, die in Deutschland passiert, ist abenteuerlich."

Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff wurde 1974 erstmals zugelassen. Im Jahr 2000 lief das Patent aus, seither werden glyphosathaltige Produkte auch von anderen Herstellern angeboten. Verkauft werden jährlich rund 850.000 Tonnen solcher Mittel, in Deutschland sind es etwa 5.000 Tonnen.