Fair gehandelte Produkte wie Schokolade, Tee oder Kaffee, für die die Produzenten in Afrika, Asien oder Lateinamerika mehr Geld als sonst bei den internationalen Konzernen üblich bekommen, gehören zu den Rennern in den Weltläden. An diesem Sonnabend feiern sie den internationalen "Weltladentag" unter dem Motto "Öko und fair ernährt mehr".
Inzwischen bieten auch viele Discounter solche Waren an. Alleine auf den Discounter Lidl entfällt in Deutschland etwa ein Drittel des gesamten Kaffeeumsatzes aus fairem Handel. Anna Habisch vom Weltladen Puerto Alegre in Frankfurt (Oder) sieht das mit gemischten Gefühlen: "Zwar werden so mehr Fairtrade-Produkte verkauft. Im Gegensatz zu Lebensmittelläden verteilen wir aber unseren Gewinn an Projekte in Entwicklungsländern. Außerdem haben die schlechten Arbeitsbedingungen in vielen Discountern nichts mit fairem Handel zu tun."
Der Frankfurter Weltladen ist einer von rund 750 Weltläden in Deutschland – ein typischer, denn dort wird ohne Bezahlung gearbeitet. 15 Frauen sorgen in ihrer Freizeit dafür, dass der Laden wöchentlich 13 Stunden geöffnet ist. Der Umsatz steigt in den letzten Jahren. Gekauft werden jeweils zur Hälfte Kunsthandwerk und Lebensmittel.
In Storkow gibt es seit 1999 einen Weltladen. Die neun Ehrenamtlichen erreichen neben den Stammkunden auch Laufkundschaft, bei der vor allem Kunstgegenstände als Geschenke beliebt sind. Trotz großzügiger Öffnungszeiten (36 Stunden wöchentlich) und passabler Verkaufsfläche (50 Quadratmeter) liegt der Jahresumsatz aber nur bei rund 12.000 Euro. "Seit 2009 ist der Verkauf zurückgegangen, und auch dieses Jahr läuft mau. Die wirtschaftliche Lage im Osten ist eben schwierig", meint Maik Göricke, Vorsitzender des Ladenvereins.
Einen ganz anderen Weg ist Thomas Luther gegangen. Er hat vor zehn Jahren in Strausberg einen 100 Quadratmeter großen Laden eröffnet, in dem nur bezahlte Mitarbeiter beschäftigt sind. Zu 40 Prozent werden Fair-Trade-Produkte verkauft, zu 60 Prozent Bio-Naturkost-Artikel. "Durch diese Kombination ist es möglich, davon zu leben. Dabei verkaufen wir die Weltladen-Waren nicht teurer, sondern zu den üblichen Preisen, wie vom Handel empfohlen", sagt Luther, der von stabilen Umsätzen spricht.
Im deutschen Weltladendachverband mit Sitz in Mainz sind 470 Weltläden zusammengeschlossen. Der Umsatz aller Mitglieder lag im vergangenen Jahr bei 22 Millionen Euro. Geschäftsführer Klaus Wöldecke begrüßt den Trend zur Beschäftigung von bezahlten Kräften – fast jeder zweite Weltladen seines Verbandes bezahlt inzwischen einzelne Mitarbeiter –, sieht dabei aber Grenzen. "Von einem reinen Weltladen zu leben und dabei auf Ehrenamtliche zu verzichten ist nicht möglich."
2010 stieg der Umsatz mit Fair-Trade-Waren in Deutschland um 27 Prozent auf 340 Millionen Euro. Allerdings gibt jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr nur 2,60 Euro für fair gehandelte Produkte aus – wenig im Vergleich zu Österreich (7,80 Euro), Großbritannien (12 Euro) oder der Schweiz (22 Euro).


