Das Jahr 2008 war gut. So gut, dass die Fehrower Agrarbetrieb GmbH die gepachteten Betriebsteile kaufte, 400.000 Euro in Ställe investiert und für 1,8 Millionen Euro eine Biogasanlage baut. Die Fehrower gehören zu den größten Biomilch-Erzeugern der Region, setzen auf lichtdurchlässige Ställe sowie einen Mix aus Holsteinern, schwedischen Rotbunten und Braunvieh aus dem Allgäu. Ihre Milch wird in der Molkerei Münchehofe zu Schnittkäse – und landet auch in den Regalen von Edeka.
Die neuen Ställe sehen auf den ersten Blick aus wie Zelte. Und das ist ihr Vorteil: Sie lassen 80 Prozent des Lichtes durch und sie sind luftig. Auch darin sehen Georg Ludwig (45) und Thomas Miedke (49) einen Grund, dass die Anzahl der Zellen in der Milch extrem niedrig liegt. Bei 120.000 pro Milliliter liegt sie derzeit - "das ist ziemlich spitze", sagt Ludwig. Für Nicht-Landwirte: Der Wert ist wie ein Maßstab für die Gesundheit des Euters. Je niedriger die Zellzahl, desto höher der Wohlfühlfaktor der Kuh und die Qualität der Milch.
Milch ist Schwerstarbeit
"Kühe sind Hochleistungs-Athleten", sagt Ludwig. Und Thomas Miedke beschreibt, was die Tiere das Jahr über außerhalb der sechswöchigen Ruhephase vor der Kalbgeburt täglich leisten: "Für einen Liter Milch müssen 400 Liter Blut durch Herz und Lunge gepumpt werden. Durchschnittlich 25 Liter Milch gibt eine Kuh am Tag und setzt dafür 50 Kilogramm Futter am Tag um." Beim Stoffwechsel entsteht Wärme - auch deshalb seien die offenen Ställe im Winter besser.
Stall, Futter, Licht, wenig Stress - all dies spielt eine Rolle. Bei mehr als 25.000 Zellen würden Abzüge beim Milchpreis drohen. Dort wird mit jedem Cent gerechnet. Etwa fünf bis acht Cent Differenz zur "normalen" Milch macht der Bio-Faktor für den Naturland-Betrieb derzeit aus, bei höheren Kosten. Allerdings schwankte der Preis zwischen 2006 und 2009 allein bis zu zwölf Cent - wobei jeder Cent zu Buche schlägt bei 9.000 bis 14.000 Litern Milch am Tag.
Zehren vom guten Jahr
2008 war ein gutes Jahr: 48 Cent netto brachte der Liter Biomilch. Das war die Grundlage für alles Weitere. Die GmbH kaufte die vorher gepachteten Betriebsstandorte in Briesen und in Fehrow (Spree-Neiße), ein vierter Gesellschafter brachte den Betrieb in Butzen ein, es wurden Flächen in Byhlen (Dahme-Spreewald) gepachtet. Insgesamt werden nun 2.000 Hektar bewirtschaftet. In diesem Jahr werden die Futtervorräte knapp. Um ein Viertel geringer fielen sie durch die Nässe aus. Bis zum Ende der Winterfütterung dürfte es reichen, aber die Milchmenge wird von der Qualität des Futters beeinflusst. Und durch die Tiere.
Kreuzen mit drei Herden
Ludwig und Miedke führen die Zuchtphilosophie des dritten Gesellschafters fort, Fürst Philipp-Reinhard zu Solms. Der Hesse und Bruder des gleichnamigen Politikers hat weltweit einen Namen in der Rinderzucht. 1992 pachtete er die Betriebsteile in Fehrow und Briesen. Die heute 500-köpfige Herde besteht zur Hälfte aus Deutschen Holsteinern und je einem Viertel aus schwedischen Rotbunten und Braunvieh aus dem Allgäu. Der schwedische Einfluss senkt die Totgeburten bei den Holsteiner-Färsen auf unter fünf Prozent statt 15 Prozent, die Allgäuer bringen gute Klauen und Milch-Inhaltsstoffe mit.
Durch beständige Rückzüchtung und Wiedervermischen bleibt der Heterosis-Effekt, die Leistungsfähigkeit der Hybriden, hoch. Sonst würde sie nach der ersten Generation wieder sinken. In dieser Form eine einzigartige Zucht in der Region, schätzen die beiden Cousins, die an der Universität Gießen studierten und deren Väter Betriebsleiter des Fürsten waren. Während Ludwig bereits seit 1995 im Vorspreewald ist, zog Miedke 2007 mit seiner Familie dorthin.
Keinen Lehrling gefunden
Erfahrungen in anderen Betrieben haben beide gemacht, mangelnde Mobilität ist nach ihrer Einschätzung neben fehlenden Grundlagen in Mathematik und Deutsch derzeit das größte Problem bei der Suche nach Lehrlingen. Dieses Jahr haben sie keinen geeigneten gefunden, zuvor zwei übernommen. Landwirtschaft als Lückenfüller funktioniert nicht, sagt Miedke, der ein Versuchsgut der Uni Gießen geleitet und im Tierzuchtamt gearbeitet hat.
Umsatz seit 2007 verdoppelt
Insgesamt hat die GmbH 23 Arbeitskräfte. Der Umsatz betrug 2007 rund drei Millionen Euro. In diesem Jahr dürften es sechs Millionen Euro sein. Dazu trägt der Bau der 360-Kilowatt-Biogasanlage bei, die Ende 2011 produzieren soll - mit Gülle als Grundstoff sowie jeweils einem 20-prozentigen Anteil Gras und Festmist. "Bio-Futter wäre dafür viel zu schade", so Ludwig. Mit der Uni halten sie Kontakt. Ziel: Durch Qualität bei der Käseherstellung zehn Prozent Milch sparen.


