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31.07.2009 - Feinkrümelig mögen´s die Rübchen (Märkische Allgemeine)

In Teltow wird einer viel gerühmten Spezialität der Boden bereitet

Mit zehn PS zieht Axel Szilleweits Kleinschlepper TZ-4K-14 gemächlich am Acker entlang. Auf etwa drei Hektar Land bereitet der Teltower Öko-Landwirt derzeit am Schenkendorfer Weg Teltower Rübchen den Boden. Weitere 1,7 Hektar Anbaufläche werden im August folgen. Feinkrümelig liegt das Land hinter dem tschechischen Kleintraktor mit Knicklenkung. Mit der Harke ziehen Angestellte den gefrästen Boden in Handarbeit noch weiter glatt. "Ich versuche möglichst flach zu fräsen", sagt Szilleweit, das ist besser für die Lebendigkeit des Bodens.

Normalerweise werde der Rübchenacker nur mit der Spatenmaschine bearbeitet. Doch die wurde dem Landwirt im Frühjahr samt Schlepper gestohlen. Ersatz ist derzeit nicht in Sicht. Landwirtschaftliche Technik ist preisintensiv, da muss genau kalkuliert werden. Doch jetzt, Ende Juli, dreht sich erst einmal alles ums Rübchen. Saat, Ernte und Erntenacharbeit sind arbeitsintensiv. Wenn Szilleweit in den nächsten Tagen das feine Saatgut, dass er selbst in Handarbeit im Vorjahr gedroschen hat, in die Erde bringt, sollte es windstill und etwas feucht sein. "Dann läuft die Saat bereits nach vier bis sieben Tagen gut auf." Weitere sieben bis neun Wochen braucht es, bevor die Rübchen die richtige Reife haben.

Gegenüber dem Vorjahr wird Szilleweit die Anbaufläche etwas erweitern. Ernte und Absatz waren gut, doch der starke Frost habe einen Teil des Ertrags im Boden erfrieren lassen. Dabei vertragen die anspruchslosen Feldfrüchte bis zu 15 oder 16 Grad Minus. Auf dem nährstoffarmen, lehmigen Sandboden der Region gedeihen die kleinen kegelförmigen Rübchen und entfalten offenbar nur dort ihr besonderes pikantes Aroma, das schon Geheimrat Goethe so gut mundete, dass er die märkische Rübe rühmte und mit der Postkutsche nach Weimar beorderte.

Dabei erreicht der Acker in am Schenkendorfer Weg gerade mal 25 bis 28, eventuell 30 so genannte Bodenpunkte, erklärt Szilleweit. Zum Vergleich: Im Gemüseanbau sind Bodenpunkte um 80 häufig. Klassischer Aussaattermin ist der 17. August, dann wird der Gemüsebauer auch seinen zweiten Acker einsäen: "Je später, je besser", sagt Szilleweit. Denn dann drohe nicht mehr so große Gefahr durch die Kohlfliege, dem gefürchteten Schädling der Rübchenkultur. Doch Szilleweit und seine Mitarbeiter werden schon bald mit feinen Netzen das Land einhüllen und die Kulturen sichern helfen.

Die Gründe für die dennoch frühe Aussaat liege insbesondere auch bei den Abnehmern: In der regionalen Gastronomie warte man gespannt auf die Saison. Dann werden die begehrten runzligen weiß-grauen Früchte in manch Feinschmeckerlokal zu delikaten Gerichten verarbeitet. Mit zwei Tonnen pro Hektar rechnet Szilleweit. Auch anderswo lassen sich Genießer die Teltower Spezialität bald auf der Zunge zergehen. Noch heute werden sie per Post verschickt: Etwa ins "Goethe-Restaurant" nach Herne. Und mit fünf Euro das Kilo ? so der Mittelwert der letzten Jahre ? finden die Rüben auch in der Direktvermarktung viele Abnehmer.

Wird es nach der Ernte ruhiger, neben den legendären Rübchen wirtschaftet der Öko-Landwirt mit Obst, Gemüse, Kräutern und Jungpflanzen, dann soll der Umzug des Betriebes vorangetrieben werden. Die Gewächshäuser kommen an den Rübchenacker, für Werkstatt, Betriebsflächen und Sanitärbereich wurden neue Flächen erworben (MAZ berichtete) und ein Verkaufsstand wird an der Ruhlsdorfer Straße neu entstehen. Bislang allerdings fehlen noch Genehmigungen der Behörden, um die Sache voranzutreiben, sagt Szilleweit.