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16.01.2012 - Freundliche Übernahme bei Schrot&Korn: Mitarbeiter übernehmen den bio verlag (bio verlag)

Dass ein Chef von Bord geht und nach einem Sabbatical noch mal neu anfängt, ist heute nicht mehr ungewöhnlich. Wohl aber, dass er seinen Mitarbeitern die Chance bietet, die Firma komplett zu übernehmen. Und dass die Mitarbeiter auch bereit sind, sich dafür finanziell zu engagieren. So jetzt geschehen im bio verlag, der unter anderem das Naturkostmagazin Schrot&Korn herausgibt.

Seit 12.12.11 ist es amtlich: Die bio verlag ist in Händen der Mitarbeiter. Anlass war das Ausscheiden von Ronald Steinmeyer, Mitgründer, Hauptgesellschafter und Geschäftsführer des bio verlages seit 1979. Er trat zum Ende des Jahres 2011 aus der Firma aus, um noch mal etwas ganz Neues anzufangen. Möglich wurde es auch, weil Ronald Steinmeyer und Sabine Kauffmann, ebenfalls Gründungsgesellschafterin, gemeinsam auf einen erheblichen Teil des erwirtschaftenden Mehrwertes "ihres" Verlages verzichteten. Dies geschah zugunsten einer Stiftungslösung in den Händen der Mitarbeiter. "Uns war wichtig, dass die Mitarbeiter ihre Geschicke selbst steuern können.", berichtet Kauffmann. "Ziel dabei war es, den Verlag zu-kunftssicher aufzustellen und unabhängig zu machen. Von einzelnen Gesellschaftern, aber auch von den Gründern."

Die Vision im echten Leben
Was den Gründern sehr klar war, entwickelte sich in der Umsetzung zu einer komplexen unternehmensrechtlichen Herausforderung. Eigentum, Stimmrecht und Einlage des notwendigen Kapitals mussten zunächst getrennt betrachtet werden. Das Kapital stellen nun alle Mitarbeiter der GmbH als Genussscheine über eine gemeinsame KG zur Verfügung. Die Gesellschaftsanteile wiederum liegen bei der gemeinnützigen Stiftung natur mensch kultur und der neu gegründeten bio verlag Stiftung. Letztere ist vergleichbar mit einer Familienstiftung, nur dass statt der Familie die Mitarbeiter Nutznießer sind. Gleichzeitig hält sie die Mehrheit der Stimmrechte und so können die ins Kuratorium gewählten Mitarbeitervertreter über die Geschäftspolitik ihres Verlags bestimmen. Nach Monate langen Prozessen freuen wir uns nun über dieses schöne Ergebnis.", so Kauffmann.

Mitgestaltung für alle
Gerade durch seinen Ausstieg geht für Ex-Chef Ronald Steinmeyer ein lang gehegter Traum in Erfüllung: "Ein Unternehmen aufzubauen, über das seine Mitarbeiter bestimmen.", wünschte sich der 58-jährige. Mitbestimmen darf nun jeder der 50 Mitarbeiter. Doch kommt es angesichts so vieler Mitgestalter nicht zu schwierigen Entscheidungsprozessen? "Wir haben schon immer die Mitarbeiter intensiv in Entscheidungen eingebunden", sagt dazu Sabine Kauffmann. "Und wir glauben, dass wir nicht trotzdem so weit gekommen sind, sondern genau deshalb.

Wichtige Entscheidungen wurden immer sehr schnell und sehr verantwortungsvoll im langfristigen Interesse des Verlages getroffen.", unterstreicht sie. Und wenn die Geschäftsführerin von den Mitarbeitern sogar mal überstimmt wird? Auch das sieht Kauffmann ganz entspannt. "Sollten die Mitarbeiter in ihrer überwiegenden Mehrheit eine Situation anders einschätzen, als die Geschäftsführung, dann könnten sie ja Recht haben. Das muss man klären und sollte es so sein, eben eine bessere Lösung erarbeiten." Geschäftsführung versteht sie auch als Dienstleistung. Gemeinsam arbeite man nun weiter an dem Ziel "Damit Naturkost alltäglich wird".

Über den bio verlag: Start mit Schrot&Korn
Bekannt ist der bio verlag durch die Kundenzeitschrift Schrot&Korn. Diese wurde erstmals 1985 auf der "Müsli 85", Vorläufer der "BioFach" Messe, mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren dem Publikum vorgestellt. Heute ist Schrot&Korn mit 750.000 verkauften Exemplaren das auflagenstärkste deutsche Magazin für Themen rund um Ökologie und Umwelt. Daneben gibt der Verlag das Fachmagazin "BioHandel" heraus und die Naturkosmetikzeitschrift "Cosmia". Abgerundet werden die Medien durch "naturkost.de", dem führenden deutsche Internetportal für Bio und Naturkost. Dieses zählt 230.000 Besucher pro Monat mit über 800.000 Seitenzugriffen und steht auch für mobile Anwendungen zur Verfügung. Der bio verlag hat heute 50 Mitarbeiter und machte 2011 einen Umsatz von über 7 Millionen Euro.

bio verlag steht für Chancengleichheit
Der bio verlag hat einen hohen Frauenanteil, auch in Führungspositionen. Im Juli 2011 erhielt der Verlag den "SiegerPreis 2011" von der Bayrischen Staatsregierung für die Region Unterfranken. Er wird für gerechte Chancen von Frauen und Männern in der Arbeitswelt verliehen. Ausschlaggebend waren die flexiblen Arbeitszeitmodelle in Form einer individuellen Arbeitszeitgestaltung. Daneben spielten auch individuelle Coachingprogramme, ebenso wie die offene Feedbackkultur im Haus eine Rolle. Seit seiner Gründung gestaltet der Verlag die Arbeitsbedingungen mit den Mitarbeitern gemeinsam. "Wir haben eine lange Tradition, die Mitarbeiter mit einzubinden und am Gewinn mit zu beteiligen. Sie jetzt vollständig teilhaben zu lassen, ist genau das, wovon wir schon bei der Gründung des Verlags geträumt hatten.", erklärt Geschäftsführerin Sabine Kauffmann.

Kontakt
bio verlag gmbH
Imke Sturm - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
63741 Aschaffenburg
Mobil: 0172 – 32 50 222 
E-Mail: imke.sturm[AT]bioverlag.de