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11.01.2011 - Gentechnikfreie Region wächst (Märkische Allgemeine)

Prignitzer Agrarbündnis zählt 75 Betriebe, die eine Fläche von 32.500 Hektar einbringen.

Immer mehr Prignitzer Landwirte lehnen den Einsatz von Gentechnik ab. Dem 2008 gegründeten Agrarbündnis gentechnikfreie Region Prignitz gehören 75 Landwirtschaftsbetriebe an. Vor eineinhalb Jahren, als das Bündnis erstmals an die Öffentlichkeit trat, waren es lediglich 54.

"Die Zahlen zeigen, dass wir beständig wachsen", sagt Reinhard Jung. "Fast alle Landwirte, die wir ansprachen, haben die Erklärung unterzeichnet", sagt der Lennewitzer, der mit Bernd Teickner aus Gumtow, dem Abbendorfer Ulf Oestreicher und Thilo Banitz aus Groß Lüben zu den Initiatoren des Zusammenschlusses gehört. Als einen Grund für den Erfolg nennt Jung den vor allem wirtschaftlich begründeten Verzicht. Die Unterzeichner schließen den Einsatz von Gentechnik nicht nur im Pflanzenanbau, sondern auch in der Tierzucht aus. Patente auf Pflanzen und Tiere würden die unternehmerische Freiheit der Landwirtschaftsbetriebe bedrohen.

Die 75 Betriebe bewirtschaften 32.500 Hektar. Das sind 23 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Kreis. Die Bündnismitglieder würden einen Querschnitt durch die Prignitzer Landwirtschaft darstellen, so Jung. Die Durchschnittsgröße der beteiligtenBetriebe beträgt 430 Hektar. Zu 90 Prozent wirtschaften sie konventionell und zu zehn Prozent ökologisch. "Wer bei uns unterschrieben hat, zeigt Flagge", so Jung. Das sei durchaus nicht jedermanns Sache. Umgekehrt sind dem Lennewitzer keine Prignitzer Landwirte bekannt, die sich in den vergangenen zwei Jahren für Gentechnik ausgesprochen haben.

Die meisten Flächen befinden sich im Raum Bad Wilsnack, Gumtow und Plattenburg. Die Süd-Ost-Fixierung hänge vor allem mit persönlichen Kontakten zusammen, erklärt Jung. Die gentechnikfreie Region Prignitz ist die größte im Land Brandenburg.

Ein Grund für den Erfolg sei, dass die Initiative von Landwirten und nicht von einer Partei oder einem Interessenverband ausging, sagt Bernd Teickner aus Gumtow. Das Thema würde die meisten Landwirte interessieren, aber nicht jeder sei in der Lage, Zeit zu investieren. Teickner ergriff deshalb mit anderen Bauern die Initiative. Nutztiere und -pflanzen müssten weiter den Landwirten und nicht der Industrie gehören. Patente auf Pflanzen seien eine "fatale Sache" für die Bauern, sagt er.

Den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen "können wir nicht empfehlen", sagt Christina Stettin. Als Grund nennt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes die Haftungsfragen. "Am Ende ist der Landwirt derjenige, der die Suppe auslöffeln muss." Das Verfassungsgericht hatte Ende des vergangenen Jahres entschieden, dass Bauern zahlen müssen, wenn gentechnisch verändertes Saatgut von ihren Feldern einen benachbarten Acker verunreinigt.

Die Schaffung einer gentechnikfreien Region in der Prignitz wird vom Kreistag unterstützt. Im Juli des vergangenen Jahres fassten Kreistagsmitglieder einen entsprechenden Beschluss. Sie wendeten sich damit an Land- und Forstwirte sowie an die Gärtner und Verpächter von land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Diese sollten weiterhin auf den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen verzichten. (Von Axel Knopf)

125.000 Hektar landesweit:
Sieben gentechnikfreie Regionen mit 125.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche gibt es in Brandenburg nach Angaben des BUND.

Am größten ist die gentechnikfreie Region Prignitz mit 32.500 Hektar. Es folgen die Regionen Spreewald (24.000 Hektar), Märkisch-Oderland (20.000), Uckermark-Barnim (16.100), Fläming (15.900), Stechlin-Ruppiner Land (10.000) und südlicher Barnim (6.890).

Zu einem Vortrag lädt das Agrarbündnis gentechnikfreie Region Prignitz nach Bad Wilsnack ein. Bei der Veranstaltung am Sonnabend, 22. Januar, um 19 Uhr in der Gaststätte "Deutscher Hof" sprechen Christoph Fischer, Gründer des Agrarbündnisses "Zivilcourage" aus Rosenheim, sowie der Landwirt und CSU-Lokalpolitiker Georg Hahn aus Miesbach.