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19.06.2009 - Geschäftsprinzip grünes Gewissen (Märkische Oderzeitung)

Bei der Weidewirtschaft Liepe, einer eingetragenen Genossenschaft, ist der Name Programm: Die 450 Mutterkühe, ihre Kälber und die 15 Deckbullen sind an der frischen Luft zu Hause. Der Betrieb setzt auf das wachsende Umweltbewusstsein der Verbraucher und feiert mit dieser Geschäftspolitik Erfolge.

"Es ist nicht so, dass uns die zahlreichen Lebensmittelskandale gerade der jüngeren Vergangenheit kalt lassen würden", sagt Karl-Heinz Manzke (50), der seit 1991, dem Gründungsjahr der Genossenschaft, als Vorstandsvorsitzender Verantwortung trägt. Wenn wieder einmal die Angst vor billig produziertem und unter Umgehung aller Gesetzlichkeiten in Umlauf gebrachtem Gammelfleisch umgehe, werden vorübergehend weniger Steaks, Filets oder Salamis konsumiert. Doch im Idealfall entscheide sich der Kunde nach einer gewissen Bedenkzeit, beim Einkauf fortan auf Qualität zu achten. Und diese Bereitschaft sieht die Weidewirtschaft Liepe als ihre Chance an.

Deswegen hat die Genossenschaft bereits vor elf Jahren eine eigene Verarbeitungsstrecke aufgebaut, in der heute der Fleischermeister Mariano Glocke (30) aus Bad Freienwalde das Sagen hat. So kann der Betrieb den eigenen Hofladen, der jeden Freitag von 9 bis 18 Uhr geöffnet hat, Naturkostgeschäfte von Eberswalde bis Berlin, Wiederverkäufer, Gastwirte und Großküchen mit selbst produzierten Waren beliefern. Zu den Rennern gehören sechs Sorten Bio-Salami, Kochwurst und vor allem Rinderschinken.

"Den haben wir über unseren Online-Shop sogar schon nach Irland verkauft", berichtet Karl-Heinz Manzke. Wegen der hohen Versandkosten aber sei es da bei einer einmaligen Bestellung geblieben. Die Weidewirtschaft beschäftigt sieben Mitarbeiter in der Landwirtschaft und zwei in der Produktion. Zu ihren Einnahmequellen zählt überdies die ökologische Grünlandbewirtschaftung, bei der strenge Naturschutzauflagen einzuhalten sind. Alles in allem werden 650 Hektar Dauergrünland und 30 Hektar für den Anbau von Futter gebraucht. 440 Hektar liegen im Landschaftsschutzgebiet Niederoderbruch und 230 Hektar im Landschaftsschutzgebiet Choriner Endmoränenbogen.

"Was unsere Verarbeitung angeht, ist uns die Klasse wichtiger als die Masse", hebt der Vorstandsvorsitzende hervor. Jährlich würden etwa 180 Ochsen, Färsen und Kühe unters Messer kommen. "In der Produktion haben wir also durchaus noch freie Kapazitäten", sagt Karl-Heinz Manzke. Deshalb seien gerade Gespräche mit anderen Biolandwirtschaftsbetrieben in der Region im Gange, für die Liepe Wurst und Fleisch herstellen könnte. "Bei aller Konkurrenz sehen wir jede Menge gemeinsamer Potentiale", betont er.

Auf einem anderen Feld ist die Kooperation bereits über den Status der Absprache hinaus gekommen. Seit kurzem wird im Hofladen in Liepe auch Schweinefleisch angeboten, das ein anderes Mitglied im Biopark-Verband erzeugt. Wegen des Frischegebots wird den Kunden zu Vorbestellungen geraten. Der bundesweit agierende Verein Biopark lehnt die Gentechnik ab, fördert den Einsatz von betriebseigenem Futter ohne Zusatz von Antibiotika und leistungssteigernden Mitteln und verzichtet im Landbau auf den Einsatz von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden.

Die Genossenschaft pflegt noch in einem weiteren Bereich ihren guten grünen Ruf: Auf einer Strohlagerhalle fängt seit 2004 eine 550 Quadratmeter große Photovolta-ikanlage mit 65 KW die Sonnenstrahlen ein und verwandelt sie in sauberen Strom. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Energie sind für die Weidewirtschaft ein willkommenes Zubrot. Neben Fleisch und Wurst verkaufen die Lieper auch etwa 170 Weidekälber pro Jahr. Weitere 70 Jungtiere werden der Herde zur Reproduktion zugeführt.

Mehr Infos: www.schorfheider.com