Kein Hauch von DDR: Die LPG-Märkte haben sich erfolgreich am hart umkämpften Berliner Biomarkt etabliert
5000 Produkte sind im Angebot, neben Obst, Gemüse und Frischfleisch gibt es auch Fertiggerichte und Kleidung. Beim Einkauf können die Kunden aus dem Kiez die Kinder in der Spielecke absetzen und anschließend im hauseigenen Biobistro zu Mittag essen.
Das Konzept scheint aufzugehen. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet die LPG einen jährlichen Umsatz von rund 5000 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche und liegt damit im oberen Bereich der Branche. Trotz der großen Konkurrenz. Denn mit 41 Läden ist Berlin auch die Hauptstadt der Biosupermärkte. Laut der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e. V. ist das die bundesweit größte Dichte. Trotzdem wächst das Angebot weiter. Im scharfen Wettbewerb besteht nur, wer neben hoher Qualität auch günstige Preise bietet.
Die LPG macht verhältnismäßig hohe Personalkosten deshalb zum Beispiel durch gute Logistik wett: "Wir haben kein Lager, sondern werden mehrmals täglich beliefert", so Schauerte. Das Markenzeichen der Biomarktkette ist jedoch das Rabattsystem: Für alle Produkte gibt es zwei Preise. Der günstigere gilt für Mitglieder: Sie hinterlegen bei der LPG eine Kaution von etwa 50 Euro, die bei Austritt aus der LPG zurückgezahlt wird. Der monatliche Mitgliedsbeitrag kostet für Erwachsene höchstens 17,90 Euro im Monat. Schulen und Kitas zahlen weniger, Familien und Paare etwas mehr. "Ab einem Einkauf von 25 Euro pro Woche lohnt sich das."
Vor der Eröffnung ihres ersten Ladens hatten die LPG-Gründer nichts mit Bio zu tun. Schauerte verdiente sein Geld als Journalist, Rieswick hatte unter anderem als Sozialarbeiter gearbeitet und Tee auf Wochenmärkten verkauft. Die gemeinsame Geschäftsidee entstand beim Plausch in der Kneipe. "Ludwig erzählte mir von einem Laden in Kiel, indem die Leute einen regelmäßigen Beitrag zahlen, um günstiger einkaufen zu können."
Das war im Februar 1994. Zwei Monate später eröffneten sie ein kleines Geschäft in der Neuköllner Pannierstraße. Einen Teil des Startkapitals liehen sie sich aus dem Bekanntenkreis, ein weiterer kam durch die Einlagen der ersten Mitglieder zusammen. Bis heute ist die LPG durch das Rabattsystem unabhängig von Banken.
Bei der Zusammenstellung des Sortiments setzen die LPG-Inhaber möglichst auf regionale Produkte. "In der warmen Jahreszeit kommen 40 Prozent des Obsts und Gemüses aus Brandenburg", sagt Werner Schauerte. Außerhalb der Erntesaison springen jedoch südeuropäische Lieferanten ein. Im Winter kommen die Möhren zeitweise auch aus Israel und Ägypten.
Um den regionalen Ökolandbau weiter zu fördern, hat die LPG gemeinsam mit Brandenburger Landwirten, Verarbeitern und anderen Bioläden das Siegel "fair & regional" entwickelt. Es verpflichtet alle Teilnehmer der Handelskette, den Erzeugern einen "fairen" Preis im oberen Drittel des Marktdurchschnitts zu zahlen. Schauerte hofft, dass die Initiative auch die Weiterverarbeitung regionaler Produkte in Brandenburg ankurbelt. Denn während das Angebot an Biokartoffeln groß ist, müssen Pommes meist noch aus anderen Regionen und Ländern bezogen werden. "Deshalb garantieren wir etwa einem Hersteller von Biomarmelade, sein Produkt bei uns zu listen", erklärt Schauerte. "Ob wir es dauerhaft ins Sortiment aufnehmen, darüber entscheidet die Nachfrage der Kunden."
Auf Kritik, die Supermärkte verdrängten dennoch die kleinen Bioläden, reagiert Schauerte gelassen: "Bio hat für mich nichts mit Verzicht zu tun. Es schmeckt einfach und ist gesünder. Je mehr wir also davon anbieten können, desto besser."
Apropos regional: Werner Schauerte bekräftigt, dass die LPG ein lokales Unternehmen bleiben und nicht über Berlins Grenzen hinaus expandieren werde: "Als Geschäftsführer sehe ich meine Aufgabe vor allem darin, Ideen meiner Mitarbeiter aufzunehmen und Verbesserungsvorschläge möglichst schnell umzusetzen. Mit einem anderen Geschäftsmodell wäre das gar nicht möglich."


