Noch bestimmen zwar Baufirmen das Bild in und an der neuen Meierei. Trotzdem ist gewissermaßen alles Butter. "Wir liegen im Zeitplan", sagt Geschäftsführer Ludolf von Maltzan. Ende des Monats lädt der Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin zum Richtfest ein.
Gestern Mittag im Öko-Betrieb Brodowin: Die Männer und Frauen um Meierei-Chef Axel Müller haben ihr Tagwerk fast erbracht. Sie haben rund 6.000 Liter Rohmilch verarbeitet. Dirk Ehling von der Firma AluGlas Bau Eberswalde und sein Kollege indes können an Feierabend noch nicht denken. Sie bereiten auf der Baustelle der neuen Meierei, nur wenige Meter von der alten Molkerei entfernt, alles für die Montage der Glasfassade vor. "Gestern sind die Elemente angeliefert worden", sagt Ehling. Jetzt sollen die riesigen Scheiben eingesetzt werden. Per Hand ist dies nicht zu machen. Nicht nur wegen der Maße von 1,30 Meter mal 3,50 Meter. "Eine Scheibe wiegt um die 300 Kilogramm", weiß der Monteur. Eine Maschine ist nötig. "Sobald die da ist, legen wir los." Ende dieser Woche soll der Einbau noch abgeschlossen werden.
"Dann ist die Außenfassade im Wesentlichen geschlossen und der Bau dicht", sagt Firmenchef Ludolf von Maltzan. Nach dem Richtfest folgt im November und Dezember der Innenausbau. "Im Januar und Februar wird die neue Technik eingebaut. Für Ende Februar ist der Umzug geplant", umreißt der Geschäftsführer die nächsten Schritte. Nach einem Probelauf soll die Meierei im März kommenden Jahres die Produktion aufnehmen.
Mehr als zwei Millionen Euro investiert das Unternehmen in die neue Molkerei. "Das ist natürlich ein kräftiger Schluck aus der Milchflasche", formuliert es von Maltzan salopp. Ein Schluck, der dringend not tut. "Und eigentlich überfällig ist." Die alte Meierei sei längst an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. 1996 in Betrieb genommen und ursprünglich mit einer Leistung von 500.000 Litern Milch pro Jahr konzipiert, werden derzeit 2,8 Millionen Liter jährlich verarbeitet. Also fast das Sechsfache. "Die Meierei ist mehr als ausgelastet. Eine Betriebserweiterung durch einen Neubau war unumgänglich", bekräftigt von Maltzan.
Als Standort wählte das Unternehmen die alte Bergehalle neben dem Hofladen. Unter deren Dach entsteht die moderne Produktionsstätte. Mit einer gläsernen Fassade. "So kann jeder Besucher künftig selbst die Ausübung des traditionellen Molkerei-Handwerks nachvollziehen", sagt der Unternehmer. Doch nicht nur in puncto Transparenz beschreitet der Betrieb neue Wege. "Wir haben uns auch aufgemacht zu neuen Produkten." Mit der neuen Anlage wolle man künftig vier Millionen Liter Milch verarbeiten. Dabei soll die vorhandene Produktpalette, die von frischer Trinkmilch über Butter bis hin zu Ziegenkäse reicht, um Schnitt- sowie Weichkäse ergänzt werden. Zwei neue Arbeitsplätze werden entstehen.
1,6 Millionen Liter Rohmilch, die die Meierei umsetzt, kommen aus dem eigenen Haus. Die 260 Brodowiner Milchkühe liefern den gesunden Rohstoff. Daneben kauft der Betrieb von einem Landgut im Spreewald sowie von Michael Langanke aus Serwest Milch. "Beide arbeiten ? so wie wir ? nach den demeter-Richtlinien", versicherte von Maltzan. Denn im Ökodorf komme nur demeter-Milch in die Flasche bzw. in die Tüte. Wegen der Betriebserweiterung sei man auf der Suche nach weiteren Partnern.


