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18.01.2018 - Große Nachfrage nach Bio-Gemüse (Märkische Oderzeitung)

Die Brandenburger Bio-Branche boomt. Die Nachfrage speziell nach Gemüse übersteigt das Angebot. Eine neue Initiative will diese Lücke schrumpfen lassen.

In Berliner Grundschulen kommt zunehmend Bio-Schulessen auf den Tisch. Inzwischen stammen rund 40 Prozent der eingesetzten Rohstoffe aus ökologischem Landbau. Allerdings kaufen die Betreiber der Küchen in anderen Bundesländern ein – nur nicht in Brandenburg, wie Michael Wimmer von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. (FÖL) sagt. "Es gibt keine Gemüsebaubetriebe, die dafür in Größenordnungen anbieten." Der Bio-Gemüseanbau entwickelt sich nach Einschätzung des FÖL in Brandenburg bisher nur langsam. Gründe sieht der Verein unter anderem in zu wenig Betrieben, mangelnder Erfahrung von Landwirten in diesem Bereich, fehlender Markttransparenz und ineffizienten Lager- und Logistiksystemen.

Ein neues EU-Projekt "Regionales Biogemüse aus Brandenburg" soll das ein Stück weit ändern. Gestartet ist es im Januar und es läuft bis 2022. Aus Brüssel kommt dafür eine Förderung von 1,3 Millionen Euro. Das Geld wird vor allem für Beratung und die wissenschaftliche Begleitung des Projektes eingesetzt, die Forscher der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde übernehmen. Es geht in erster Linie darum, neue Landwirte für den Anbau von Biogemüse zu interressieren oder bestehende Öko-Betriebe dafür zu gewinnen. Zehn Landwirte machen im Projekt mit.

Das Gros seien Junglandwirte mit Aussicht auf mehr Land, sagt Wimmer. Probleme, Flächen zum Wirtschaften zu bekommen, sieht er in diesem Zweig des Öko-Landbaus eher nicht. "Grundsätzlich haben wir genug Fläche." Oft würden den jungen Leuten auch Äcker auf den Dörfern angeboten, wenn sie erst einige Zeit dort leben und im Ort bekannt geworden sind. "Aber die Flächen sind deutlich teurer geworden." Im Gemüseanbau lohnt sich aber auch schon ein Betrieb mit nur drei bis fünf Hektar. "Auf kleinster Fläche lässt sich relativ viel Umsatz herausholen", schätzt Michael Wimmer ein. Insgesamt verstärkt sich der Trend zur Umstellung nach Daten der FÖL. Die Öko-Anbauverbände in der Region seien im vergangenen Jahr mit Anfragen interessiert Betriebe förmlich bombardiert worden, heißt es.

Der Verein FÖL will nun Bauern aus Brandenburg und Schul-Caterer aus Berlin zusammenbringen. So sollen die Bauern zum Beispiel erfahren, welcher Bedarf an welchen Lebensmitteln besteht oder wie die Preise liegen. Das soll ihnen auch Sicherheit für Investitionen und Einstellung von Personal geben. Darüber hinaus bietet das Projekt wirtschaftliche und agrarfachliche Beratung an. Und es soll ein Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Betrieben organisiert werden, den vor allem die Eberswalder Hochschule managt.

Das Projekt soll nur ein Anfang sein, um die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot durch regionale Produkte zu schließen. Michael Wimmer sieht auf dem Berliner Markt ein deutliches Wachstums-Potenzial. Auch Betriebskantinen, Uni-Mensen verarbeiten Bio-Lebensmittel. Der Einzelhandel bietet an. "Da ist viel Musik drin." Allerdings gebe es auch in der Landwirtschaft ein Fachkräfte-Problem. Zugleich sieht Wimmer bei jungen Leuten, auch Städtern, ein neues Interesse "etwas mit ihren Händen zu schaffen." Er plädiert für eine aktivere Werbung junger Leute, mehr Angebote für Praktika in den Betrieben.

Marktlücken gibt es in der Biobranche nach Angaben des FÖL genug zu füllen. So wächst die Nachfrage nach Biofleisch. Die Biomanufaktur Havelland, der größte regionale Erzeuger von Biowurst und -fleischwaren stieg der Umsatz um 17 Prozent auf zuletzt 10,2 Milllionen Euro. Vermarktet wird in Brandenburg vor allem Rindfleisch, hingegen zu wenig Geflügel, Schweinefleisch oder Eier.

Angetrieben wird das Wachstum auch durch die zunehmende Zahl der Bio-Supermärkte. Derzeit gibt es in Berlin und Brandenburg 118. Im neuen Jahr sind bereits zehn Neueröffnungen von Märkten geplant. Fazit des Fördervereins: Der Markt wächst, die Produktion "hinkt chronisch hinterher."