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11.06.2010 - Grüzi miteinand! Tag ooch! - Dieter Moor liest aus der arschlochfreien Zone (Lausitzer Rundschau)

Er ist einer der beliebtesten Moderatoren des öffentlich-rechtlichen Kultur-Fernsehens ("Titel, Thesen, Temperamente", "Bauer sucht Kultur" u. a.). Der Schweizer Dieter Moor ist nach Brandenburg gezogen und hat darüber ein sehr vergnügliches Buch geschrieben. Daraus las er am Mittwochabend in der Reihe Lausitzer Lesart im Schloss Lübbenau.

Wie in einer richtigen Gastarbeiterfamilie geht der Chef der Familie vor und sorgt für das neue Quartier. "Also ist meine Frau vorgegangen und hat das Haus in der märkischen Heide gekauft", erzählt Dieter Moor, der mit seiner Frau vor einigen Jahren von der Schweiz nach Brandenburg gezogen ist. Ein Haus kaufen, das man nicht gesehen hat, ist wohl für einen Schweizer genauso ungewöhnlich wie für einen Deutschen. Doch es ging nicht anders wegen des Zeitdrucks. Und damit fingen die Probleme an. Wie kommt man zurecht in einer Gegend, von der alle sagen, da zieht man nicht hin. Da wohnen die Ossis, die nicht mitziehen, ständig herumjammern und stur sind. Doch Moor bohrt sich durch bis in die Herzen jener Sturköppe, nimmt Tuchfühlung auf zu den Einwohnern des Dörfchens, das er im Buch Amerika nennt, hört den Leuten zu, belehrt nicht und kommt ihnen näher. Ein Mustereinwanderer? Nicht immer. Da meldet sich gern der "kleine Schweizer" in ihm, der den unausweichlichen Alltagsvergleich macht.

Hier das unfertige Brandenburger Land mit seinen dürren Böden und grummeligen Menschen, die noch in den Konsum gehen (Öko? Ham wa nich!) und dort Schrippen verlangen, wo Moor Strippen versteht. Und die Kommunikation! Wenn sich zwei Schweizer für den Nachmittag verabreden, ist das so umständlich, dass es etwa eine halbe Stunde lang dauert. Brandenburger erledigen das in zwei Sätzen. A: Ich komm nachmittag mal 'rum. B: Jo.

Dort die schöne saubere Schweiz mit ihren "Schlafdörfern" mit Ärzten, Beratern, smarten Anwälten und ihren Öko-Gattinnen, die ständig auf der Hatz sind nach Dingen, die die Dörfer noch steriler machen. Orte, wo alles wie für immer und ewig auf einer Eisenbahnplatte festgeschraubt ist. Moor, der inzwischen den Randberliner Dialekt so beherrscht wie das Schwyzerische, spricht und erzählt mehr, als dass er liest. Das ist so vergnüglich, dass die 200 Leute im eiligst aufgestellten Zelt - hervorragend brandenburgisch vom Gastgeber improvisiert - einen launigen Abend erleben, an dem viel gelacht wird.

"Auf die Leute offen zugehen, ohne sich anzubiedern, das ist das Problem", sagt Moor. Den vier Männern vor dem Dorfkonsum mit der Bierflasche ruft er ein völkerverbindendes "Grüzi miteinand'!" zu. Und bekommt ein grimmiges "Tag ooch" zurück. Moor entwickelt Sympathie für Menschen, die sich durchbeißen, die sich noch mal im Alter selbstständig machen wie Bauer Müsebeck. Aber auch für jene, die die ihnen "zugeordnete Rolle im Leben" nicht wahrnehmen wollen.

Ja und wäre es nicht schön, wenn man selbst mal einfach nur so vor dem Konsum stünde und ein, zwei Bierchen vielleicht . . . Doch da sei der kleine Schweizer vor! Der Schluss mit Moor war diesmal ein sehr langer mit netten Publikums-Gesprächen auf der Lynar'schen Schlosswiese und vielen in die Bücher geschriebenen Widmungen.

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Dieter Moor: Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht.